Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsvergütung

Halo ich bin Ausländer aus einem nicht eu-land. Ich mache eine Ausbildung seit Oktober 2017. Lautvertrag sollte ich in 1. Lehrjahr 650€ brutto bekommen, 660€ 2. Lehrjahr, und 670€ in 3. Lehrjahr. Was wirklich passiert ist aber dass ich am 1. Lehjahr 516€ (-100€ für Nebenkosten, Obwohl ich habe einen Vertrag dass ich 650€+Unterkunft+Verpflegung frei vom Ausbildungsbetrieb erhält!!!)
es ist jetzt noch schlimmer geworden; seit März 2019 muss ich noch ne 50€ als Vorschuss bezahlen. Ich kriege jetzt 370€ pro Monat (kein Kindergeld, kein BAB)
Wo kann ich mich melden um eine finanzielle Unterstützung zu bekommen? Oder was kann ich eigentlich noch machen als Azubi um mehr Geld zu verdienen? Vielen Dank!

Lili99: 14.04.2019 00:02:53 |
  • RE: Ausbildungsvergütung

    Hallo Lili99,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Es ist nicht in Ordnung, dass dein Betrieb deine Vergütung immer weiter kürzt.
    Deine Ausbildungsvergütung muss dir immer in voller Höhe bezahlt werden. Wenn der Betrieb Wohnen etc. in Rechnung stellt, muss er das schriftlich machen, aber es kann dir nicht einfach etwas vom Lohn abgezogen werden. Das ist illegal!

    Du schreibst, dass du vertraglich geregelt hast, dass du für Wohnen und Verpflegung nichts zahlen musst. Das musst du nochmal klarstellen.

    Ich empfehle dir so schnell wie möglich eine Geltendmachung zu schreiben. Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast.
Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die Kammer schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.
Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Gehaltsgeltendmachung:

    Sehr geehrter Herr/Frau,

    laut § 18 Berufsbildungsgesetz muss mein Gehalt bis zum letzten Arbeitstag des Monats auf meinem Girokonto eingehen. Ich habe mein Gehalt für den Monat allerdings bis heute nicht erhalten.
Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend auf mein Konto.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Unterschrift Azubi)

    Es gibt aber noch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehle ich dir, dich in diesem Fall an die Berufsschulsozialarbeit oder den/die Vertrauenslehrer/in zu wenden. Natürlich kannst du dich auch an deine Gewerkschaft wenden. Meistens hat ein Brief von deiner Gewerkschaft einschlagenden Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird. Hier ein Kontakt für dich:


    NGGRegion Mecklenburg-Vorpommern
    Neubrandenburg
    Tilly-Schanzen-Str. 17
    17033 Neubrandenburg
    Tel.: 0395 / 544 20 80 / 1
    Fax: 0395 / 544 20 82

    region.mecklenburg-vorpommern@ngg.net
    >www.ngg.net/​mv

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem möchte ich dir noch ein paar Infos dazu geben, welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten es in der Ausbildung gibt:

    Wenn du nicht mehr zu Hause wohnst, hast du neben deiner Ausbildungsvergütung folgende Möglichkeiten, für weitere Einnahmequellen:

    1. 192€ Kindergeld für dich. Das müssen dir deine Eltern überweisen, da du ja nicht mehr zu hause wohnst. Weigern sich deine Eltern, kannst du bei der Familienkasse der Arbeitsagentur beantragen, dass dir dein Kindergeld direkt ausgezahlt wird.

    2. Du kannst Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt. Dazu kommen noch die individuellen Fahrtkosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:
    - gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
    - nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
    - du erhältst nur dann BAB wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
    - die finanzielle Situation deiner Eltern und dein Einkommen werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.
    Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, umso später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http:/​/​babrechner.arbeitsagentur.de/​
    Achtung: Es kann passieren dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten.

    3. Der seit 2007 geltende Wohngeldzuschuss wurde zum 01.08.2016 gestrichen und um reguläre SGB II Leistungen erweitert. Frage am besten bei deiner zuständigen ARGE nach. Achtung: wenn du unter 25 bist, muss der Auszug aus dem Elternhaus vom zuständigen Jobcenter genehmigt werden, damit du einen Zuschuss zu den Kosten der Unterkunft und Heizung bekommen kannst.

    4. Wohngeld: Zunächst musst du BAB beantragen, denn einen Antrag auf Wohngeld kannst du nur dann stellen, wenn dir BAB „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.
    Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.
    Unter www.wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: http:/​/​www.sozial-hotline.de).

    5. Arbeitslosengeld II für Auszubildende:Mit der Gesetzesänderung des SGB II, die ab 01.08.2016 in Kraft getreten ist, haben alle Auszubildende, die in Berufsausbildung oder in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme – sofern sie nicht beim Ausbilder, in einem Wohnheim oder Internat untergebracht sind, einen grundsätzlichen Anspruch auf ALG II (§7 Abs.5 SGB II). Prinzipiell gilt jedoch: BAB ist vorrangig gegenüber dem ALG II! Bei der Prüfung des Anspruches auf ergänzende Leistungen nach dem SGB II wird die Bedürftigkeit geprüft und das Gehalt der Eltern in der Erstausbildung mit einberechnet.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.04.2019 09:18:00


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