Deutscher Gewerkschaftsbund

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Kündigungsgrund: Corona

Hallo, guten Tag

Kurzgefasst stelle ich diese Frage für einen guten Freund. Er hat eine Ausbildungstelle als Elektriker, mit der er überhaupt nicht zufrieden ist. Er hat die Ausbildung aufgrund von zu hohen Druck abgebrochen und die Zeit bis zum nächsten Jahr genutzt um sich zu genesen. Dies ist auch nicht seine Branche in der er überhaupt Arbeiten möchte. Er könnte sich noch bewerben als Einzelhandeldskaufmann (Den Beruf den er gerne ausüben möchte), tut es aber nicht aufgrund der jetzigen Umstände.

Sein Argument ist das, er nicht nur angst hat, das ihn sein jetziger Chef dabei erwischen würde, das er sich grade neu bewirbt (Er fängt wenn überhaupt am 01.08.2020 wieder an), sondern auch das, falls er einen neuen Ausbildungsplatz findet, während der probezeit gekündigt wird aufgrund von Corona (Und es während dieser Zeit stärker wird), da dies die ersten Leute sind die gehen, wenn die Firma kaum Geld mehr hat.

Dazu kommt seine aktuelle Situation, das falls er seinen Ausbildungsplatz verlieren würde er kein Krankengeld, Unterhalt und Halb-waisenrente mehr bekommt sozusagen würde er mit seine Familie in eine Finanzielle Notlage geraten...

Sollte er diese Ausbildung anfangen oder die change nutzen und sich neu bewerben? Gibt es eine Lösung?

Gez. Covie

Covie: 18.05.2020 |
  • RE: Kündigungsgrund: Corona

    Lieber Covie,

    es ist sehr nett, dass du dich so um deinen Freund sorgst. Leider kann ich die Situation deines Freundes aus der Ferne schwer beurteilen. Auch, wenn die aktuelle Lage am Ausbildungsmarkt wgegen der Pandemie nur schwer einschätzbar ist, sollte dein Freund es nicht deshalb auf eine Ausbildung verzichten. Aus deiner Nachricht lese ich heraus, das dein Freund derzeit garnicht mehr in einem Ausbildungsverhältnis ist, da er gekündigt hat. Es klingt aber so, als hätte er mit seinem alten Chef vereinbart, dass er dann im Herbst wieder bei ihm beginnt und seine Ausbildung beendet. Das heißt, dass er auch da wieder neu angestellt wird. Ob es fü ihn besser wäre wieder im alten Betrieb zu beginnen oder eine neue Ausbildung zu starten, lann ich nicht einschätzen. Hier sollte er pro und contra abwägen. Natürlich muss er da seine gesundheitliche, familiäre und auch finazielle Situation miteinbeziehen. Dennoch ist es auch sehr wichtig, einen Beruf zu erlernen, der der persönlichen Neigung entspricht. Als Azubi gibt es ja auch finazielle Hilfen, die in Anspruch genommen werden können. Hierzu sollte er sich unbedingt informieren und dieses Wissen dann in seine Entscheidung miteinebziehen. Als Azubi, in der ersten Ausbildung. (abgebrochene Ausbildung zählt nicht dazu) könnte dein Freund z.B Anspruch auf BAB haben. Hier ein paar Infos für ihn:

    Die Berufsausbildungsbeihilfe soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt und Kinderbetreuungskosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:

    Gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung.

    Nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen.

    Wenn du noch Minderjährig bist, erhältst du nur dann BAB, wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnen kannst, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt liegt (rund eine Stunde für jeden Weg). Diese Voraussetzung muss allerdings nicht erfüllt werden, wenn du aus schwer zumutbaren sozialen Gründen nicht zu Hause wohnen kannst, verheiratet bist oder mindestens ein Kind hast.

    Die finanzielle Situation deiner Eltern und dein Einkommen werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.


    Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Die Agentur für Arbeit verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst vor Ausbildungsbeginn, auch wenn dir noch Unterlagen fehlen. BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, umso später gibt es auch Geld!

    Für den Antrag müssen

    * der Personalausweis


    * der Mietvertrag für die eigene Wohnung


    * der Nachweis für die Fahrtkosten zwischen eigener Wohnung und Arbeitsstelle (z. B.  Monatskarte bzw. Kostenschema des örtlichen Nahverkehrsbetriebes oder geschätzter Sprit-Verbrauch, wenn man auf das eigene Auto angewiesen ist)


    * ein Angebot eines öffentlichen Verkehrsmittel (in der Regel Bahn und Bus) für die Heimfahrt zum Elternhaushalt


    * der eventuelle Nachweis über erhöhte Aufwendungen für die Arbeitsbekleidung


    * der Ausbildungsvertrag


    * ein Einkommensnachweis des Auszubildenden (Höhe der Ausbildungsvergütung)

    vom Auszubildenden eingereicht werden.

    Darüber hinaus muss auch ein Einkommensnachweis der Eltern und ein Nachweis über eventuell vorhandene Geschwister (z. B. Geburtsurkunden) eingereicht werden. Es wird der Steuerbescheid deiner Eltern vom vorletzten Kalenderjahr verlangt. Falls sich die Einkommensverhältnisse deiner Eltern danach wesentlich verschlechtert haben (Arbeitslosigkeit, Rente) kannst du auf Antrag auch den aktuellen Steuerbescheid einreichen

    Achtung: Es kann passieren, dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten: Wende dich an deine Gewerkschaft!

    Ob du Anspruch hast und wie viel dir grob zusteht kannst du dir online unter www.bab-rechner.arbeitsagentur.de ausrechnen!

    Der seit 2007 geltende Wohnkostenzuschuss wurde zum 01.08.2016 gestrichen. Wenn ihr bisher einen Anspruch auf diesen Zuschuss hattet, dann könnt ihr nun reguläre SGB II Leistungen beantragen und darüber einen Zuschuss zu den Kosten der Unterkunft erhalten. In der BAB ist auch ein pauschaler Zuschuss zur Miete enthalten ist. Dieser beträgt seit Mitte 2010 höchstens 75€, der allerdings oft nicht die Mietkosten deckt. Der Zuschuss zu den Kosten der Unterkunft gleicht den Unterschied zwischen deiner echten Miete und dem pauschalen Zuschuss aus. Dieser Mietzuschuss wird aber nur gewährt wenn deine Wohnung in Größe und Preis angemessen ist. Zudem müssen Azubis unter 25 den Zuschuss vor Auszug beantragen. Die ALG II Leistungen musst du extra bei der ARGE beantragen - frage einfach bei der Agentur für Arbeit nach.

    Gute Tipps bekommst du vielleicht auch unter www.sozial-hotline.de. Da gibt es eine kostenlose Hotline und die Mitarbeiter kennen sich im Sozialrecht gut aus!

    Ob du weiterhin BAB bekommst, kann ich dir nicht pauschal beantworten – ausschlaggebend ist unter anderem der Grund deines Umzugs. Bitte erkundige dich bei deiner BAB-Stelle direkt. Die können dir am besten sagen was möglich ist und was nicht.

    Falls du noch Hilfe brauchst, doer weiter Fragen hast, kannst du dich auch gerne direkt an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Einen Kontakt in deiner Nähe findest du hier:

    IG Metall Hamburg

    Strasse / Nr.Besenbinderhof 60 PLZ / Ort:20097 Hamburg Telefon:+49 40 2840862 10 Fax:+49 40 2840862 60 E-Mail:hamburg@igmetall.de Homepage:www.igmetall-hamburg.de

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     

    Dr. Azubi: 23.05.2020


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