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Mobbing kurz vor Abschlussprüfung

Hallo, 

in ca. 6 Wochen steht für mich die Abschlussprüfung meiner Ausbildung statt. Ich habe 3 Jahre alles über mich hergehen lassen und versucht meine Ausbildung so geht durchzuziehen. Ich habe in den 3 Jahren nicht so viel gelernt, als ich hätte müssen da ich nur die "Drecksarbeit" als Azubi erledigen durfte. Ich hätte schon viel eher dagegen vorgehen müssen. Meine Berufschulnoten sind gut. Mir wurde immer gesagt das ich das doch in der Schule lernen müsste und in der Praxis sofort können muss. Bei Fragen konnte mir keiner helfen und einen richtigen Ausbilder oder Ablaufplan meiner Ausbildung gab es nicht. Wenn Fehler aufgetreten sind egal in welcher Hinsicht, war ich dran Schuld obwohl ich manchmal garnicht diese Aufgabe erledigt habe. Der ganze Frust wurde immer an mir ausgelassen. Nun war es letzte Woche schon soweit, dass gegenüber mir die Hand erhoben wurde. Ich nahm meine Sachen und ging zum Arzt, denn das war die Grenze die überschritten wurde. Ich fühl mich nicht mehr in der Lage dort hin zu gehen. Aber wie verhalte ich mich jetzt? Was, wenn der Betrieb jetzt meine letzte Überbetriebliche Lehrgangsunterweisung nicht bezahlt, die durch Corona zum damaligen Zeitpunkt abgesagt wurden ist, oder sogar meine Prüfungsgebühr? Hilfe hab ich bei der HWK, sowie bei der Agentur für Arbeit bereits einholen wollen, allerdings ohne Erfolg. Darum hier mein letzter Versuch. Wie soll ich mich in so einer Situation verhalten? Wird es wegen sowas nichts mit meiner Prüfung? 

L2408: 14.05.2020 |
  • RE: Mobbing kurz vor Abschlussprüfung

    Hallo L2408,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Was du da erzählst klingt wirklich krass. Gewalt gegen Auszubildende, bzw. Gewalt gegen andere im Allgemeinen ist ein absolutes No-Go und sollte nicht geduldet werden. Daher war deine Entscheidung den Arzt aufzusuchen auch vollkommen richtig! Dein Ausbilder muss dafür sorgen, dass du weder körperlich noch psychisch geschädigt wirst (§14 Berufsbildungsgesetz). Er muss dich vor Gewalt, Mobbing oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in Schutz nehmen. Falls du körperlich bedroht wirst oder durch Mobbing oder sexuelle Belästigung psychischen Schaden nimmst, solltest du dich sofort an deine Gewerkschaft wenden!

    Allgemein sollte dir dein Betrieb einen Ausbildungsrahmenplan bereitgestellt haben. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Deinen Lehrgang müssen sie eigentlich bezahlen, immerhin scheint er zu deinen Ausbildungsinhalten zu gehören? Solange du im Betrieb angestellt bist und zur Prüfung angemeldet wurdest, muss der Betrieb außerdem auch deine Prüfungsgebühr zahlen. Was die Sache mit deiner Prüfung ansonsten angeht: Vielleicht wäre es eine Möglichkeit für dich die Prüfung als Externer Prüfling anzugehen. Wenn du es in deinem Betrieb überhaupt nicht mehr aushalten solltest, könntest du dich mal erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest. Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der IHK/HWK erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10% ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

    Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst. Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes.

    Mein Rat wäre, dich nochmal an deine zuständige Gewerkschaft zu wenden. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit diesen Themen sehr gut aus und können dich im Zweifelsfall auch rechtlich beraten. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall

    Geschäftsstelle Halle - Dessau
    Böllberger Weg 26
    06110 Halle

    Tel.: 0345 135890
    Fax: 0345 1358950
    E-Mail: halle-dessau@igmetall.de

    www.halle-dessau.igmetall.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi     
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 19.05.2020


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