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Schlecht behandelt

Hallo Dr. Azubi,

seit September 2019 mache ich eine Ausbildung als  Kauffrau für Büromanagement. Die Ausbildung macht mir eigentlich sehr fiel Spaß, wenn man nicht die ganzen Probleme hätte. In dieser Zeit habe ich schon zwei Abteilungen durchlaufen. In meiner Anfangszeit durfte ich mir den Empfang anschauen, worin es schon erste Probleme mit einer Arbeitskollegin gab. Das Team besteht aus zwei Frauen: eine jüngere, die vor einigen Jahren selbst die Ausbildung abschloss und eine ältere Dame.

Ich hatte tatsächlich nur Probleme mit der älteren Kollegin, die mir alles erschwerte. Von anschreien bis zur Demütigung vor Kunden und Bewerber, das ging damals so weit, dass wir ein Gespräch mit einer Kollegin (auch Azubi, die die gleiche Probleme hat wie ich), Ausbilderin und Abteilungsleiterin. Ende der Geschichte: die Mobbingattacken gingen weiter, dass ich jedesmal heulen musste, sogar zu meiner Ausbilderin gegangen und sie gebeten habe, mich in eine andere Abteilung zu stecken. Ihre Antwort war hingegen, dass jeder die gleiche Zeit in der gleichen Abteilungen verbringen MÜSSE und dass man von so welchen Menschen nur wachsen könne.

Gut, dann hatte ich die Zeig abgesetzt. Bekam eine sehr gute Bewertung in der Abteilung, trotz den Problemen. Wobei man anmerken muss, dass ich aus gesundheitlichen Gründen, mir alles erschwerte und es mir noch schlechter ging als sonst. (Leide unter Migräne mit besonderer Aura und einem Tumor).

 Sechs Monate vergingen und ich durfte die Abteilung zu HR wechseln (Anfang März bis kommenden Oktober), wo ich dachte, dass es nur bergauf gehen kann. Leider erging es mir nicht so. Durfte anfangs nur Ablage machen bis jetzt. Mir wurden Sachen beigebracht wie Erstellung von Zeugnissen (worin ich echt gut bin), SAP Anlage, V3-Verträgen und analoge und digitale Ablage (in den ganzen fünf Monaten wurde mir nur das vermittelt)

Schikanierung fing so an, dass ein fehlerhaftes Handbuch gegeben wurde, woran ich mich auch hielt. Enee des Liedes: meine Projekte kamen falsch raus und mir wurde die Schuld zu geschoben. Seitdem werde ich nicht mehr Ernst genommen (vom ganzen Team) und werde von einer speziellen Kollegin schikaniert und gedemütigt. Sie sprach mich darauf an, wieso ich manche deutsche Wörter ich nicht wüsste, obwohl ich erklärt hatte, dass ich seit ca. 10 Jahren erst angefangen hatte deutsch zu lernen.

Leider kann ich mit meiner Ausbilderin nicht reden, da sie keine Einsicht zeigt. Aus "Strafe" darf ich Mitte Oktober bis März wieder an die Rezeption, wo die ganzen Probleme anfingen.

Ich bin am Ende meiner Nerven und weiß nicht, ob ich es noch zwei weitere Jahre, eben aus gesundheitlichen Gründen, es schaffen werde. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Anmerkung: nur im Betrieb habe ich solche Probleme, in der Berufsschule habe ich sehr gute Noten.

LuaSol: 24.07.2020 |
  • RE: Schlecht behandelt

    Liebe Sarah,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter.

    Gut, dass du dir die schlechte Behandlung und die mangelnde Ausbildungsinhalte nicht gefallen lässt. Dein Betrieb ist dazu verpflichtet dich laut der Ausbildungsordnung auszubilden. Wirf doch mal einen Blick in deinen Ausbildungsrahmenplan und schau nach was du bis dato bereits alles können solltest. Wenn das mit deinem tatsächlichen Ausbildungsstand nicht übereinstimmt, solltest du unbedingt handeln. Du kannst in deinem Betriechtesheft genau prüfen, wann du was gelernt hast. Dies gilt dir auch als Nachweis im Streitfall. Deshalb solltest du da auch nur wirklich das reinschreben, was du auch gemacht hast. Am besten suchst du dann noch mal das Gespräch mit deinem Chef und deinem Ausbilder. Sage genau was sich verbessern muss und welche Asbildungsinhalte bis jetzt zu kurz gekommen sind. Macht einen genauen Plan, wann du was nachholen kannst. Wenn dein Betrieb keine bereitschaft zeigt, etwas zu verbessern, solltest du auch mal über einen Ausbildungsplatzwechsel nachdenken. Denn neben dem inhaltlichen, scheint es bei dir ja auch auf der menschlichen Ebene schwer zu sein. Dein Chef hat dir gegenüber nämlich auch eine Fürsogepflicht. Wenn er dir nicht dabei hilft, dass Angriffe und Schikanen vn Kollegninnen aufhören, verstößt er gegen seine Pflichten aus dem Berufsbildungsgesetz. Wenn er die Missstände langfristig nicht verbessert, dann ist das ein sogar ein Kündigungsgrund.

     

    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


     

    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbung. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de,  oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

     

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

     

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

     

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz


    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten


    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)


    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt


    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist


    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


     

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.

    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt für dich:



    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Bayern
    Schwanthalerstraße 64
    80336 München

    Tel.: 089/59977-0
    Fax: 089/59977-2222
    E-Mail: LBZ.Bayern@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Luise Klemens

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 01.08.2020


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