Deutscher Gewerkschaftsbund

Bin ich eine Heulsuse, oder läuft hier wirklich was falsch?

Hallo Dr. Azubi,
Ich habe leider mehrere Fragen:

Anliegen #1:
Mein Ausbilder lässt mich stets alleine.
Es soll ja hin und wieder okay sein, wenn man was kleines alleine macht, der Ausbilder muss einem ja nicht 24/7 Händchen halten, aber bei mir kommt es vor, dass ich meinen Ausbilder am Tag gar nicht sehe. Es wird höchstens über SMS kommuniziert. Das passiert nicht selten. Oftmals muss ich ihm hinterhertelefonieren.
Ich fahre unseren Transporter (einen Crafter) meistens vollkommen alleine von Hotel zu Hotel, laufe die Hotels ab, mache arbeite meine Liste ab und fahre wieder zurück ins Haupt-Hotel. Mir wurde von Klassenkameraden der Berufsschule gesagt, dass ich doch froh sein solle, so viel Vertrauen zu genießen.
Beispiel hierzu:
Im Winter hatte unser Firmenfahrzeug ständig Ausfälle der Batterie, ich habe 2 Stunden an einem Ort festgesessen, bei -8°, und auf meinen Ausbilder gewartet, nicht, damit er mich abholt, sondern einfach nur, dass er mir Starthilfe gibt und ich dann weiterarbeiten konnte. Anstatt dann mit mir zu fahren, um sicherzugehen, dass er das nächste mal nicht eine Stunde zu mir fährt, damit er das Auto wieder überbrücken kann, ist er wieder heimgefahren.
Das Auto fiel beim nächsten Hotel wieder aus, dort war ein Kunde allerdings so nett mir zu helfen, sonst hätte ich da wieder 2 Stunden gewartet.
anbei: die Wartezeit auf meinen Ausbilder (2 Stunden) durfte ich mir nicht als Arbeitszeit anrechnen.

Anliegen #2:
Fehler werden stets mit Belustigung und Hohn kommentiert.
Ich verstehe, dass ich Fehler mache, aber anstatt mir zu zeigen, wie es richtig geht, schickt mir mein Ausbilder Fotos per SMS und macht sich regelrecht darüber lustig, dass ich etwas falsch mache und er mich 'ertappt' habe.
Ich habe noch nie einen Verbesserungsvorschlag von ihm erhalten, sondern kriege wirklich dumme Kommentare an den Kopf geworfen und man geht generell von meiner Dummheit aus, anstatt, dass mal ein Kunde etwas falsch macht.

Beispiel hierzu: Ein Kunde hatte in ein Handmikrofon die Batterie samt Abdeckung hereingedrückt. Diese Kappe soll verhindern, dass die Batterie sich vorzeitig entlädt, diese muss man natürlich vorher abmachen, da es auch fast unmöglich ist, die Batterie in das Mikrofon reinzubekommen.
Ich habe hierzu eine SMS mit "Sag mal, wieso nimmst du nicht die Kappe von der Batterie bevor du die ins Mikro tust? Hast Du nicht gemerkt, dass die da nicht reinging?! Und du Gewalt anwenden musstest?!" dazu ein vor Lachen weinendes Smiley....

Hierzu fällt mir nur ein, dass er mich ja ständig vollkommen alleine lässt, wäre er dabei, würde er ja sehen, dass ich solche Fehler eben nicht mache.
Und warum er mir das nicht normal sagt, sondern direkt schnippisch wird, ist mir ebenso rätselhaft.

Anliegen #3:
Repetetive und fachfremde Aufgaben:
Jeden Tag das selbe: Tagespauschale. Sprich, Pinnwände in Tagunsräume stellen, Flipcharts mit Papier ausstatten, HDMI und VGA Kabel testen, Monitore abwischen.
Selten kommt es vor, dass wir große Veranstaltungen haben, sowas wie Messen, wo wir wirklich mal Technik aufbauen können, das, was die Messebauer machen, die richtigen Eventtechniker, DAS WAS ICH WERDEN WILL. Aber nein. Der Zweig in dem ich positioniert bin, hat eben solche Aufträge sehr selten. Mein Chef hatte mich auch darauf angesprochen, dass wir bis ende diesen Jahres endlich mehr Events haben, dass die TGP (Tagespauschalen) von Mini-Jobbern übernommen werden können, da es sich eben wirklich nur um Pinnwände in Räume stellen handelt, was (sogar laut meinem Chef) nicht die Aufgabe einer Eventtechnikerin ist und auch nichts mit dem Beruf zu tun hat.
Und dann kommt mal ein Event und ich werde nicht mitgenommen um was zu lernen, doch so lerne ich niemals, wie ich eine Veranstaltung betreue. Obwohl ich das (ebenfalls laut meinem Chef) bis spätestens Ende 1. LJ können soll und muss. Auch dies habe ich mehrfach angesprochen, bekam aber eine sehr schwammige Antwort, in der es hieße, dass man daran arbeite und zu wenig Personal zur Verfügung stehe.
Darüber hinaus bin ich keine Putzfrau, dass ich jetzt jeden Tag unsere Monitore und die Tische abwischen soll. Mit den Monitoren kann ich ja leben, die gehören zu unserer Technik, aber die Tische? Geht das nicht zu weit?

