Deutscher Gewerkschaftsbund

Mehrere Probleme in der Ausbildung

Hey,
Ich bin Azubi im zweiten Ausbildungsjahr im Beruf Fachkraft für Lagerlogistik. Ich arbeite bei einem Einzelhandelunternehmen im Lager. Es gibt mehrere Filialen die aber eigenständige GmbH's sind. Mein Ausbilder ist ein Hausleiter von einer anderen Filiale. Ich habe meinen Ausbilder bisher zweimal gesehen in meiner ganzen Ausbildung. Und ansonsten kümmert sich auch keiner um die Azubis. Was kann ich dagegen machen?
Außerdem haben wir eine Spätschicht die von 10-19 Uhr geht. Ab 16:30 ist man im Lager alleine. Darf ich das überhaupt? Wenn man eine Woche Spätschicht hat, muss man am Samstag auch gehen. Aber weil es am Samstag nur 6 h sind bekomme ich 2 Minusstunden, weil ich die Woche darauf einen freien Tag habe, weil ich ja 6 Tage arbeiten war. Daraus folgt, dass ich die Minusstunden wieder ausgleichen muss, zum Beispiel, dass ich in der Woche nach der Spätschicht keinen Tag frei habe. Geht das so einfach?
Dann noch meine Urlaubstage. In meinem Ausbildungsvertrag steht, dass ich im Jahr 2019 einen Urlaubsanspruch auf 21 Arbeitstage habe und 2020 20 Arbeitstage. Ist das gesetzlich richtig?
In meinem Betrieb muss ich oft Ware in der Ausstellung montieren oder demontieren. Da das keine Tätigkeit ist die zu meinem Beruf gehört, ist das eine Ausbildungsfremde Tätigkeit richtig?
Und zu guter Letzt habe ich noch eine Frage bezüglich in anderen Filialen arbeiten. Ich habe meine Firma (die GmbH) in dem Vertrag richtig stehen. Darunter ist aber eine Feld wo man einen Zeitpunkt eintragen kann, wo ich in anderen Filialen arbeiten kann. Dort ist aber kein Zeitraum eingetragen sondern nur allgemein gehalten, dass ich in anderen Unternehmensgruppen der Firma arbeiten kann. Ist das gültig?

Ich würde mich über eine schnelle Antwort freuen. Danke im Vorraus

Simon: 10.07.2019 11:09:00 |
  • RE: Mehrere Probleme in der Ausbildung

    Hallo Simon,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Auweia, bei dir läuft echt was schief! Es ist gut, dass du dir bei uns Hilfe suchst. Aus deiner Anfrage lese ich heraus, dass du noch nicht 18 bist.
    Hier erstmal der gesetzliche Hintergrund zu deiner Situation.

    Du schreibst, dass du keine/n Ausbilder/in zur Seite hast und oft ganz allein im Lager arbeitest.
    Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind.

    Arbeitszeiten und Minusstunden:
    Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt: der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz).
    Du schreibst, dass du deine Minusstunden teils in der folgenden Woche ausgleichen musst. Es handelt sich um 2 Stunden. Dadurch hast du keinen Tag frei. Vermutlich hast du eine vertraglich geregelte Arbeitszeit von ca. 40 Stunden wöchentlich. Die musst du natürlich auch arbeiten. Trotzdem ist es ärgerlich wenn du wegen 2 Stunden einen freien Tag verpasst.

    Du solltest darüber und über all die anderen Dinge mit deinem Ausbilder sprechen.

    Urlaubsanspruch:
    Wenn du zu Beginn des Kalenderjahres jünger als 16 Jahre bist, hast du Anspruch auf 30 Werktage Urlaub, wenn du jünger als 17 Jahre bist, auf 27 Werktage und wenn du jünger als 18 Jahre bist, auf 25 Werktage. Auch im Jugendarbeitsschutzgesetz ist der Urlaub in Werktagen angegeben und das bedeutet, dass du sechs Urlaubstage für eine Woche Urlaub nehmen musst, auch wenn du nur fünf Tage in der Woche arbeitest.
    Du bist vermutlich im Jahr 2020 volljährig. Deshalb gilt ab dann für dich der gesetzliche Urlaubsanspruch für Volljährige:
    Du hast als Volljähriger per Gesetz Anspruch auf 24 Werktage (20 Arbeitstage), also genau vier Wochen Urlaub im Jahr (§3 Bundesurlaubsgesetz). Aber vielen Azubis steht mehr Urlaub zu, weil die Gewerkschaften in Tarifverträgen für bestimmte Branchen mit den Arbeitgebern einen höheren Urlaubsanspruch aushandeln. Wenn du also Anspruch auf mehr Urlaub als 24 Werktage hast, ist das also ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass für dich ein Tarifvertrag gilt, in dem dieser Anspruch festgelegt ist.

    Ausbildungsfremde Tätigkeiten:
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Ausbildungsvertrag:
    In deinem Ausbildungsvertrag ist dein Ausbildungsort festgelegt. Es passiert oft, dass Firmen mit mehreren Filialen den Firmensitz eintragen. So können die Azubis flexibler in unterschiedlichen Filialen eingesetzt werden. Das kann für den Azubi zugegebenermaßen ungemütlich werden. Diese Praxis ist aber nicht verboten.

    Wie schon geschrieben, es ist wichtig, dass du für deine Rechte kämpfst. Du schreibst, dass du nicht der einzige Azubi bist. Ich empfehle dir deshalb, dich mit den anderen Azubis zusammen zu tun, denn gemeinsam seid ihr stärker! Gemeinsam solltet ihr mit eurem Ausbilder sprechen und für eure Rechte eintreten. Nur so könnt ihr euer Ausbildungsziel erreichen.
    Sucht euch außerdem Hilfe beim Betriebsrat (wenn ihr einen habt).

    Wenn ein Gespräch nichts bringt, solltet ihr euch Hilfe bei eurer Gewerkschaft holen. Hier ist ein Kontakt:

    Ver.di Cottbus
    Calauer Str. 70
    03048 Cottbus
    Tel.: 0355/47858-0
    Fax: 0355/47858-24
    E-Mail: bz.cottbus@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.07.2019 11:41:22


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.