Deutscher Gewerkschaftsbund

Strafen in der Ausbildung

Lieber Dr. Azubi,

ich mache seit September 2018 eine Ausbildung als Kaufmann im Gesundheitswesen. Ich fühle mich dort überhaupt nicht wohl, da wir meiner Meinung nach viele ausbildungsfremde Tätigkeiten machen müssen. z.B. sind wir für den Social Media Account zuständig. Wir müssen jeden Tag 3-5 Bilder posten, sogar auch im Urlaub, die wir vor den Urlaub fotografieren mussten.
Außerdem sind bei uns regelmäßig Seminare zu denen auch Leute von außerhalb kommen. Wir sind für das Catering zuständig, z.B. das Auffüllen von Getränken, Obstplatte richten, Kaffee kochen etc.
Richtig gelernt haben wir bisher kaum was..Wir sitzen kaum bei jemanden um die Patientenabrechnung zu lernen. Es werden dort regelmäßig Leute gekündigt, seit September mit Sicherheit schon über 10 Stück. Es sind immer wieder Vorstellungsgespräche - wen wundert es!
Als ich vor ein paar Tagen vergessen habe ein Bild zu posten und im Urlaub auch (weil ich es nicht eingesehen habe im Urlaub etwas zu posten), haben Sie mich zu einem ernsten Einzelgespräch gebeten und haben gesagt, dass ich die nächsten zwei Wochen Küchendienst machen muss und die nächsten zwei Wochen nach der Schule in den Betrieb kommen muss..
Sind solche erzieherischen Maßnahmen denn überhaupt rechtens?

Timo: 17.01.2019 16:24:45 |
  • RE: Strafen in der Ausbildung

    Hallo Timo,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Was da in deiner Ausbildung abläuft ist wirklich nicht richtig, da hast du Recht. Und du hast auch jedes Recht, während deinem Urlaub, keine Bilder posten zu müssen! Dein Urlaub ist dafür da um dich zu erholen. Paragraf §8 Bundesurlaubsgesetz besagt hier nämlich folgendes:

    § 8 Erwerbstätigkeit während des Urlaubs
    Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.

    Bestrafen darf dich dein Ausbilder deswegen auch nicht, denn er hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht nach dem Berufsbildungsgesetz; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen also ernst nehmen.

    Entsprechend darf er dich nicht zu irgendwelchen Küchendiensten zwingen (die nebenbei wohl nicht zu deiner Ausbildung gehören) oder dich zwingen nach der Schule noch einmal in den Betrieb zu kommen.
    Die Zeiten, die du in der Berufsschule verbringst, werden dir nämlich auf die Arbeitszeit angerechnet und dürfen 8 Stunden (sofern keine tarifvertragliche Regelung vorhanden ist) täglich nicht überschreiten (§3 Arbeitszeitgesetz).

    Zum Thema ausbildungsfremde Tätigkeiten:
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen.

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Wenn du die Möglichkeit hast, würde ich dir empfehlen deinen Betriebsrat aufzusuchen. Solltest du keinen Betriebsrat haben, kannst du dich, wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di
    Geschäftsstelle Karlsruhe
    Rüppurrer Straße 1 a
    76137 Karlsruhe
    Tel.: 0721/38 46-000
    E-Mail: bz.mittelbaden-nordschwarzwald@verdi.de

    Da könnt ihr anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass ihr von Dr. Azubi kommt.... Als Gewerkschaftsmitglied habt ihr Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltet ihr euch überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eurer Gewerkschaft beizutreten - wenn ihr nicht schon Mitglied seid. Ihr könnt jederzeit Mitglied eurer Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn ihr mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folgt diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.01.2019 09:32:59


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