Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildungsbetrieb schließt in der Corona-Krise

Hallo Dr. Azubi, 

vorab einige Informationen über mich:

Ich befinde mich im 3. Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement und habe im Juni 2020 meine Abschlussprüfung. Das erste Ausbildungsjahr habe ich aufgrund von Vorkenntnissen übersprungen. Ich bin zudem alleinerziehende Mutter eines 2 1/2 jährigen Sohnes.

Nun zu meiner Situation, die mir schwer im Magen liegt:

Mein Ausbildungsbetrieb ist mit insgesamt 3 Leuten (Chef, Kollegin und ich) sehr klein. Seit nunmehr 6 Wochen (diese Woche hat die 7. Woche begonnen) ist das Büro geschlossen. Dies war die Entscheidung meines Chefs. Nun verhält es sich so, dass weder meine Kollegin noch ich wussten, dass unser Chef seit dem 16.03.2020! Kurzarbeit für uns angemeldet hat. Dies hat er meiner Kollegin durch Zufall nach 5 Wochen! beiläufig am Telefon mitgeteilt. Ich war überrascht, also ich davon erfuhr, schließlich benötigt er in diesem Fall von allen Mitarbeitern eine Unterschrift/Zustimmung. Diese hat er jedoch nicht angefordert und somit standen wir von einen auf den anderen Tag mit der Erkenntnis da, weniger Geld zu erhalten. Ich als Auszubildende habe 6 Wochen den Anspruch auf volle Ausbildungsvergütung, jedoch danach eben nicht mehr. Ich muss dazu erwähnen, dass weder ich noch meine Kollegin in dieser Zeit, in der der Betrieb nun schon geschlossen ist, gearbeitet haben. Wir sind seitdem komplett zu Hause. Was vielleicht noch wichtig zu erwähnen ist, ist, dass ich eine Teilzeitausbildung absolviere, sprich eine 25 Stundenwoche habe. Es gab keinen Grund, den Betrieb zu schließen und uns in Kurzarbeit zu schicken. Ich zum Beispiel hätte zumindest Vormittags in der Zeit von 8-12 Uhr meinen Sohn bei der Oma betreuen lassen können und hätte ins Büro fahren können. Dies habe ich meinem Chef auch von Beginn an mitgeteilt, jedoch hat er mich und auch meine Kollegin trotzdem nach Hause geschickt.
Nun stelle ich mir die Frage, wie ich zur Prüfung zugelassen werden soll, wenn mir seit fast 7 Wochen keinerlei Ausbildungsinhalte vermittelt werden? Home-Office hat mein Chef auf Nachfrage verneint und andere Aufgaben/Projekte etc. erhalte ich auch nicht.
Bei der IHK erreiche ich seit Tagen niemanden und auf meine Problemerläuterung per Email bekomme ich auch keine Antwort.
Ich sehe meinen Abschluss der Ausbildung in Gefahr und weiß nicht, was ich noch tun kann.. 
Deshalb bitte ich hier nun um Rat
Vielleicht kann mir hier geholfen werden oder zumindest ein Rat gegeben werden. 

Vielen Dank im Voraus!!! 

Eni: 29.04.2020 |
  • RE: Ausbildungsbetrieb schließt in der Corona-Krise

    Liebe Eni,

    danke für deine Nachricht. Bei einer vorübergehenden Betriebsschließung bleibt der Ausbildungsvertrag mit allen Rechten und Pflichten bestehen. Wenn der Betrieb Auszubildende vorübergehend nicht beschäftigen und ausbilden kann, muss die vereinbarte Ausbildungsvergütung weiter gezahlt werden. Außerdem muss er dafür sorgen, dass du weiterhin auf die Prüfung vorbereitet wirst und alle ausbildungsrelevanten Tätigkeiten erlernst. Wenn dein Chef nicht genug Arbeit zur Verfügung hat, muss er dir Lernaufgaben stellen. Diese darfst du in dem Fall auch zuhause erledigen, wenn dein Chef damit einverstanden ist. Es ist wichtig, dass du diese Versäumnisse im Berichtsheft doumentierst. Denn das dient dir im Streitfall als Nachweis. Wenn du aufgrund nachweislich mangelnder Ausbildung deine Abschlussprüfung nicht bestehst, macht dein Chef dich unter Umständen sogar schadensersatzpflichtig. Bitte wende dich umgehend an deinen Ausbilder und verlange eine umgehende Veränderung der Situation. Wenn sich hier nichts verbessert, solltest du die Kammer und wenn es diese_n gibt, auch den/die Betriebsrat_rätin einschalten. Du kannst dich auch direkt an die Gewerkschaft vor Ort wenden.

    Auszubildenden gegenüber kann grundsätzlich keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:

    • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
    • Versetzung in eine andere Abteilung
    • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
    • Kurzzeitige Anordnung von Homeoffice mit Lernprojekten und   Selbstlernanteilen
    • Durchführung von digitalen Ausbildungsveranstaltungen.

    Ziel aller Maßnahmen muss es sein, dass die Auszubildenden ihre Berufsausbildung erfolgreich zu Ende führen und die Abschlussprüfung absolvieren können. Nur wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen.
    Wenn Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet wird, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen. Aus Ausbildungs- und Tarifverträgen können sich längere Fristen ergeben.

    In den „Zwangsurlaub” können Auszubildende nicht geschickt werden. Urlaub ist vom Auszubildenden zu beantragen. Gegen dessen Willen kann er nicht einfach angeordnet werden. Gleiches gilt für den Abbau von Überstunden. Eine Freistellung des Auszubildenden ohne Vergütung ist nicht möglich.

    Falls du noch weitere Fragen hast oder Hilfe brauchst, kannst du dich gerne direkt an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Niedersachsen/Bremen
    Goseriede 10
    30159 Hannover

    Tel.: 0511/12400-0
    Fax: 0511/12400-150
    E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Detlef Ahting



    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi


    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     


     

    Dr. Azubi: 02.05.2020


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