Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildungsabbruch

Hallo Dr. Azubi,

erst einmal danke für den tollen Service hier.

Ich bin 25 Jahre alt und habe mehrere Studiengänge abgebrochen. Jetzt hab ich die Ausbildung als Konditorin angefangen und mich leider an der Hand verletzt. Ich war zuerst 7 Wochen krank geschrieben und habe dann 3 Wochen gearbeitet, woraufhin ich leider wieder solche Schmerzen bekommen hab, dass ich erneut zwei Wochen krank geschrieben war. Mein Chef meinte nun, dass das so nicht weiter geht und ich mich entscheiden muss ob ich weiter mache oder nicht. Ich hab mich jetzt dazu entschlossen abzubrechen. Ich will eventuell versuchen in einer kleineren Konditorei die Ausbildung fortzuführen. Ich hoffe dass dort meine Hand weniger durch die Massenproduktion beansprucht wird als in meiner jetztigen großen Firma. Ich kann allerdings nicht sagen, ob das funktioniert oder ich komplett abbrechen muss. 

Nun meine genaue Frage... Ich habe gelesen, dass eine Kündigung nur möglich ist, wenn man den Grund nicht länger als zwei Wochen kennt. Über meinen gesundheitlich eingeschränkten Arm weiß mein Betrieb und ich aber schon mehr wie zwei Wochen Lang bescheid. Wenn ich allerdings einen Aufhebungsvertrag machen, hab ich gelesen, dass ich kein Arbeitslosengeld für eine bestimmte Zeit bekomme, falls der Wechseln körperlich nicht geht. Ich weiß jetzt nicht genau ob ich kündigen soll oder wie das abläuft. Mein Chef weiß bescheid, dass ich aufhören will.Momentan arbeite ich noch. Ich würde aber gerne von jemand unbeteiligten die Meinung hören, damit ich da alles richtig mache. Und hab ich dann noch anspruch auf Urlaub? Ich hab dieses Jahr noch keinen Tag Urlaub beansprucht und weiß nicht auf wie viel ich jetzt Anspruch habe.

Vielen Dank für die Hilfe!

Pati: 25.05.2020 |
  • RE: Ausbildungsabbruch

    Hallo Pati,

    vielen Dank für deine Nachricht. An deiner Stelle würde ich nicht kündigen, bevor ich keinen neuen Betrieb habe. Falls du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kannst, kannst du dich auch krankschreiben lassen. dein Chef darf dich hier nicht bedrängen und dich auch nicht zu einer Kündigung überreden. Wenn du krank bist, bist du krank. Und zwar solange, wie das eben braucht. Dein Chef muss das hinnehmen. Er kann dir auch nicht mit Kündigung oder Abmahnungen drohen. Lass dich davon nicht einschüchtern und suche dir in Ruhe einen geeigneten neuen Betrieb. Hier ein paar Infos zum Ausbildungsplatzwechsel:

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de,  oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

                        

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

     

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

     

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz


    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten


    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)


    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt


    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist


    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


     

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

     

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

    München
    Schwanthaler Str. 64 – 66 (Haus B / 7. Stock)
    80336 München
    Tel.: 089 / 54 41 57 - 0
    Fax: 089 / 54 41 57 20

    lbz.bayern@ngg.net
    lbz.jugend-bayern@ngg.net
    www.ngg.net/bayern

     

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

     

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

    Liebe Grüße

     

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 26.05.2020


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