Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbilder soll versetzt werden. Ist das in Ordnung?

Hallo,
vor einigen Tagen ist ein Vorgesetzter auf die glorreiche Idee gekommen, dass "man ja mal zwischen den Filialen etwas durchtauschen kann". Spontan heißt es nun auch, dass mein Ausbilder die Filiale wechseln soll. In meinem Vertrag sind aber sowohl der Ausbildungsplatz (ohne andere Ausbildungsmaßnahmen) und der Name meines Ausbilders aufgelistet. Bei meinem Einstellungsgespräch hieß es auch, dass ich immer meinen Ausbilder vor Ort habe für Fragen und Probleme...Da diese neue Situation aber auftreten soll ist meine Frage, ob das überhaupt machbar ist? Und vorallem, ob man mich auch einfach so versetzen könnte, wenn ich drauf bestehe das mein Ausbilder bei mir vor Ort sein soll? Zumal der Arbeitsweg für mich sich verdreifacht und durch schlechte Anschlüsse auch noch erschweren würde, wenn ich mitgehen müsste..

Vielen dank für die Aufmerksamkeit!

Saskia: 22.01.2019 09:36:25 |
  • RE: Ausbilder soll versetzt werden. Ist das in Ordnung?

    Liebe Saskia,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Es ist so: Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind.

    Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn dein Ausbilder also versetzt wird, ist die Frage ob es eine andere ausbildungsbeauftragte Person in der Filiale gibt. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss dein_e Chef_in dafür Sorge tragen, dass in deiner Filiale ein_e Ausbilder_in anwesend ist oder ein_e Ausbildungsbeauftragte_r.

    Eine Möglichkeit wäre auch, dass du in die andere Filiale versetzt wirst wo dein Ausbilder ist. Hier sieht es folgendermaßen aus: ein einfacher Tausch von Filiale zu Filiale ist nur möglich, wenn dein Betrieb eine gute Begründung hat. Personalmangel reicht beispielsweise nicht aus. Wenn du bestimmte Ausbildungsinhalte nur in der anderen Filiale lernen kannst, dann wäre das zum Beispiel eine plausible Begründung. Für alle Ausbildungsorte, die im Ausbildungsvertrag eingetragen sind, musst du die Fahrtkosten selber aufbringen. Erst wenn du einen anderen Ort, der nicht im Vertrag steht, aufsuchen musst, kannst du die Fahrtkosten verlangen.
    Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.

    Als Teil der Arbeitszeit zählen betrieblich veranlasste Wegezeiten, die durch die Beförderung des Auszubildenden vom Betrieb zu einer anderen Arbeitsstätte anfallen oder die Zeit für den Weg zwischen dem Betrieb und einer außerbetrieblichen Ausbildungsstätte oder auch die Zeit von einer Arbeitsstelle (oder Baustelle) zur nächsten (etwas bei Monteursarbeiten) oder bei einem Außendienstmitarbeiter von einem Kunden um nächsten, nicht aber sonstige Wegezeiten von zu Hause zum Betrieb oder der Nachhauseweg. Hat der Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb aufzunehmen, sondern an einer Montage-oder Baustelle, zählt die von ihm dafür benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die Zeit hinausgeht, die der Auszubildende normalerweise von seiner Wohnung bis zum Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§11 BBIG, §4 Abs.1 JArbSchG).

    Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Niedersachsen/Bremen
    Goseriede 10
    30159 Hannover
    Tel.: 0511/12400-0
    Fax: 0511/12400-150
    E-Mail: lbz.nds-hb@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 23.01.2019 17:21:14


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