Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbilderin macht mich psychisch fertig

Hallo, 


Ich mach zurzeit eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in einem Berufsbildungswerk. Ich bin 24 Jahre und habe die mittlere Reife. Ich bin in dem Berufsbildungswerk da ich dort strukturiertes Arbeiten lerne.


Bin auch in der Berufsschule Klassenbeste 1,0 Durchschnitt im 1. Lehrjahr.


 


Gestern ging es mir nicht gut , hatte Bauchschmerzen und Gliederschmerzen. Bin daraufhin zum Arzt und hab mich krankschreiben lassen. Meine Ausbilderin bat mich dannn mit ihr mitzukommen und hat mich dann (mal wieder) sowas von runtergeputzt nach dem Motto "Glaubst du wärst was besseres, wir haben dir deine Probezeit verlängert und jetzt bist du schon wieder krank. (Kann ich dadurch die Probezeit nicht bestehen wenn ich es psychisch nicht mehr packe mit Autisten zu arbeiten die sich aufführen wie Kleinkinder und ich doch eigentlich nur in ein Praktikum will um von dort wegzukommen?)  Du warst ja schon 6 Wochen krank (Obwohl es 3 Wochen waren da ich einen Abzess unter der Achsel hatte und der operativ entfernt werden musste) " und so weiter. Ich will ja eigentlich nur in ein Praktikum aber ich habe das Gefühl dass meine Ausbilderin mich nicht gehen lassen will da ich ja "keinerlei Kompetenzen" hätte und mir immer mehr Gründe sagt warum ich noch nicht bereit bin fürs Praktikum (insgesamt sind es 7 Gründe) 


 


Darf meine Ausbilderin so mit mir umgehen? Ich finde immer der Tonfall macht die Musik und ihr Tonfall ist alles andere als freundlciih zu mir. 


Muss ich mir das gefallen lassen?
Bin schon soweit das ich sage ich breche ab weil ich keine Lust mehr habe und auch keine Kraft mehr immer und immer wieder es allen recht zu machen. 


Was kann ich tun? Ich weiß nicht mehr weiter. Bin nur am weinen...

Nina95: 10.01.2020 09:48:41 |
  • RE: Ausbilderin macht mich psychisch fertig

    Hallo Nina95!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir.

    Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

    Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

    Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:
    Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

    Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes.
    Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.
    Wenn du mit deiner Ausbildung nicht zufrieden bist könntest du auch über einen Ausbildungsplatzwechsel nachdenken. Hier ein paar Infos dazu:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Passau
    Leopoldstraße 7
    94032 Passau
    Tel.: 0851/490 288-0
    Fax: 0851/490 288-25
    E-Mail: gst.pa@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.01.2020 22:44:37


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