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Psychisch Krank & Ausbildung

Hallo,


Ich habe ein Problem. Ich leide schon seit ich 16 Jahre alt bin an sehr starken Depressionen mit Suizid Gedanken, Borderline Persönlichkeitsstörung und paranoide Schizophrenie.

Ich habe die Ausbildung angefangen, weil es zuspät für mich war mich an einer Berufsschule anzumelden um mein Fachabi zu machen (was ich lieber gemacht hätte). Ich war davor in einer kinder und Jugendpsychiatrie aber musste vorzeitig wieder da raus, da meine Ausbildung dann anfing. Am Anfang war es noch gut aber mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Ich habe sehr oft in der Schule gefehlt und dementsprechend auch viel Unterrichtsstoff verpasst und meine Schulnoten sind sehr schlecht weshalb ich das 3. Lehrjahr wiederholen muss. Ich war jetzt 14 Wochen in einer Borderline Klinik die mir sehr geholfen hat. Meine Wiedereingliederung ist jetzt zu Ende und ich fühle mich immer schlechter. Die Arbeit belastet mich sehr sowie meine Kollegen und mein Chef (einer von 5). Alle meine Freunde und Familie sagen mir ich soll das eine Jahr noch durchziehen aber ich kann nicht mehr (psychisch) und körperlich wird es bei mir auch immer schlimmer aber ich habe das Geld dringend nötig (aufgrund von meinem Problem verhalten habe ich hohe Schulden mir angeeignet). Ich bin sehr am verzweifeln. Ich fühle mich psychisch so schlecht, dass ich dass Gefühle habe wieder in einer Klinik zu müssen, weil die Arbeit mich sehr belastet. Ich weiß nicht was ich machen soll und wenn ich dir Ausbildung fertig mache werde ich sehr wahrscheinlich nicht übernommen.

Während der Ausbildung habe ich auch starke Ängste entwickelt und Phobien. Psychisch geht es mir immer schlechter und ich fühle mich überhaupt nicht in der Lage dir Ausbildung (auch wenn es "nur" ein Jahr ist) zu machen.

Mein Ziel war es eigentlich mein Abi/Fachabi zu machen und zu studieren.

Kalinka: 23.06.2020 |
  • RE: Psychisch Krank & Ausbildung

    Liebe Kalinka,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum und deine offenen Worte. Da ist ja einiges bei dir zusammengekommen und es ist gut, dass du den ersten Schritt gemacht hast und alles geschrieben hast.

    Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, solltest du die Warnsignale ernst nehmen und dir Hilfe von einem fachlich qualifizierten Arzt holen. Konzentriere dich erst einmal darauf, dass es dir bald wieder besser geht und mach dir keine Sorgen wegen deiner Ausbildung. Blöde Kommentare oder Druckausübungen von Seiten deines Betriebes sind nicht in Ordnung.

    Eine "Ausbildungspause" oder Unterbrechung gibt es im wörtlichen Sinne zwar nicht, aber du kannst dich selbstverständlich krankschreiben lassen und so erst einmal aussetzen, denn wenn du krankgeschrieben bist, bist du krankgeschrieben. Daher hast du dich vollkommen korrekt verhalten, indem du dich erst einmal um deine Gesundheit kümmerst.

    Wenn dein Arzt dich länger krankschreiben würde, damit du z. B.  eine Therapie oder so machen könntest, hast du zunächst einmal Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

    Worauf du dich zudem gefasst machen solltest, wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, ist, dass dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten kann. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes. Das ist aber keine Schikane oder Druckausübung, sondern ganz normale Routine.
    Zudem unterliegt der Arzt der Krankenkasse natürlich auch der ärztlichen Schweigepflicht und darf deinem Arbeitgeber nur mitteilen, ob du arbeitsfähig bist oder nicht. Auch kann es sein, dass du deine Abschlussprüfung eventuell um ein halbes Jahr nach hinten schieben musst. Das ist dann der Fall, wenn du ca. 10-15% an Fehlzeiten hast.

    Und mach dir keine Gedanken. Deinen Traum zu studieren kannst du immer noch nachgehen. Mit deinem Ausbildungsabschluss kannst du auf die Berufsoberschule gehen und dort dein Abi machen und dann immer noch studieren.

    Solltest du erst einmal arbeiten und nicht übernommen werden, dann kannst du dir auch eine Arbeitsstelle suchen. Gerade in deinem Bereich wird viel gesucht.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:


    ver.di Ludwigshafen
    Kaiser-Wilhelm-Straße 7
    67059 Ludwigshafen

    Tel.: 0621/59184-0
    Fax: 0621/59184-20
    E-Mail: bz.pfalz@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!             

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi          

    Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dr. Azubi: 25.06.2020


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