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Urlaub vom Chef bestimmt?

Hallo,

ich habe leider ein Problem in meinem Ausbildungsbetrieb. Mein Chef hat diese Woche befohlen, dass ich all meinen Urlaub (ich hab noch zwei Tage + 1 Tag Überstunden) bis spätestens in den Herbstferien nehmen muss und mir auch keine Tag für Weihnachten aufsparen kann (1/2 24.12 + 31.12).

Ich habe ihn mehrmals darauf hingewiesen, dass ich in diesem Zeitraum eh wenig zu tun habe (der Arbeitsauftrag meiner Abteilung setzt zu Weihnachten aus) und des weiteren ist speziell an diesen zwei Tagen die Firma meist eh nicht offen. Letztes Jahr dufte ich mir wenigstens einen Tag aufsparen und dann wurde mir eine Woche vor Weihnachten befehlt weitere 6 Tage in den Urlaub zu gehen, da es nichts zu tun gibt, welcher dann schon von diesem Jahr abgezogen wurde. Nun habe ich die Vermutung, dass mein Chef es dieses Jahr wieder so machen will. Deshalb meine Frage: Darf mein Chef mir "befehlen" Urlaub vom kommenden Jahr schon vorzuziehen zu nehmen? 

Jo: 13.10.2020 |
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  • RE: Urlaub vom Chef bestimmt?

    Liebe Jo,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum,

    Erst einmal grundsätzlich zu deinem Urlaub:

    Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr und zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§7 Bundesurlaubsgesetz)..

    Zudem sollte dein Urlaub zusammenhängend gewährt werden (§7 Bundesurlaubsgesetz). Der Urlaub darf nur aufgeteilt werden, wenn du das wünscht oder wenn dringende betriebliche Gründe dafür sprechen. Liegt der Urlaub in der Berufsschulzeit, muss dir für jeden Berufsschultag ein weiterer Urlaubstag gewährt werden.

    Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Daraus ergibt sich auch, dass du keinen Urlaub aus dem neuen Jahr vorziehen musst. Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi.

    Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Augsburg
    Am Katzenstadel 34
    86152 Augsburg

    Tel.: 0821/27954-0
    Fax: 0821/27954-54
    E-Mail: bz.augsburg@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.10.2020


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