Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildungsvergütung in der Corona-Kurzarbeit

Hallo liebes Dr. Azubi-Team,

ich bin im zweiten Lehrjahr in der Ausbildung zur Mediengestalterin print. Ich arbeite in einem kleinem Betrieb 20-25 Personen als einzige Azubine mit zwei weiteren Grafikern und einem Praktikanten.

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise, hat mein Betrieb am 20.3.2020 die Kurzarbeit angemeldet und ich sollte den Antrag ebenfalls unterschreiben. Mir wurde angeordnet, dass ich nur noch jeden zweiten Tag zu kommen brauche, da der Arbeitsausfall so hoch ist, dass ich sonst nichts zu tun hätte.

Wir vier Angestellten wurden demnach in zweier-Gruppen aufgeteilt um die Tage abwechselnd zu arbeiten.

Für zwei der Tage (23.3 & 25.3.) die ich zu Hause geblieben bin wurden meine Überstunden abgerechnet. Für den 27.3 & 31.3., die ich zu Hause war, hatte ich dann nur noch 3 Überstunden übrig und habe für die restlichen Stunden Kurzarbeit angeben müssen.

Heute (3.4.) habe ich dann erfahren, dass mir die Zeit, die nicht durch Überstunden abgedeckt war von meinem Gehalt abgezogen wurde. Und dass die Zeit die ich diesen Monat so dann schon freigestellt war (2.4.) auch vom Gehalt abgezogen wird.

Ich habe daraufhin meine Chefin darauf hingewiesen, dass ich gelesen hätte, dass die Ausbildungsvergütung trotzdem normal gezahlt werden müsste. Sie erwähnte dann, dass Ihre Steuerberaterin sich da nicht sicher sei, ob aufgrund der aktuellen Lage die gesetzliche Regelung momentan anders wäre. Bzw. das es noch nicht sicher ist, ob die gesetzliche Regelung dabei der momentanen Situation angepasst wird.

Ihre Lösung war daraufhin jetzt, dass ich nun nächste und übernächste Woche voll arbeiten soll und die Stunden die mir jetzt für diesen Monat noch fehlen mit Minusstunden begleichen soll.

Meine Frage ist jetzt:

Stimmt das mit der Kürzung der Ausbildungsvergütung im Rahmen der Corona-Krise, oder ist das ganze rechtlich nicht zulässig?

Weitere Infos zum Betrieb: Wir sind nicht am härtesten von der Krise betroffen, da wir als Dienstleister immer noch Aufträge bekommen, wenn auch weniger. Aufgrund der Betriebsstruktur, haben wir offene Büros, eine Poststelle im Laden und dadurch auch weiterhin für Laufkundschaft geöffnet. (Laut Ihrer Aussage in dem Gespräch mit Ihr, "geht es unserem Geschäft wirtschaftlich zum Glück gerade auch nicht so schlecht. Auch wenn die Laufkundschaft deutlich zurückgegangen ist.", frei zitiert.)

Ich bin leider nicht in einer Gewerkschaft, ich habe aber eine Rechtsschutzversicherung.

Vielen Dank für die Hilfe schonmal und liebe Grüße!

V

V: 03.04.2020 |
  • RE: Ausbildungsvergütung in der Corona-Kurzarbeit

    Hallo V!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir.

    Kurzarbeit für Auszubildende gibt es in der Regel nicht. Der Betrieb muss dich auch bei Kurzarbeit weiter ausbilden. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings als letztes Mittel zu betrachten. Das bedeutet auch, dass dein Betrieb dich auch weiterbezahlen muss. Selbst wenn dein Betrieb komplett in Kurzarbeit wäre hättest du weitere sechs Wochen einen Anspruch auf deine volle Ausbildungsvergütung nach § 19 Berufsbildungsgesetz.

     

    Ausbildung kann auch unabhängig von der tatsächlichen Auslastung der Betriebe durchgeführt werden. Der Ausbildungsbetrieb hat nach § 14 Berufsbildungsgesetz (BBiG) eine Pflicht dich auszubilden. Das heißt, dass der Ausbildungsbetrieb alle Mittel ausschöpfen muss, um deine Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:

    • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
    • Versetzung in eine andere Abteilung
    • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
    • Theoretische Vermittlung von Lerninhalten (z. B. schriftliche Aufgabenstellungen, Lektüre, digitale Lernmedien)
    • Aufgrund der besonderen Situation kann für einen beschränkten Zeitraum auch ein alternativer Ausbildungsort (Home Office etc.) sinnvoll sein

    Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. In diesem Fall hast du zunächst Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Danach sollte aus unserer Sicht dann das Kurzarbeitergeld greifen. Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen. Informiere dich bei deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung, deinem Betriebs- oder Personalrat oder deiner zuständigen Gewerkschaft, ob es eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag dazu gibt.

     

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:


     

    Ver.di Herne
    Heinrichstraße 17
    44623 Herne

    Tel.: 0234 96408-0
    Fax: 01805 837343 - 23105
    E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

     

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

     

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

                   

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi          

    Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

     

    Dr. Azubi: 06.04.2020


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