Deutscher Gewerkschaftsbund

Berufsschule bei Ausbildungsverkürzung.

Hallo zusammen,

ich würde diesen September meine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker beginnen. Auf grund meines Abiturs würde die Lehrzeit auf 2,5 Jahre verkürzt. Jetzt stellt sich mir nur die Frage ob es die Möglichkeit gibt in der Berufsschule direkt in das 2te Lehrjahr einzusteigen, oder ob das erste pflicht ist.
Auch bräuchte ich hierfür die rechtliche Grundlage um etwas bei mein Chefin in der Hand zu haben, falls diese mir dies verweigern sollte.

Vielen dank schon mal im vorraus

Mit freundlichen Grüßen
tim

Tim : 17.01.2019 18:33:43 |
  • RE: Berufsschule bei Ausbildungsverkürzung.

    Hallo Tim,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Dein Ausbildungsverhältnis kann aufgrund von Vorbildung verkürzt werden (§7,8 Berufsbildungsgesetz). Die Bundesländer können dabei unterschiedliche Regelungen erlassen. In der Regel kannst du aber aus folgenden Gründen verkürzen:
    1. Falls du in demselben Beruf bereits Ausbildungszeit zurückgelegt hast wird dir diese Zeit voll anerkannt. Auch Ausbildungszeiten in einem ähnlichen Beruf können teilweise anerkannt werden.
    2. Wenn du vor der Ausbildung eine Berufsfachschule besucht hast, kann dir das ganz oder teilweise auf deine Ausbildungszeit angerechnet werden.
    3. Auch aufgrund von allgemeinbildenden Schulabschlüssen kannst du die Ausbildung verkürzen.

    Bei Realschülern kann die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden.
    Bei Abiturienten kann die Ausbildung um maximal 1 Jahr gekürzt werden
    Bei Fachhochschulreife in der entsprechenden Fachrichtung ist eine Kürzung bis zu 2 Jahren möglich.

    Eine Verkürzung aufgrund von Punkt 1 erfolgt in der Regel automatisch durch die zuständige Stelle, trotzdem solltest du darauf achten. Eine Verkürzung nach Punkt 2 & 3 musst du gemeinsam mit deinem Ausbilder bei der zuständigen Stelle beantragen: Du brauchst also das Einverständnis deines Ausbilders. Ihr solltet den Antrag gleich zu Beginn der Ausbildung stellen. Es ist aber auch möglich, den Antrag noch im Verlauf der Ausbildung zu stellen. Die verkürzte Ausbildungszeit wird dann in deinen Ausbildungsvertrag eingetragen. Bei Fragen wende dich an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag zum Beispiel IHK, oder Innung).

    Achtung: Wenn dir aufgrund von Punkt 1 oder Punkt 2 deine Vorbildung auf die Ausbildungszeit angerechnet wird, wird die gekürzte Zeit in Bezug auf deine Ausbildungsvergütung als Ausbildungszeit gewertet, die du bereits verbracht hast. Im Klartext: Wenn du um ein Jahr verkürzt, beginnst du deine Ausbildung bereits im 2. Ausbildungsjahr und hast Anspruch auf die Vergütung des 2. Ausbildungsjahres! Wenn du nach Punkt 3 verkürzt, hast du keinen Anspruch auf die höhere Vergütung.

    Wenn du überdurchschnittliche Leistungen während der Ausbildung - insbesondere in der Zwischenprüfung - erbringst, kannst du bei der zuständigen Stelle einen Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung stellen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Für den Antrag reicht in der Regel die Note „gut“ (im Durchschnitt min. 2,49) in allen prüfungsrelevanten Fächern. Die zuständige Stelle befragt dann deinen Ausbilder und die Berufsschule, ob sie dem Antrag zustimmen. Dann entscheidet die zuständige Stelle, und du erhältst einen Bescheid. Leider richten sich die Entscheidungen über eine Ausbildungszeitverkürzung oft nach der Meinung deines Ausbilders und dummerweise wollen Betriebe ihre besten Azubis selten früher ziehen lassen. Trotzdem: Falls du in der Zwischenprüfung überdurchschnittliche Ergebnisse hast, solltest du sofort den Antrag stellen! Gegen einen ablehnenden Bescheid kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.

    Die Abkürzungsmöglichkeiten können auch nebeneinander berücksichtigt werden. Du kannst also zum Beispiel zunächst aufgrund deiner Vorbildung verkürzen und dann noch einmal aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen in der Zwischenprüfung. Allerdings sollten bestimmte Mindestzeiten einer Ausbildung nicht unterschritten werden.
    • Bei einer Regelausbildungszeit von 3,5 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 24 Monate dauern.
    • Bei einer Regelausbildungszeit von 3 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 18 Monate dauern.
    • Bei einer Regelausbildungszeit von 2 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 12 Monate dauern.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall
    Geschäftsstelle Rosenheim
    Münchener Str. 24
    83022 Rosenheim
    Tel.: 08031/35898-0
    E-Mail: rosenheim@igmetall.de

    Da könnt ihr anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass ihr von Dr. Azubi kommt.... Als Gewerkschaftsmitglied habt ihr Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltet ihr euch überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eurer Gewerkschaft beizutreten - wenn ihr nicht schon Mitglied seid. Ihr könnt jederzeit Mitglied eurer Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn ihr mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folgt diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.01.2019 10:58:41


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