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Dr. Azubi

Ausziehen während der Ausbildung

Hallo,

ich mache derzeit eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau im ersten Lehrjahr, welche ich allerdings jetzt abbrechen werde. Ich werde dafür ab September eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß und Außenhandel beginnen.

Da ich bereits 23 bin, und langsam auf eigenen Beinen stehen will, würde ich nachdem ich die neue Ausbildung beginne gerne von daheim ausziehen. Da ich aber in einer Stadt lebe, wo das Wohnen recht überteuert ist, wollte ich fragen ob ich irgendeine Hilfe beantragen kann.

Ich würde von daheim ausziehen und in die gleiche Stadt ziehen, die Ausbildung ist auch nicht wirklich weit weg von der Wohnung meiner Mutter, dennoch will ich dort keine weiteren 3 Jahre leben müssen.

Ich habe mich bereits mit bab und Bafög beschäftigt aber es heißt immer nur das man bab/Bafög bekommt, wenn man für die Ausbildung ausziehen muss, was ja bei mir nicht der Fall wäre. Ich möchte nur einfach so ausziehen. Zudem habe ich keinen Kontakt zu meinem Vater, welcher frührentner ist. Meine Mutter arbeitet auch nur teilzeit. Ich habe auch einen nebenjob aber dennoch würde das Geld nur sehr sehr knapp für eine Wohnung reichen 

RE: Ausziehen während der Ausbildung

Hallo Lisa,

 

Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter. Ich kann gut verstehen, dass du gerne auf eigenen Beinen stehen würdest.

 

Wenn du nicht mehr zu Hause wohnst, hast du neben deiner Ausbildungsvergütung folgende Möglichkeiten, für weitere Einnahmequellen:


1. 204€ Kindergeld für dich. Das müssen dir deine Eltern überweisen, da du ja nicht mehr zu hause wohnst. Weigern sich deine Eltern, kannst du bei der Familienkasse der Arbeitsagentur beantragen, dass dir dein Kindergeld direkt ausgezahlt wird.

2. Du kannst Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt. Dazu kommen noch die individuellen Fahrtkosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:
- gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
- nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
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Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, umso später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http://babrechner.arbeitsagentur.de/
Achtung: Es kann passieren dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft. Hier ein Kontakt:

 

Ver.di Augsburg
Am Katzenstadel 34
86152 Augsburg

Tel.: 0821/27954-0
Fax: 0821/27954-54
E-Mail: bz.augsburg@verdi.de

 

Da kannst du einfach anrufen und nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...


3. Der seit 2007 geltende Wohngeldzuschuss wurde zum 01.08.2016 gestrichen und um reguläre SGB II Leistungen erweitert. Frage am besten bei deiner zuständigen ARGE nach. Achtung: wenn du unter 25 bist, muss der Auszug aus dem Elternhaus vom zuständigen Jobcenter genehmigt werden, damit du einen Zuschuss zu den Kosten der Unterkunft und Heizung bekommen kannst.

 

4. Wohngeld: Zunächst musst du BAB beantragen, denn einen Antrag auf Wohngeld kannst du nur dann stellen, wenn dir BAB „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.
Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.

Unter www.wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: http://www.sozial-hotline.de).

 

5. Arbeitslosengeld II für Auszubildende:Mit der Gesetzesänderung des SGB II, die ab 01.08.2016 in Kraft getreten ist, haben alle Auszubildende, die in Berufsausbildung oder in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme – sofern sie nicht beim Ausbilder, in einem Wohnheim oder Internat untergebracht sind, einen grundsätzlichen Anspruch auf ALG II (§7 Abs.5 SGB II). Prinzipiell gilt jedoch: BAB ist vorrangig gegenüber dem ALG II! Bei der Prüfung des Anspruches auf ergänzende Leistungen nach dem SGB II wird die Bedürftigkeit geprüft und das Gehalt der Eltern in der Erstausbildung mit einberechnet.

 

 

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

 

Dr. Azubi

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