Deutscher Gewerkschaftsbund

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Lange Arbeitszeiten

Ich habe ein Problem mit meiner Ausbildungsstätte. Ich bin in der Küche tätig und bin immer den ganzen Tag mind 12 Stunden unterwegs weil ich eine 2-3 Stunden Pause habe. 

Handelt es sich hier um geteilten Dienst? 

Ich arbeite zwar 8,5 Stunden aber durch die lange Pausen bin ich sehr lange von zu Hause weg, da sich die Heimfahrt nicht lohnt.

Zudem muss ich jedes Wochenende arbeiten. 

Küchenazubi: 27.07.2020 |
  • RE: Lange Arbeitszeiten

    Hallo,

    vielen Dank für deine Nachricht. Für Azubis im Schichtdienst gibt es ganz klare Arbeitszeitregelungen. Du darfst innerhalb eines halben Jahres im Schnitt nicht mehr als 40 Stunden in der Woche beschäftigt sein. Wenn du also täglich 8,5 Stunden arbeitest, dann ist das zuviel.

    Hier ein paar allgemeine Infos zum Arbeitzeitgesetzt. Dann kannst du dir einen besseren Überblick verschaffen und einschätzen, ob es bei dir im Betrieb rechtmäßig zugeht.

    Arbeitszeit für Volljährige

    Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz).

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.


    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).

    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Ruhezeit

    In manchen Betrieben müssen Azubis Schichtarbeit leisten oder haben flexible Arbeitszeiten. Schichtarbeit kann bedeuten, dass der Azubi nach einer späten Schicht am nächsten Tag eine Frühschicht hat. Bei Schichtarbeit oder flexiblen Arbeitszeiten gilt für Volljährige: Zwischen dem Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn müssen auf jeden Fall elf Stunden Freizeit liegen (§ 5 ArbZG).

    Es kann passieren, dass Azubis in mehreren Blöcken arbeiten oder lange Pausen haben. Die Schichtzeit ist die gesamte Zeit, die zwischen dem Arbeitsbeginn und dem Arbeitsende liegt.

    Überstunden

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz)

    Falls du gegen mögliche Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz etwas unternehemen willst:

    Dann solltest du 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:

    Adresse Azubi

    Adresse Betrieb

    Ort/Datum

    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi …...................

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

    NGG

    Hauptverwaltung

    Haubachstr. 76
    22765 Hamburg
    Tel.: 040 / 380 13-0
    hauptverwaltung@ngg.net

    Hauptstadtbüro

    Luisenstr. 38
    10117 Berlin
    Tel.: 030 / 28 88 49 69-0
    Fax: 030 / 28 88 49 69-9

    hv.berlin@ngg.net
    presse@ngg.net



    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

    Liebe Grüße


     

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!



    Dr. Azubi: 30.07.2020


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