Deutscher Gewerkschaftsbund

Nacht-/Sonntagzuschläge als Azubi

Hallo,

Ich habe am 01.08.2019 meine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb angefangen. Also ist der erste Tag auch noch nicht so lange her. Aktuell bin ich noch in der Firmenwerkstatt zugeteilt. Überstunden fangen jetzt schon an. Ich werde nichtmal gefragt ob ich länger machen möchte. Meine Chefin meinte nun sogar das wenn ich bald Bus Fahre, dass ich dann für nichts Zuschläge bekomme. Sei es für Sonntagsfahrten, Nachtfahrten oder für Geteilte Dienste. Ich würde für nichts Zuschläge bekommen. Nun möchte ich wissen ob mir diese Nacht und Sonntagszuschläge zustehen. Dazu musste ich neben dem Ausbildungsvertrag eine Verpflichtung unterschreiben, in der steht, dass ich mich nach der Ausbildung verpflichte, 2 Jahre im Unternehmen zu bleiben, da mir der Busführerschein bezahlt wird.
Ich freue mich wirklich über jede Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen
Leon

Leon : 11.08.2019 15:40:05 |
  • RE: Nacht-/Sonntagzuschläge als Azubi

    Hallo Leon,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst. Wir beraten dich gerne.
    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Dein Ausbilder muss dir wenn du in der Nacht arbeitest entweder eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen „angemessenen Zuschlag“ auf das dir zustehende Bruttoarbeitsentgelt gewähren (§ 6 Abs. 5 ArbZG), soweit keine tarifvertragliche Regelung eingreift. Gesetzlich ist deinem Ausbilder hierfür also ein Wahlrecht eingeräumt worden.
    Erfolgt der Ausgleich durch einen Zuschlag auf deine Bruttoausbildungsvergütung und es gibt keinen Tarifvertrag, wird ein Zuschlag von min. 25% laut rechtskräftigem Urteil als angemessen gehalten (BAG 1.2.200, 5AZR 422/04).
    Wie viele Stunden du Zeitausgleich bekommen würdest, wie hoch deinem Falle der „angemessene Zuschlag“ ausfallen würde oder ob ein Tarifvertrag für dich gilt, der den Nachtarbeitsausgleich für dich regelt, erfährst du bei deiner Gewerkschaft - ich kann dir darüber leider keine genauere Auskunft geben.

    Du musstest eine Vereinbarung unterschreiben, in der du dich verpflichtest, nach der Ausbildung noch zwei Jahre im Unternehmen zu bleiben. Das ist nicht in Ordnung und auch nicht bindend. So etwas ist eine nichtige Vereinbarung und nicht bindend.
    Ich empfehle dir dringend, dich auch in dieser Sache nochmal von deiner Gewerkschaft beraten zu lassen. Hier ist ein Kontakt:

    Ver.di Bielefeld
    Oelmühlenstr. 57-59
    33604 Bielefeld
    Tel.: 0521 41714-0
    Fax: 01805 837343 - 23107
    E-Mail: service-ost.nrw@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.08.2019 23:19:55


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