Anliegen #4:
Belästigung am Arbeitsplatz.
Ich bin sehr auffällig, das weiß ich, übergewichtig, groß, interessante Frisuren (50-er Jahre stil), aber doch sehr angepasst. (Ich hatte früher so ziemlich jede Farbe auf dem Kopf und jeden Monat meine Haarfarbe geändert, doch das habe ich mir für die Ausbildung abgewöhnt)
Allerdings steigt mir seit Beginn meiner Ausbildung ein alter Herr nach. Dieses Thema habe ich bereits mit dem obersten Chef und der Personalberaterin besrpochen, da der Herr mir bereits zwei mal bis auf die Damentoilette gefolgt ist.
Mein Ausbilder war der Erste, den ich darauf ansprach, er sagte, dass ich nicht alleine in dieses Hotel gehen soll, in dem der Mann arbeitet. Dies hielt genau eine Woche an, danach hatte mein Ausbilder keine Lust mehr mitzukommen.
Ich war also wieder alleine unterwegs.
Als ich diese Sache dann zur nächst-höhreren Instanz trug, hat mein Ausbilder total merkwürdig reagiert, mich fast schon ermahnt und eine Antwort gefordert, warum ich es ihm nicht gesagt hätte, dass mir ein Herr nachstellt.
Das hatte ich aber, mehrfach und mein Ausbilder hat es einfach abgewunken, gesagt, "dass ich es als Kompliment nehmen solle".
Da die Personalberaterin nun mal auch in Berlin sitzt, konnte sie nichts machen, ausser meinem Chef und meinem Ausbilder einzuschärfen, mich nicht mehr alleine zu lassen, besonders nicht in diesem Hotel.
Aber das war nicht der Fall, ich wurde nur nicht mehr in das Hotel eingeteilt, trotzdem löst das das Problem nicht.
Sie wurden ebenfalls angewiesen, die Identität des Herren herauszufinden. 2 Monate sind vergangen und der Herr ist noch immer unbekannt.

Anliegen #5
Arbeitszeiten und Urlaubsvertretung
Als Volljährige sind mir 11 Stunden Ruhezeit zwischen den Schichten und nicht mehr als 10 Stunden täglich einzuteilen.
Dass das nicht immer klappt, ist bei meinem Berufsfeld leider so eine Sache, das ist aber auch nicht das Problem.
Im Gegenteil:
Oftmals wird mir gesagt, dass ich nicht zu kommen brauche, da es nichts zu tun gäbe, allerdings weiß ich, dass im Ausbildungsgesetz steht, dass ich das Recht darauf habe, meine Ausbildungszeit auch im Betrieb zu verbringen und Stunden, in denen ich nach Hause geschickt werde, als bezahlte Freistellung gelten.

Auf der anderen Seite sitze ich stundenlang daheim und warte auf einen Anruf, dass ich arbeiten kommen soll. Sehr häufig kann ich dann nicht mal andere Dinge vorher/nachher tun, da ich ständig mein Arbeitstelefon mit mir herumtragen muss und auf den Anruf warte. Ich leiste in diesem Sinne also Bereitschaftsdienst, da ich, wenn ich einen Anruf kriege, oftmals gerade so Zeit habe, zu unserem Büro zu fahren, was ca. 30 Minuten von mir weg ist.
Einen Schichtplan gibt es generell nicht, ich werde höchstens am Abend vorher, oder oftmals 1-2 Stunden vor Arbeitsbeginn per SMS verständigt, wann ich arbeiten soll. Es wird verlangt, dass ich alles stehen und liegen lasse und sofort zur Arbeit komme. Meines Erachtens nach ist das Bereitschaftsdienst und das ist, soweit ich weiß, in der Ausbildung nicht die Norm.(es steht auch nichts darüber in meinem Arbeitsvertrag)

Ebenso kam es sehr häufig vor, dass ich auch Sonntags arbeiten muss. (Bereits der 9. in Folge, um es mal zu verdeutlichen)
Diese werden nicht innerhalb eines Monats ausgeglichen, bzw. sie werden gar nicht ausgeglichen.
beispiel hierzu ist der vergangene Sonntag:
Ich hatte in einer Liste übersehen, dass für eine Veranstaltung noch ein Handmirko gebraucht wird, mein Ausbilder rief mich an und schnautze mich an:
"Tja, DU hast das übersehen, das ist dein Fehler, also musst Du es jetzt auch machen, außerdem bin ich beschäftigt"

Hier mein Dilemma:
1. Die besagte Liste, ist online für uns alle im Büro zugänglich und war bereits seit 2 Wochen auf unserem Server.
Ich habe sie eingebucht, mein Ausbilder hat es nicht kontrolliert, wobei das seine Aufgabe ist.
2. Er hat mich wieder alleine geschickt, sogar in das Hotel, wo dieser komische Mann mir immer hinterher läuft und mich versucht zu betatschen.
3. Es handelt sich um schwere Technik, sprich Lautsprecher, die ich alleine nicht heben kann und auch nicht darf.
4. Es war der 9. Sonntag in Folge und ich musste eine Familienfeier dafür verlassen, die ich bereits seit Januar angekündigt hatte und dieses Datum noch einmal ausdrücklich am Freitag und den Montag davor angesprochen hatte.

