Deutscher Gewerkschaftsbund

Abmahnungen

Hallo liebes Team,
heute habe ich aus dem Büro eine Abmahnung erhalten mit der Begründung das ich wiederholt meinen Stundenzettel zu spät abgegeben habe.
Nun folgendes Szenario, der Stunden Zettel für die Woche vom 23.09-27.09 lag am 30.09 also den folgenden Montag in meinem Fach. Allerdings habe ich eine Krankmeldung an dem Montag eingereicht für die Woche. Gestern war mein erster Tag. Den Stundenzettel habe ich mit dem Datum von gestern abgeben, dem ersten Tag an dem ich wieder an der Firma war.
Wie gesagt heute kam die Abmahnung.
Aus menschlichen Verstand würde ich schon sagen, dass das absolut nicht mit rechten Dingen ist.
(Mein Vorgesetzter hat mich allerdings auf dem Kicker)

Zu vor habe ich eine Abmahnung bekommen weil ich bei strömenden Regen, die Baustellen Grube unerlaubt und ohne Abmeldung verlassen habe und nachhause gefahren bin ca. 2 stunden vor Feierabend.

Ich arbeite im Baugewerbe.

Würde mich so riesig freuen wenn ihr mir helfen könntet. Ich habe nämlich den Eindruck das mein Vorgesetzter mich kündigen will, jetzt, einem halben Jahr vor meiner Abschlussprüfung.

Liebe Grüße

Dominik: 08.10.2019 12:39:36 |
  • RE: Abmahnungen

    Lieber Dominik,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafür kannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb um zu lernen.

    Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.

    Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem Ausbilder verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

    Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem_rAusbilder_in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Je weiter das Ausbildungsverhältnis fortgeschritten ist, desto schwerwiegender müssen die Gründe für eine Kündigung sein.

    Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule
    • Urlaubsantritt ohne Genehmigung
    • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule
    • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)
    • nachgewiesener Diebstahl
    • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

    Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

    Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

    Keine Kündigungsgründe sind:
    • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule
    • Krankheit

    Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

    Sollte dein Ausbildung dir eine Kündigung ausstellen, solltest du folgende Schritte so schnell wie möglich gehen:

    1.Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

    2.Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.
    Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:
    IG Bau Paderborn
    Bahnhofstr. 16
    33102 Paderborn
    Telefon
    05251 5066660
    Fax
    05251 5066665
    Website
    http:/​/​www.ostwestfalen-lippe.igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch
    ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    3. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

    4. Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.10.2019 13:27:18


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