Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: Aktuelle Infos!


Kündigung

Hallo

Ich bin um 3. Ausbildungsjahr. Mein Chef möchte mich kündigen, da ich in seinen Augen grob fahlessig gehandelt habe.

Ich hatte mit jemanden, in meiner Freizeit Kontakt(Kontaktzu einer Kontaktperson), der anschließenden unter Corona Verdacht stand. Am Montag, da wusste ich noch nichts von dem Verdacht, habe ich regulär  gearbeitet.  Am Dienstag morgen, habe ich von dem Verdacht erfahren. Anstelle anzurufen, bin ich leider  in die Firma gefahren und habe den Chef gleich davon erzählt und gefragt, wie ich mich jetzt verhalten  soll. Er hat mich gleich nachhause geschickt.  Ich sollte den Test von meinem bekannten  abwarten. Ich habe an dem Tag nur Kontakt  mit meinem Chef gehabt.  Keine Kollegin oder Kunden in Gefahr gebracht.

Als nun der Test negativ war, hat mein Chef mich erst den Tag arbeiten lassen.  Und zum Feierabend, hat er mich vor die Wahl gestellt.  Ich sollte mich bis zum nächsten Tag ( Samstag) entscheiden, ob er mich fristlos kündigt...oder ich freiwillig den Ausbildungsplatz wechsel. Dafür würde er mir eine super Beurteilung ausstellen und zur Hilfe auch gerne mit dem neuen Betrieb telefonieren. Die Kündigung wurde Freitag nach 14 Uhr , mündlich ausgesprochen. Natürlich gab es Freitag Nachmittag keine Möglichkeit für mich, das ich mir eine Rechtsauskunft holen konnte.

Der Kündigungsgrund wäre, grob fahrlässiges Verhalten. Er meint, das er vor Gericht definitiv recht bekommt.  Schon alleine, wenn er abgibt, das das Vertrauen zerstört wäre.

Wie soll ich mich jetzt Verhalten? Welche Möglichkeiten habe ich?

Mein Ausbildungsbetrieb, ist eine kleine Edeka Filiale. Ich habe keinen Ausbildznfsbetreuer oder einen Ansprechpartner. 

Da es eine sehr kleine Filiale ist, bin ich definitiv nicht auf dem Ausbildungsstand im 3. Lehrjahr. Sollte ich also den Betrieb wirklich wechseln, kann mich das auch die Ausbildung kosten.  Den der neue Betrieb wird ja mit Sicherheit auch eine probezeit vereinbaren. 

Ich habe noch nie eine Abmahnung oder ähnliches erhalten. 

Über eine zeitnahe Rückmeldung, wäre ich sehr dankbar, da ich von meinem Chef die Frist habe, mich heute Nachmittag zu entscheiden. 

Räubertichtochter: 14.09.2020 |
  • RE: Kündigung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Zunächst: unterzeichne auf garkeinen Fall einen Aufhebungsvertrag, auch wenn dein Chef dich unter Druck setzet. Denn diesen kannst du nicht mehr rückgängig machen. Eine mündliche Kündigung ist nicht zulässig. Du solltest unebdingt weiterhin in die Arbeit kommen und klar vermitteln, dass dir deine Ausbildung dort wichrig ist. Falls du bis dato einen guten Draht zu deinem Chef hattest, solltest du nochmal ein klärendes Gespräch führen. Vielleicht war das eine Kurzschlusshandlung deines Chefs und er war einfach selber so aufgewühlt durch den Vorfall. Er kann aber nicht so ohne weiteres fristlos Kündigen. Besonders nicht dann, wenn du dir bis dato noch nie etwas zu schluden kommen lassen hast. Ich könnte mir auch vorsetllen, dass er das weiss und dir deshalb auch nicht schriftlich gekündigt hat. Falls es bei euch einen Betriebsrat gibt, solltest du dir unbedingt Hilfe bei diesem suchen. Ansonsten solltest du dich an die Kammer wenden und um eine Schlichtung bitten. Beziehe am besten auch die Gewerkschaft mit ein und lass dich da nochmal sprezifisch beraten.

    Hier nochmal ein paar allgemeine Infos zum Thema fristlose Kündigung:

    dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

    Hier die rechtlichen Grundlagen:

    Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem_rAusbilder_in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz).

    Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

    Urlaubsantritt ohne Genehmigung

    Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

     Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

    nachgewiesener Diebstahl

    Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

    Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

    Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

    Keine Kündigungsgründe sind:

    Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule

    Krankheit

    Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

    Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

    Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

    1.Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

    2.Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.

    Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen
    Karlstraße 123-127
    40210 Düsseldorf

    Tel.: 0211/61824-0
    Fax: 0211/61824-466
    E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Gabriele Schmidt

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch

    ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    3. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

    4. Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigungdurch-den-azubi.html#Bewerbung. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de.

    Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im

    Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines

    Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

     

    Dr. Azubi: 15.09.2020


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

  
  
  

Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.