Ebenfalls werde ich als Urlaubsvertretung genutzt. Wenn mein Chef weg ist, übernimmt mein Ausbilder seinen Platz, macht also Büro noch dazu. Ich verstehe auch, dass das sehr stressig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, aber wenn er das Büro übernimmt mache ich schlichtweg ALLES ANDERE und dazu noch mutterseelenallein.
Ich bin dann kein Azubi mehr, sondern eine eigenständige Technikerin, da ich ihn zu Problemen nicht anrufen kann bzw. soll, "er sei dann viel zu beschäftigt". (Zitat Ausbilder)

Emma: 12.03.2019 00:09:02 |
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  • RE: Bin ich eine Heulsuse, oder läuft hier wirklich was falsch?

    Liebe Emma,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich unterstützen. Bei dir scheint einiges im Betrieb nicht ordnungsgemäß ablaufen, daher ist es gut, dass du dich an uns wendest.

    Zu deinen Anliegen 1 bis 3: alleine arbeiten, Fehler werden mit Hohn kommentiert und ausbildungsfremde Tätigkeiten:

    Es ist so, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen, wie auch bei der Tische oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Außerdem kann Ausbildung nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Es ist also nicht in Ordnung, dass du von A nach B alleine unterwegs bist.
    Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld werden!
    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den Ausbilder oder Betriebsinhaber noch einmal schriftlich an seine Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Hinweis auf § 14 BBiG

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden).
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten. Außerdem muss laut § 14 Berufsbildungsgesetz ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.
    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)
    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    ver.di Frankfurt/Main
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69 - 77
    60329 Frankfurt/Main
    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-2099
    E-Mail: bz.ffm-region@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.
    Zu deinem Anliegen 4: Belästigung am Ausbildungsplatz:
    Die wirksamste Reaktion auf eine solche Belästigung ist die offene Abwehr - möglichst im Beisein anderer. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten dir gegenüber nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    Ignorieren des Übergriffs ist die häufigste aber zugleich uneffektivste Umgangsweise, da sie sehr oft als Zustimmung gewertet wird. Das Verhalten der belästigenden Person wird sich hierdurch nicht ändern.

    Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst könnten sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z.B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    Dein Ausbilder muss außerdem dafür sorgen, dass du weder körperlich noch psychisch geschädigt wirst (§14 Berufsbildungsgesetz). Er muss dich vor Gewalt, Mobbing oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in Schutz nehmen. Daher hast du dich richtig verhalten, indem du deinen Ausbilder über die Belästigung informiert hast.

    Falls dein Ausbilder dein Anliegen weiterhin nicht ernst nimmt oder sich nicht darum kümmert, kann er sich dadurch auch schadensersatzpflichtig machen – und du hast unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, deine Ausbildungsleistung bei laufenden Bezügen zu verweigern.

    Dies solltest du aber auf jeden Fall schriftlich mitteilen. Und dir, bevor du zu dieser Maßnahme greifst, rechtlichen Rat bei deiner zuständigen Gewerkschaft holen (siehe Kontakt oben).

    Dr. Azubi: 13.03.2019 13:06:59


  • RE: Bin ich eine Heulsuse, oder läuft hier wirklich was falsch?

    Zu deinem Anliegen 5 Urlaubsvertretung und Überstunden:

    Urlaubsvertretung ist auch nicht Sinn und Zweck der Ausbildung, v.a. wenn du komplett alleine bist (siehe alleine arbeiten)

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).
    Ich rate dir gute Nachweise zu sammeln, also Dienstpläne zu kopieren oder deine Arbeitszeit aufzuschreiben, wenn es keine weiteren Nachweise gibt und hier auch deine Bereitschaftszeiten und „Minusstunden“ einzutragen.
    Immer wieder gibt es Azubis, die plötzlich von ihrem Ausbilder erfahren, dass sie Minusstunden angesammelt hätten. In der Regel ist diese Berechnung von Minusstunden nicht rechtens.

    Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§19 Berufsbildungsgesetz). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich Heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst. In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Ausbilder ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich Azubi.

    Wenn du keine Überstunden mehr machen möchtest, dann solltest du 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:
    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Ort/Datum
    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Unterschrift Azubi …...................

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße


    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 13.03.2019 13:07:20


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