Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: Aktuelle Infos!


 

Minusstunden

aktuell bin ich im 3. Lehrjahr meiner Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen im Außendienst. 

In meinem Ausbildungsvertrag sind 38,5 Stunden vermerkt.
Ein Arbeitszeitenkonto führen wir hier nicht, wodurch wir unsere täglich gearbeiteten Stunden nie protokolliert haben.
Durch meine Tätigkeit im Außendienst bin ich auch sehr häufig mal länger unterwegs gewesen oder habe Abends bis 19 oder 20 Uhr im Büro gesessen und terminiert.
Es war somit nie fest geregelt, wann man nach Hause geht, lediglich dass das Büro bis mindestens 17:30 (Ende der Öffnungszeit) besetzt ist.
Bevor ich mit dem Außendienst angefangen habe, hatten wir mal eine schriftliche Vereinbarung über die Arbeitszeiten gemacht, damit ich auf meine vollen Stunden komme. Diese sind natürlich dann durch den Außendienst, welcher sehr oft auch außerhalb dieser Zeiten vollzogen wurde, wieder im Ungleichgewicht und mit der Zeit hat da kein Hahn mehr nach gekräht, da es schwierig ist, die tatsächlichen Zeiten zu werten.
Mein Chef sagt, dass im letzten Jahr die Zeit, die ich durch den Mehraufwand z.B. im November durch die KFZ-Phase länger gearbeitet habe, sich mit der Zeit im Sommer, wo nicht so viel los war ausgleicht, was auch für mich in Ordnung ist.
Jetzt ist es so, dass ich nach der Ausbildung in einen anderen Betrieb gehen werde, worüber mein Chef etwas sauer ist.
Bevor ich ihm meine Entscheidung mitgeteilt habe, war auch eigentlich vereinbart, dass ich 2 Wochen vor meiner Prüfung Urlaub bekomme, welcher jetzt letztlich jedoch wegfällt, da er mir (ohne dass ich darüber Bescheid wusste) den freiwilligen Prüfungsvorbereitungskurs als Urlaubszeit anrechnet.
Dadurch habe ich jetzt letztlich noch 3 freie Urlaubstage.
Heute habe ich nachgefragt, wann ich diesen beanspruchen kann.
Als Antwort habe ich erhalten, dass er erst eine Antwort von mir haben möchte, wie wir mit den aufgekommenden Minusstunden, welcher er sich aufgeschrieben hat, umgehen sollen. Ich solle mir dazu eine Lösung überlegen.
Angeblich seien von Februar bis April insgesamt 22 Minusstunden aufgekommen, da ich in der Zeit nur nach Bürozeiten gearbeitet habe und nicht nach der damals, im 1. Lehrjahr vereinbarten Zeit, obwohl ich ja auch sehr oft viel mehr durch die Außendiensttätigkeit gearbeitet habe. All diese Zeiten sind nirgendwo protokolliert worden.
Wie sieht denn da jetzt die Rechtslage aus?

Mimi1999: 26.05.2020 |
Tags:
  • RE: Minusstunden

    Liebe Mimi,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi. Ich rate dir einmal die Vereinbarung bei der zuständigen Gewerkschaft prüfen zu lassen ob sie Gültigkeit besitzt. Das kann ich aus der Ferne leider nicht beurteilen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz). Wichtig ist, dass du Nachweise für deine Überstunden hast. Gibt es vielleicht noch Arbeitszeitnachweise deiner Tätigkeit mit dem Außendienst? Ansonsten ist es ratsam diese in deine Ausbildungsnachweise mit aufzunehmen.

    Zu deinem Urlaub. Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Duisburg
    Stapeltor 8
    47051 Duisburg

    Tel.: 0203 2814-0
    Fax: 01805 837343 - 23105
    E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 27.05.2020


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

  
  
  

Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.