Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: "Dr. Azubi" macht Weihnachtsferien! Im Zeitraum von 24. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019 findet die Beratung im "Dr. Azubi"-Forum nur eingeschränkt statt. Es kann daher zu Zeitverzögerungen bei den Antworten kommen. Im neuen Jahr sind wir dann wieder uneingeschränkt für euch da.

Nach der Schule für nichts zur Arbeit

Hallo Dr. Azubi,

Ich habe jeden Montag und Freitag von 08:00 - 13:20 Uhr Schule und muss mindestens 1x nach der Schule zur Arbeit. Die Regel ist: Hauptsache ich komme auf die 40 Stunden!

Der Weg von der Schule zur Arbeit dauert ungefähr 1,5 h. Ich bin also meistens um 14:45 Uhr auf der Arbeit. Danach muss ich eine halbe Stunde Pause machen und um 15:15 Uhr kann ich anfangen zu arbeiten.

Wir haben Gleitzeit mit Kernarbeitszeit: Mo. - Do. 09:00 - 16:00 Uhr.

Freitags jedoch, kann ich um 15 Uhr gehen. D. h. ich fahre unnötig zur Arbeit!

Mein Ausbilder und die HR-Managerin sagt zu mir, ich kann freitags nach der Schule nach Hause und die Zeit die mir fehlt (ca. 3 Stunden) nachholen. Oder ich komme freitags rein und logge mich ein und wieder aus.

Darf der AG das so entscheiden? Ist das überhaupt richtig, dass er mich für nichts nach der Schule verlangen darf? Ist es gesetzlich geregelt, dass der AG mir sagen darf, dass ich die Zeit nachholen muss?

Ich freue mich auf Ihre Nachricht und bin sehr gespannt!

Freundliche Grüße

Sophie

Sophie: 05.12.2018 09:41:41 |
  • RE: Nach der Schule für nichts zur Arbeit

    Hallo Sophie,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich gehe bei der Beantwortung davon aus, dass du bereits volljährig bist.

    Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seinem Urteil vom 26. März 2001 (Az: 5 AZR 413/99) festgelegt, wie die Berufsschulzeiten auf die Arbeitszeit angerechnet werden müssen: Die Freistellung umfasst demnach nicht nur die reine Unterrichtszeit, sondern auch die Zeiten des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule, zum Beispiel unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und die Wegzeiten zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

    Die Berufsschulzeit ist also auf die vertragliche Arbeitszeit anzurechnen, allerdings gibt es einen Haken: Eine Freistellung ist nur dann möglich, wenn sich Unterrichtszeit und Ausbildungszeit überschneiden. Findet die Berufsschule also zu Tageszeiten statt, an denen nicht regelmäßige Ausbildung stattfindet, erfolgt keine Freistellung und keine Anrechnung. Es kann also passieren, dass Auszubildende in bestimmten Fällen weit über die vertraglich geregelte Arbeitszeit hinaus Zeit in Berufsschule und Betrieb verbringen, die absolute Höchstgrenze
    liegt dabei bei der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.

    Oft verlangen Ausbilder von volljährigen Azubis, dass sie nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen sollen. Hier gilt: Von der täglichen Arbeitszeit wird die gesamte Zeit in der Berufsschule abgezogen, falls die Berufsschule während der üblichen Arbeitszeit stattfindet. Außerdem wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Zeit, die der Azubi nach der Berufsschule noch im Ausbildungsbetrieb verbringen kann zu kurz, um dem Ausbildungszweck zu dienen – nämlich weniger als 30 Minuten, kann der Ausbilder die Rückkehr des Azubis nicht verlangen.

    Bei dir ist es jetzt so, dass dein Betrieb von dir unsinnigerweise verlangt, dass du am Freitag kommst, um dich ein- und wieder auszuloggen. Das macht natürlich wenig Sinn, aber dein Betrieb kann von dir tatsächlich verlangen, dass du die vertraglich vereinbarten 40 Stunden auch ableistest.
    Dir wurde nun vorgeschlagen, dass du die 3 fehlenden Stunden, wenn du gleich nach der Schule nach Hause gehst, an einem anderen Tag abarbeitest. Das kannst du dir überlegen, allerdings geht dir dann die Fahrtzeit als Arbeitszeit verloren.
    Wie bereits gesagt, ist die Regelung, nach der Schule schnell hin zu fahren, um sich ein- und auszuloggen unsinnig und sehr bürokratisch. Ich empfehle dir deshalb, mit deinem/r Ausbilder/in zu sprechen und dort dein Dilemma zu schildern. Versuche, dir vorher eine für dich gute Lösung zu überlegen. Evtl. kannst du ja auf die Pause an deinem ersten Berufsschultag verzichten und da schon mal Zeit gut machen. Oder du könntest die drei Stunden auf deine anderen Arbeitstage verteilen und so früher ins Wochenende starten. Wenn ihr eine gute Lösung gefunden habt, könnt ihr nochmal mit der Personlabteilung sprechen und einen Kompromiss finden.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Hamburg
    Besenbinderhof 60
    20097 Hamburg
    Tel.: 040/890615-0
    Fax: 040/890615-279
    E-Mail: bezirk.hamburg@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 06.12.2018 11:22:55


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