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Darf ich trotzdem in den Urlaub gehen?

In meinem Betrieb arbeiten wir mit 3 Leuten, einer meiner Kollegen ist ab dem 01.07.20 mit seinem dualen Studium fertig. Da Corona unserem Betrieb nicht so gut getan hat, wird dieser Kollege für 2 Monate, ab dem 01.07., nicht im Betrieb arbeiten, um kosten zu sparen. Dies soll dazu dienen, dass der Betrieb sich erholen kann und wir keine Insolvenz anmelden müssen. Ab dem 01.09.20 soll er dann wieder im Betrieb mit einsteigen. 
Das Problem ist jetzt folgendes: Anfang diesen Jahres habe ich schon für den Sommer meinen Urlaub geplant, ich habe den Urlaubsantrag dort schon eingereicht und er wurde auch genehmigt. Auch haben wir schon ein Apartment in Holland gebucht, wo ich von dieser Umstellung noch gar nichts wusste. Jetzt habe ich Angst, dass mein Arbeitgeber mit diesen bewilligten Urlaub wieder entziehen will. Ich weis dass er das darf, aus dringenden betrieblichen Gründen. Meine Frage ist nur, gilt dies auch für Azubis? Er hat auch gesagt, dass wir uns ja gar keinen Urlaub mehr nehmen müssten, weil unser Betrieb 5 Wochen geschlossen war und wir da ja schon genug Freizeit hatten. Für diese Zeit wurde auch Kurzarbeit beantragt. 
Ich arbeite seit dem 01.11.19 in diesem Betrieb und hatte seit dem erst 2 Urlaubstage. 

Malin: 23.06.2020 |
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  • RE: Darf ich trotzdem in den Urlaub gehen?

    Liebe Malin,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Für Kalenderjahre, die du nicht voll arbeitest, hast du Anspruch auf anteiligen Urlaub. Die Übertragung des Urlaubes in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Nimmst du alten Urlaub mit in das neue Jahr, musst du den Urlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres abbauen. Wenn dies bis Ende März nicht möglich ist, musst du unbedingt einen schriftlichen Antrag auf Übernahme des Resturlaubs stellen, sonst verfällt dein Urlaubsanspruch.

    Dein Urlaub sollte zusammenhängend gewährt werden und du hast einen Rechtsanspruch darauf, zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§7 Bundesurlaubsgesetz).

    Leider gibt es aber häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und der Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige betriebliche (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub), oder soziale Gründe (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern) dagegen sprechen. Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert, wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Du solltest deinen Urlaubsantrag kopieren und dir die Abgabe des Urlaubsantrags schriftlich bestätigen lassen! Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Lass dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum ebenfalls schriftlich geben. So hast du im Streitfall einen Nachweis, und die Chancen stehen gut, dass du deinen gebuchten Flug in die Sonne auch antreten kannst! Reagiert der Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist ein Kündigungsgrund! Wenn du dabei erwischt wirst, kann es zu einer fristlosen Kündigung durch den Ausbilder kommen (§22 Berufsbildungsgesetz). Wende dich in diesem Fall also lieber an deine Gewerkschaft und versuche deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen.

    Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. In diesem Fall hast du zunächst Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Danach sollte - aus unserer Sicht - das Kurzarbeitergeld greifen. Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen. Informiere dich bei deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung, deinem Betriebs- oder Personalrat oder deiner zuständigen Gewerkschaft, ob es eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag dazu gibt.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Köln
    Hans-Böckler-Platz 9
    50672 Köln

    Tel.: 0221 48558-0
    Fax: 01805 837343 - 23103
    E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 25.06.2020


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