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Betriebsurlaub (Anzahl)

Hallo,  bei mir im Betrieb wurde im Jahr 2000 verbindlich festgelegt, dass Arbeitnehmer die nach 2000 angestellt werden, einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen haben. Die davor Angestellten haben 30 Tage. Nun ist es aber so, dass manche Arbeitnehmer, die nach 2000 angestellt werden (meist höhere Stellungen) doch 30 Tage Urlaub bekommen, andere wiederrum nur 24 Tage. Ist das erlaubt?  Außerdem wird der Betriebsurlaub teilweise nicht rechtzeitig oder gar nicht angekündigt.  Die angekündigten Betriebsurlaube sind immer im August und um Weihnachten.
Dazu kommen aber noch ein paar Tage, kurz vorher angekündigte Brückentage als Betriebsurlaub dazu. Zudem beträgt der Betriebsurlaub ca 22 Tage. Ich habe aber nur 24 Tage Urlaub im Jahr. Laut Internet dürfen aber nur 3/5 des Urlaubs als Betriebsurlaub verwendet werden.  Es kommt somit manchmal vor, dass ich für die kurzfristig kommenden Betriebsurlaubstage keinen Urlaub mehr zur Verfügung habe. Laut meinem Vorgesetzten muss ich dann unbezahlten Urlaub nehmen. Im Internet habe ich aber gelesen, dass der AG dann dafür aufkommen muss, wenn er den Betriebsurlaub nicht rechtzeitig ankündigt. Meine Vorgesetzten sagen aber, dass diese kurzfristigen Betriebsurlaubstage nicht eher verkündet werden können, da sie eben nicht eher sagen können, ob es sich lohnen würde die Produktionsmaschinen laufen zu lassen oder abzustellen.

Anna2: 26.05.2020 |
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  • RE: Betriebsurlaub (Anzahl)

    Liebe Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Du hast per Gesetz Anspruch auf 24 Werktage, also genau vier Wochen Urlaub im Jahr (§3 Bundesurlaubsgesetz). Aber vielen Azubis steht mehr Urlaub zu, weil die Gewerkschaften in Tarifverträgen für bestimmte Branchen mit den Arbeitgebern einen höheren Urlaubsanspruch aushandeln. Wenn du also Anspruch auf mehr Urlaub als 24 Werktage hast, ist das also ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass für dich ein Tarifvertrag gilt, in dem dieser Anspruch festgelegt ist. Frage am besten einmal bei deiner zuständigen Gewerkschaft nach. Es kann sein, dass Angestellte mit Berufserfahrung mehr Urlaubsanspruch haben. Dieser darf aber nicht willkürlich verteilt werden.

    Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden oder wie bei dir „unbezahlter Urlaub“  nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi. Gleiches gilt bei dem Argument deines Chefs bzgl. der Produktionsmaschinen. Deine Ausbildung sollte nicht davon abhängen. Es besteht sicherlich die Möglichkeit dir alternative Ausbildungsaufgaben zu erteilen, die unabhängig von der Produktion sind.

    Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Bayreuth
    Bahnhofstraße 15
    95444 Bayreuth

    Tel.: 0921/787769-0
    Fax: 0921/787769-12
    E-Mail: bz.ofrost@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 27.05.2020


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