Deutscher Gewerkschaftsbund

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Lehrstellenwechsel, keine Lehre trotz Ausbildungsplatz

Hallo Dr. Azubi,

Ich bin momentan mit meinem Ausbildungsplatz sehr unzufrieden und ziehe einen Wechsel in einen anderen Betrieb in Betracht.

Es fängt schon damit an, dass mir kein Ausbilder zugeteilt wird. Niemand kann mir sagen, bei wem ich überhaupt etwas lernen soll. Seit mittlerweile 1,5 Jahren mache ich Kleinigkeiten oder putze in meiner Abteilung.

Mir wird ebenfalls kein Werkzeug bereitgestellt, obwohl ich in einer Werkstatt einen handwerklichen Beruf erlernen sollte. Was genau ich dabei für Fähigkeiten erwerben muss, weiß auch niemand, da sich kein Mitarbeiter jemals mit meinem Rahmenlehrplan auseinandergesetzt hat.

Wenn ich zum Werksleiter ins Büro gehe um über Missstände zu sprechen, zB dass mir trotz eindeutiger Regelungen alle Fahrtkosten inkl. zur HWK auferlegt werden, werde ich nur vertröstet.

Ich bin wirklich motiviert und engagiert, habe sehr gute Noten in der Berufschule und nehme mit Freude an jedem Lehrgang teil. Alles was ich möchte ist doch nur den Beruf zu erlernen, für den ich einen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe.

Kann ich einfach so im laufenden Jahr meinen Betrieb wechseln? Und gibt es irgendeine Möglichkeit, nicht wieder in die selbe Falle zu tappen und auch in einer anderen Firma als "Aushilfskraft" gesehen zu werden?

Ich bedanke ich schon im Vorfeld für den Ratschlag und verbleibe mit vielen Grüßen! 

Mech: 23.04.2021 |
  • RE: Lehrstellenwechsel, keine Lehre trotz Ausbildungsplatz

    Hallo Mech!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir.

    Es ist ganz nachvollziehbar, dass die deine Ausbildung so keinen Spaß macht und du unzufrieden bist. Eine Ausbildung soll dir ja auch einen Beruf vermitteln und du sollst keine einfache Arbeitskraft darstellen. Darum muss eine Ausbildung auf der Grundlage einen Ausbildungsrahmenplans stattfinden.

    Es ist so, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Außerdem kann Ausbildung nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind.

    Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld werden!

    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

     

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

     

    2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den Ausbilder oder Betriebsinhaber noch einmal schriftlich an seine Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

     

    Adresse Azubi

    Adresse Betrieb

     

    Hinweis auf § 14 BBiG

     

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

     

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden).
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten. Außerdem muss laut § 14 Berufsbildungsgesetz ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.

    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)

    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

     

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

     

    Mit freundlichen Grüßen,


    Unterschrift Azubi ____________

     

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


     

    IG Metall Coburg

     

    Am Viktoriabrunnen 1 a

    96450 Coburg

    +49 9561 55650

    coburg@igmetall.de

    www.igm-coburg.de

     

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

     

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

     

     

     

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

    Liebe Grüße

     

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

     

    Dr. Azubi: 24.04.2021


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