Deutscher Gewerkschaftsbund

Urlaub in der Ausbildung

Guten Tag,

meine Freundin absolviert zur Zeit eine Ausbildung als Friseurin und befindet sich im 3 Ausbildungsjahr. Sie ist 20 Jahre alt, hat aber nur 23 Tage Urlaub im Jahr. Ihre Kollegin ist unter 17, hat aber ebenfalls nur 23 Tage im Jahr. Inwiefern ist das zulässig?. Bei Ihrem Betrieb handelt es sich um eine Deutschland und Europaweit tätige Kette.

Werner: 07.10.2019 12:41:26 |
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  • RE: Urlaub in der Ausbildung

    Lieber Werner,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Hier ein paar Infos zum Urlaubsanspruch:

    Gesetzlicher Urlaubsanspruch für Volljährige

    Zunächst solltest du herausfinden, wie viel Urlaub dir zusteht. Dazu wirfst du mal einen Blick in deinen Ausbildungsvertrag. Bei Volljährigen ist der Urlaub in der Regel auf der ersten Seite des Ausbildungsvertrages eingetragen. Und schon wird es kompliziert. Dein Urlaub kann nämlich entweder in Arbeitstagen oder in Werktagen angegeben werden. Diese beiden Wörter haben eine unterschiedliche Bedeutung. 

Wenn dein Urlaub in Werktagen angegeben ist, gilt folgendes: per Gesetz ist der Samstag ein ganz normaler Werktag und die Woche besteht aus sechs Werktagen. Ist dein Urlaub also in Werktagen angegeben, musst du - auch wenn du nur fünf Tage die Woche arbeitest - für eine Urlaubswoche sechs Urlaubstage nehmen. 24 Werktage Urlaub bedeuten demnach genau vier Wochen Urlaub im Jahr (24:6). Und das ist der gesetzliche Mindestanspruch. Wird dein Urlaub in Arbeitstagen angegeben gilt folgendes: Für eine Urlaubswoche musst du soviel Urlaubstage nehmen, wie du regelmäßig arbeitest. Für viele Azubis gilt die Fünf-Tage-Woche und sie müssen nur fünf Tage Urlaub für eine Woche nehmen. Wenn du aber zum Beispiel im Einzelhandel arbeitest, hast du häufig eine Sechs-Tage-Woche und musst sechs Tage Urlaub für eine Woche nehmen. 

Du hast per Gesetz Anspruch auf 24 Werktage, also genau vier Wochen Urlaub im Jahr (§3 Bundesurlaubsgesetz). Aber vielen Azubis steht mehr Urlaub zu, weil die Gewerkschaften in Tarifverträgen für bestimmte Branchen mit den Arbeitgebern einen höheren Urlaubsanspruch aushandeln. Wenn du also Anspruch auf mehr Urlaub als 24 Werktage hast, ist das also ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass für dich ein Tarifvertrag gilt, in dem dieser Anspruch festgelegt ist.

    Urlaubsanspruch bei Minderjährigen

    Wenn du minderjährig bist, solltest du zunächst auf der ersten Seite deines Ausbildungsvertrages nachsehen, ob hier ein Urlaubsanspruch festgelegt ist. Falls nein, musst du im Kleingedruckten nachlesen. Dort findest du dann einen Auszug aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz, das den Urlaubsanspruch für Minderjährige folgendermaßen festlegt: 
Wenn du zu Beginn des Kalenderjahres jünger als 16 Jahre bist, hast du Anspruch auf 30 Werktage Urlaub, wenn du jünger als 17 Jahre bist, auf 27 Werktage und wenn du jünger als 18 Jahre bist, auf 25 Werktage. Auch im Jugendarbeitsschutzgesetz ist der Urlaub in Werktagen angegeben und das bedeutet, dass du sechs Urlaubstage für eine Woche Urlaub nehmen musst, auch wenn du nur fünf Tage in der Woche arbeitest.

    Urlaubsanspruch durch Tarifverträge

    Die meisten Azubis haben laut Tarif einen höheren Urlaubsanspruch als das Gesetz vorsieht. Diesen Tarif bzw. diesen Urlaubsanspruch haben Gewerkschaften und Arbeitgeber ausgehandelt.

    Falls also in deinem Ausbildungsvertrag ein höherer Urlaubsanspruch festgelegt ist, als es das Bundesurlaubsgesetz oder das Jugendarbeitschutzgesetz vorsieht, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass für dich ein Tarifvertrag gilt. In diesem Fall solltest du mal bei deiner Gewerkschaft nachfragen, was dir noch alles zusteht – zum Beispiel Urlaubsgeld!

    Urlaubsanspruch 3. Ausbildungsjahr

    Die Regelung des Urlaubsanspruches im 3. Ausbildungsjahr beruht auf einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Die IHK Berlin formuliert den Fall auf ihrer Homepage folgendermaßen:

    „Sofern das Berufsausbildungsverhältnis, z. B. durch eine bestandene Prüfung, spätestens am 30.06. endet, ist der anteilige Urlaub durch Zwölftelung zu ermitteln und zu gewähren. Endet das Ausbildungsverhältnis nach dem 01.07. oder später, hat der Auszubildende einen Mindesturlaubsanspruch nach den gesetzlichen Regelungen (Bundesarbeitsgericht, 09.03.1984 - 6 AZR 442/83: Der gesetzliche Mindesturlaub eines Arbeitnehmers, der nach erfüllter Wartezeit in der 2. Hälfte eines Kalenderjahres ausscheidet, kann durch eine tarifliche Regelung weder ausgeschlossen noch gemindert werden. Auch eine Zwölftelung des Urlaubs ist insoweit unwirksam). In die Berufsausbildungsverträge ist, sofern die Ausbildung in der zweiten Jahreshälfte endet, also mindestens der gesetzliche Urlaubsanspruch einzutragen.“
    Weitere Infos findest du unter: http:/​/​www.ihk-berlin.de/​aus_und_weiterbildung/​Ausbildung/​Infos_fuer_Ausbildungsbetriebe/​Der_Ausbildungsbetrieb/​ausbildungsvertrag/​813186/​Urlaub_fuer_Auszubildende.html

    Wenn du dich noch einmal ausführlich beraten lassen möchtest oder rechtliche Unterstützung brauchst, kannst du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Bayern
    Schwanthalerstraße 64
    80336 München

    Tel.: 089/59977-0
    Fax: 089/59977-2222
    E-Mail: LBZ.Bayern@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Luise Klemens

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.10.2019 20:31:13


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