Deutscher Gewerkschaftsbund

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Abmahnung wegen google Bewertung

Hallo,

ein Kunde hat die Filliale in der ich arbeite nicht gut bewertet. Daraufhin hat mein Arbeitgeber mir eine Abmahnung gegeben. 

1. Ist das zulässig?

2. Was sollte ich tun?

Außerdem arbeite ich oft 12 Stunden 5 Tage sie Woche ihne Ausgleich. Aussage des Inhabers“Die Stunde vor und nach der Schicht sind vor und nachbereitung und werden nicht vergütet“

1. Darf ich in der Ausbildung so lange arbeiten?

2. Zählen Vorbereitungen zur Fillialöffnungen nicht zur Arbeitszeit?

3. Wird diese Arbeitszeit nicht vergütet?

Gruß,

jazek

Jazek: 13.10.2020 |
  • RE: Abmahnung wegen google Bewertung

    Lieber Jazek,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Zu deiner ersten zwei Fragen, die Abmahnung betreffend:

    Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein Ausbilder mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drin stehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der Ausbilder nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern!

    Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafür kannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb um zu lernen.

    Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.

    Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem Ausbilder verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

    Zu deinen Fragen die Arbeitszeit betreffend:

    Arbeitszeit ist die Zeit, die du jeden Tag in deinem Ausbildungsbetrieb verbringst also ganz klar auch Zeiten, wenn die Filiale noch nicht offen hat!!! Unbezahlte Vor- und Nachbereitungszeiten gibt es in der Ausbildung nicht. Die Pausen gehören nicht zur Arbeitszeit. Die Zeiten, die du in der Berufsschule verbringst, werden dir auf die Arbeitszeit angerechnet. Deine tägliche oder auch wöchentliche Arbeitszeit ist in deinem Ausbildungsvertrag festgelegt.

    Die Arbeitszeit in deinem Ausbildungsvertrag wird dabei entweder durch einen bestehenden Tarifvertrag oder durch die Arbeitszeitgesetze beschränkt. Alles was darüber hinaus geht sind Überstunden.

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Wenn du keine Überstunden mehr machen möchtest, dann kannst du folgendermaßen vorgehen: Du kannst 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:

    Adresse Azubi

    Adresse Betrieb

    Ort/Datum

    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi …...................

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

    Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten Leipzig
    Angerstraße 14a
    04177 Leipzig
    Tel.: 0341 / 688 43 24 0
    Fax: 0341 / 688 43 24 19

    region.leipzig-halle-dessau@ngg.net
    www.ngg.net/lhd

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße


    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.10.2020


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