Deutscher Gewerkschaftsbund

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Arbeit und Ausbilder

Hallo,
ich habe letzte woche meine ausbildung angefangen.
Werde aber nur ausgebutzt beispielsweise musste ich beim Chef zu hause laub auf sammeln und immer wenn ich anfangen möchte das Schweißen zu üben, heißt es ich soll es hinlegen weil ich weg soll und was anderes machen soll. Das wäre zum Beispiel draußen den hof aufräumen und andere unnötige Sachen. Dazu kommt hinzu das ich erst 16 bin und für nächstes jahr nur 24 Urlaubstage habe was soweit ich weiß nicht rechtlich ist. Und noch eine Sache mein Ausbilder ist nie da der sitzt immer im Büro quasi werde ich von anderen leuten pberall eingewiesen umd habe in dem Sinne keinen richtigen Ausbilder, da wenn och was falsch mache die Jungs immer fertig gemacht werde und die somit nicht mehr die verantwortung übernehmen möchten.
Nun weiß ich nicht was ich machen soll erstmal abwarten oder mich direkt an die IHK wenden soll.
Ich danke für jeden Ratschlag.

Lennard: 09.08.2018 16:39:47 |
  • RE: Arbeit und Ausbilder

    Hallo Lennard,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir weiter.

    Es ist schade, dass dein Start in die Ausbildung so schlecht verläuft.
    Du bist noch in der Probezeit. Die Probezeit ist sowohl für den Azubi als auch für den Betrieb dazu da, um sich die Sache genau anzuschauen. Wenn du jetzt schon merkst, dass du in deinem Betrieb schlecht betreut wirst oder nur ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen musst, dann hast du innerhalb der Probezeit die Möglichkeit, ohne die Angabe von Gründen fristlos zu kündigen.
    Ebenso hat aber auch dein Betrieb diese Möglichkeit. Wir empfehlen den Azubis deshalb immer, sehr vorsichtig mit Kritik in der Probezeit zu sein.
    Nachfolgend will ich dir mal ein paar gesetzliche Infos zu deiner Situation geben:

    Ausbildungsfremde Tätigkeiten:
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Alleine Arbeiten:
    Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Urlaubsanspruch für Minderjährige:
    Wenn du minderjährig bist, solltest du zunächst auf der ersten Seite deines Ausbildungsvertrages nachsehen, ob hier ein Urlaubsanspruch festgelegt ist. Falls nein, musst du im Kleingedruckten nachlesen. Dort findest du dann einen Auszug aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz, das den Urlaubsanspruch für Minderjährige folgendermaßen festlegt:
    Wenn du zu Beginn des Kalenderjahres jünger als 16 Jahre bist, hast du Anspruch auf 30 Werktage Urlaub, wenn du jünger als 17 Jahre bist, auf 27 Werktage und wenn du jünger als 18 Jahre bist, auf 25 Werktage. Auch im Jugendarbeitsschutzgesetz ist der Urlaub in Werktagen angegeben und das bedeutet, dass du sechs Urlaubstage für eine Woche Urlaub nehmen musst, auch wenn du nur fünf Tage in der Woche arbeitest.

    Du hast nun die Möglichkeit, den Betrieb noch einige Zeit anzuschauen, vielleicht ändert sich ja was an deiner Situation. Wenn es Azubis in höheren Lehrjahren gibt, kannst du dort auch mal vorsichtig anfragen, wie es bei ihnen am Anfang gelaufen ist. Je nachdem wie die Stimmung im Betrieb ist, kannst du auch mal deinen Ausbilder fragen, wann du die Inhalte aus dem Ausbildungsrahmenplan erlernst.
    Parallel kannst du dich auch nach anderen Betrieben erkundigen. Frage in deiner Berufsschulklasse nach oder schau im Internet oder bei der Agentur für Arbeit, wer noch Lehrstellen zu besetzen hat.
    Die Option, zur Kammer zu gehen, halte ich für sehr riskant, schließlich bist du noch in der Probezeit...

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall
    Strasse / Nr.: Kaiserstr. 108
    PLZ, Ort: 53721 Siegburg
    Telefon: 02241/96860
    E-Mail: • bonn-rhein-sieg@igmetall.de

    Homepage: • www.igmetall-bonn-rhein-sieg.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.08.2018 19:07:56


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