Deutscher Gewerkschaftsbund

Mobbing in der Ausbildung

Hallo ihr Lieben!
Vor 2 Jahren habe ich eine Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin angefangen und komme jetzt bald ins 3. Lehrjahr. In der Berufsschule bin ich gut (durchschnitt von 2,1) weshalb ich auch die Ausbildung gerne verkürzen möchte da ich mich auch länger nicht mehr in meinem Betrieb wohl fühle da wir Azubis dort nur als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden und uns nichts beigebracht wird, wir nur mit Aushilfen die uns nichts sagen können arbeiten müssen wegen Personalmangel. Den Antrag auf verkürzung hab ich schon gestellt, meine ausbilderin hat selbst eingewilligt. Nun ist es so, dass gerade jetzt immer wieder Hetzereien und Kommentare kommen von sowohl Kollegen und meiner Ausbilderin. War schon immer ein bisschen so aber nach dem Antrag deutlich mehr. Zum Beispiel habe ich ziemlich das gefühl, sowohl meine Kollegin als auch meine ausbilderin schauen mir bei jedem Schritt so auf die Finger was ich mache und kritisieren jeden kleinen Fehler, machen sich deshalb lächerlich weil ich mache Fehler obwohl ich die Ausbildung vorziehen will. Wegen jeder Kleinigkeit (Zb ein Eineurostück lag bei den Zweieurostücken was jedem Mal passieren kann). Auch sollte ich jetzt ganz alleine morgens arbeiten und ich habe mich geweigert da sagte mir meine Ausbilderin "wer verkürzen kann muss auch alleine arbeiten können". Generell merke ich wie die Kollegen darüber lachen. Sie kommentieren alles was ich mache negativ, warten richtig darauf bis ich mal was vergesse, wenn ich vor einem Kunden verspreche, wenn ich im Stress mal die Brötchen vergessen habe aus dem Ofen zu tun was auch andere machen könnten wenn sie sehen die Brötchen sind fertig. Wenn ich was frage bekomme ich gesagt "du willst doch verkürzen das musst du wissen" und dann wieder dabei so lächerlich gegrinst. Alles was ich mache ist falsch auch Fehler die offensichtlich nicht meine waren werden auf mich abgewalzt und es war eigentlich schon immer so, dass ich den Ärger für die Fehler abbekommen habe weil die Aushilfen sind ja deutlich weniger da als ich da muss ich als Azubi ja schauen, dass die alles richtig machen weswegen ich vor geraumer Zeit auch die Handwerkskammer kontaktiert habe und auch ein Gespräch mit meiner Ausbilderin und Geschäftsführung geführt habe aber dennoch hat sich nichts getan. Und jetzt seit dem Antrag ist es viel schlimmer geworden. Meine Ausbilderin hat nicht einmal einen Ausbildungsplan für mich und hat selbst den Beruf nicht gelernt aber kritisiert jetzt auch ständig alles was ich mache oder ich bekomme schuld wenn die Aushilfen Fehler machen. Da das erste Gespräch nichts geändert hat würde ich gerne wissen, ob ich mich anders wehren kann Zb Arbeitsgericht und Entschädigung? Danke Schonmal für die Antworten.

Yasmine: 09.07.2019 18:27:59 |
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  • RE: Mobbing in der Ausbildung

    Liebe Yasmine,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum und gut, dass du dich mit uns in Verbindung setzt. Ich finde du hast sehr richtig gehandelt indem du erst einmal das Gespräch gesucht hast und dir Unterstützung von der Kammer geholt hast.

    Es ist natürlich absolut nicht in Ordnung, dass dein Betrieb dich nun so unter Druck setzt bzgl. deiner Verkürzung. Schließlich hat dein Betrieb eingewilligt und nur weil du verkürz heißt es nicht, dass du keine Fehler mehr machen darfst und alleine arbeiten musst. Du bist immer noch Azubi und es muss immer ein Ausbilder anwesend sein.
    Das ist eine schwierige Situation in der du dich befindest und ich finde es erstaunlich, wie lange du sie schon erträgst. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

    1. Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    2. Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    3. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    4. Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    5. Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    6. Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:
    NGG Köln
    Hans-Böckler-Platz 1
    50672 Köln
    Tel.: 0221 / 951 42 40
    Fax: 0221 / 95 14 24 20

    region.koeln@ngg.net

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    7. Wenn du deinen Ausbildungsplatzwechseln musst, weil du gemobbt wirst, hast du eventuell Anspruch auf Schadensersatz gegenüber deinem Betrieb. Hier solltest du dich auch unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft wenden.
    Schadensersatz wegen vorzeitiger Beendigung des Ausbildungsverhältnisses (§23 Berufsbildungsgesetz): Wird das Berufsbildungsverhältnis nach der Probezeit vorzeitig gelöst, so kann der Azubi oder der Ausbilder einen Ersatz für den dadurch entstandenen Schaden verlangen. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein Verschulden der anderen Vertragspartei. Wenn zum Beispiel der Ausbilder seinen Pflichten nicht nachkommt und den Azubi nicht ausbildet und der Azubi deshalb kündigt, kann der Azubi als Schadensersatz die Differenz zwischen Ausbildungsvergütung und Hilfsarbeiterlohn verlangen. Der Azubi muss seinen Anspruch allerdings beweisen. Der Anspruch muss innerhalb von drei Monaten geltend gemacht werden.

    Schadensersatz wegen Verlängerung der Ausbildung (§8 Berufsbildungsgesetz): Wenn es zu einer Verlängerung der Ausbildung kommt, weil der Ausbilder den Azubi nur schlecht oder einseitig ausgebildet hat, kann der Azubi Schadensersatz fordern. Der Schaden besteht dann in der Differenz zwischen der Ausbildungsvergütung und dem entgangenem Gesellengehalt, das der Azubi bei rechtzeitiger Beendigung während der Verlängerungszeit verdient hätte. Falls du also aufgrund einer schlechten Ausbildung das Ausbildungsziel nicht erreichst, solltest du dich unbedingt wegen eines möglichen Schadensersatzanspruchs an deine Gewerkschaft wenden.

    8. Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http:/​/​www.work-watch.de/​2012/​10/​hilfestellung-bei-mobbing/​

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 10.07.2019 18:15:37


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