Deutscher Gewerkschaftsbund

Frage bezüglich Kündigung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich befinde mich seit 2017 in der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.
Kurzgefasst hatte ich Probleme mit dem Betrieb, da nach dem Ausscheiden des Ausbilders kein Azubi mehr benötigt wird und ich somit gemobbt wurde.
Ich bin krank geschrieben seit dem 4.4.2018.
Bis heute habe ich Krankengeld erhalten, allerdings steht aufgrund einer fehlenden Bescheinigung der Berufsschule über Tage, an welchen ich die Schule besucht habe, das Krankengeld von September bis heute noch aus.

Im April letzten Jahres wurde ich durch den Betrieb unrechtmäßig gekündigt, habe geklagt und gewonnen.
War allerdings weiter Krankgeschrieben. Der Prozess war im August.

Nun geht es aber nicht mehr, da ich mit meinem Betrieb nicht mehr zusammen komme und zusätzlich meine Krankenkasse verlangt das ich eine Reha mache zur Wiedereingliederung, welche ich aber nicht machen möchte.

Deshalb wollte ich demnächst kündigen, da ich von meinem Psychiater auch eine Bescheinigung erhalten habe, mit welcher ich keine Sperre beim Arbeitsamt bezüglich dem Erhalt von ALG 1 haben werde.

Meine Frage ist, wie ich nun kündigen soll. Es liegen sowohl Gründe zur fristlosen Kündigung vor, sowie die fristgerechte wobei ich dann natürlich noch weitere 4 Wochen krank geschrieben sein müsste.
Der Aufhebungsvertrag würde durch den Arbeitgeber ebenso unterschrieben werden.
Welche Art der Kündigung wäre für mich am besten?
Bei welcher habe ich die meisten Vorteile?

Bei Fragen bezüglich der Ausbildung kontaktieren Sie mich bitte.

Vielen Dank

Anna

Anna : 22.01.2019 12:46:11 |
  • RE: Frage bezüglich Kündigung

    Liebe Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Wenn du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, bist du mitschuldig am Verlust deines Ausbildungsplatzes. In diesem Fall kann dir bei einer folgenden Arbeitslosigkeit dein Arbeitslosengeld eine Zeitlang gesperrt werden! Außerdem kannst du gegen einen Aufhebungsvertrag - im Unterschied zu einer Kündigung durch den Ausbilder - keinen Widerspruch einlegen, da ja deine Zustimmung nötig war. Wichtig ist, dass du das mit der Agentur für Arbeit absprichst, auch ob dein Attest ausreicht um keine Sperre zu bekommen.
    Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

    Jeder hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinter kommt, kann er dich unter Umständen auf Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen.

    Damit du mit deiner Kündigung auf Nummer sicher gehst, Hole dir am besten Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz.
    Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:
    ver.di Saarbrücken
    St.-Johanner-Straße 49
    66111 Saarbrücken
    Tel.: 0681/98849-0
    Fax: 0681/98849-499
    E-Mail: bz.saar-trier@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 23.01.2019 17:57:06


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