Deutscher Gewerkschaftsbund

Notdienst

Hallo, Ich arbeite in einer kleinen Tierarzt Praxis. Dort haben wir in regelmäßigen abständen Notdienst welche dann rund eine Woche gehen. Meine Frage ist würden mir am Wochenende so Wie an Feiertagen Zuschläge zustehen? Meine Stunden würden für die geleistete Zeit doppelt verrechnet werden. Da meine Arbeitszeiten unter der Woche so oder so Ziemlich schräg (1,5 - 3h Pause) sind profitiere ich aber nicht wirklich davon. Dazu interessiert mich ob ich meine Fahrzeit bzw. die entstehenden Fahrkosten irgendwie erstattet oder angerechnet bekommen könnte? Wenn ich nen Notdienst an nen Samstag schiebe und dann ca alle 2 Stunden wieder in die Praxis muss kommt da schon ein bisschen was zusammen. Meine Fahrzeit beträgt mit dem Auto ca. 15 Minuten.

Mark: 14.05.2019 14:44:08 |
  • RE: Notdienst

    Lieber Mark,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Grundsätzlich ist es so, dass es sich bei den Notdiensten, wenn du über deine vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus kommst, um Überstunden handelt.

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest! Die Frage ist ob das bei den Notdiensten der Fall ist oder ob du hier komplett alleine bist? Dann sind sie nicht zulässig.

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz). Ein Anspruch auf einen Zuschlag ergibt sich gesetzlich leider nicht. Es stellt sich eher die Frage ob deine Arbeit am Wochenende und an Feiertagen in deinem Ausbildungsberuf vorgesehen und notwendig für die Ausbildung ist. Etwas anderes kann gilt, wenn es einen gültigen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gibt. Erkunde dich am besten einmal bei deiner zuständigen Gewerkschaft (siehe Kontakt weiter unten) und schau einmal in deinen Ausbildungsvertrag ob hier ein Hinweis auf ein Tarifvertrag gegeben ist. Dir steht auf jeden Fall für die Arbeit an einem Feiertag ein Ersatzruhetag zu.

    Nun zu deiner Fahrtzeit:
    Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.

    Dies gilt aber nicht unbedingt, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird oder die Fahrt zur Baustelle von einer Sammelstelle oder von zu Hause aus angetreten wird. In diesen Fällen regeln häufig Tarifverträge die Anrechnung auf die Arbeitszeit. Maßgeblich für die Berechnung ist die Zeit der Benutzung des zeitgünstigsten öffentlichen Verkehrsmittels.

    Es bestehen keine gesetzlichen Grundlagen, welche die Anrechnung der Wegezeiten klar regeln. Liegen keine tariflichen Regelungen vor, oder finden diese keine Anwendung, dann wird die Wegezeit zur Baustelle, abzüglich der Zeit, die Du vom Treffpunkt bzw. von zu Hause aus bis zum Betriebssitz gebraucht hättest, zur Arbeitszeit hinzugerechnet. Die Handwerkskammer Schwaben weist weiter darauf hin: „In einem Schreiben vom 23.04.2001 geht allerdings das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz davon aus, dass Fahrzeiten vom Betrieb zur Montagestelle bei Jugendlichen und Erwachsenen generell zur Arbeitszeit zählen.“ Daraus wird deutlich, dass in diesem Punkt unterschiedliche Auffassungen bestehen.

    Als Teil der Arbeitszeit zählen betrieblich veranlasste Wegezeiten, die durch die Beförderung des Auszubildenden vom Betrieb zu einer anderen Arbeitsstätte anfallen oder die Zeit für den Weg zwischen dem Betrieb und einer außerbetrieblichen Ausbildungsstätte oder auch die Zeit von einer Arbeitsstelle (oder Baustelle) zur nächsten (etwas bei Monteursarbeiten) oder bei einem Außendienstmitarbeiter von einem Kunden um nächsten, nicht aber sonstige Wegezeiten von zu Hause zum Betrieb oder der Nachhauseweg. Hat der Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb aufzunehmen, sondern an einer Montage-oder Baustelle, zählt die von ihm dafür benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die Zeit hinausgeht, die der Auszubildende normalerweise von seiner Wohnung bis zum Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§11 BBIG, §4 Abs.1 JArbSchG).

    Du solltest Dich daher mal an deine Gewerkschaft wenden und fragen, ob vielleicht für dich ein Tarifvertrag die Anrechnung regelt bzw. dort kannst Du erfragen welche Vereinbarungen in der Praxis mit dem Arbeitgeber üblich sind. Hier ein Kontakt:
    ver.di Schwerin
    Dr.-Külz-Straße 18
    19053 Schwerin
    Tel.: 0385/59190-0
    Fax: 0385/59190-77
    E-Mail: bz.schwerin@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.05.2019 12:44:33


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