Deutscher Gewerkschaftsbund

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Kurz vorm Burnout

Hallo zusammen, 
ich mache seit nun fast zwei Jahren eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten und ich kann tuen was ich will, ich schreibe nur scheiß Noten in Steuerlehre und Rechnungswesen. Mündlich stehe ich in beiden Fächern zwei, nur schriftlich kann ich mein Wissen einfach nicht auf den Punkt bringen. Nach der schlechten Zwischenprüfung mussten wir unsere Klausuren dann auch immer vorzeigen und da war das Dilemma...ich musste meine Noten jetzt nicht mehr nur vor mir, sondern auch noch vor meinem Chef und meiner Ausbilderin verantworten! Beide waren nicht begeistert und sagten Sie seien sehr enttäuscht. Als nettes Topping muss ich jetzt jeden Tag nach der Schule zum Betrieb kommen, einen zum Arbeiten und einen zum überwachten Lernen, sprich ich habe keinen Nachmittag mehr frei! Muss man nicht gesetzlich einen haben? Hinzu kommt, dass ich gefragt wurde "ob ich mir denn überhaupt sicher sei, ob dieser Beruf etwas für mich ist" (das fragt man nach zwei Jahren!?)und das schriftlich eine drei in jedem Fach erwartet wird! 

Ich weiß gar nicht wie ich das schaffen soll? 

Immer dieses Gefühl angesehen zu werden wie eine Enttäuschung, obwohl man den Beruf gerne in der Praxis ausübt, macht mich sowas von fertig. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal gelobt worden bin und kein Erfolgserlebnis zu haben macht mich so traurig, als wäre man zu nichts zu gebrauchen ... ich habe in der Ausbildung schon so viel geweint, dass ich gar nicht mehr weiß warum das überhaupt zu Ende bringen sollte! 

ich habe mir schon so oft gesagt, "du musst abbrechen, du packst das nicht" aber ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren sozusagen zwei Jahre wegzuschmeißen! 

Bitte gebt mir einen Tipp wie ich dieses Jahr mit dem ganzen Druck noch überstehen kann, so dass mein Chef bzw alle dort mich so viel es geht in Ruhe lassen und ich das einfach hinter mich bringe.

PiaEleonora: 12.02.2020 |
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  • RE: Kurz vorm Burnout

    Liebe PiaEleonora,

     

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Ich kann gut verstehen, dass dich das alles stark belastet und du unter dem Druck deines Betriebes sehr leidest.

    Zunächst möchte ich dir empfehlen, dass du ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch nimmst. Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) haben das Ziel, deinen Ausbildungserfolg zu sichern. Sie können dir bei Bedarf zu Beginn und jederzeit während der Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung gewährt werden. Ein spezieller Unterricht und gegebenenfalls begleitende sozialpädagogische Betreuung tragen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten bei und/oder fördern das Erlernen fachtheoretischer Kenntnisse und fachpraktischer Fertigkeiten. Das Gute dabei, es entstehen dir keinerlei Kosten. Der Zeitaufwand für abH beträgt 3–8 Stunden pro Woche. Wende dich also am Besten einmal an deine Berufsschule und die örtliche Agentur für Arbeit.

     

    Du schreibst, dass dein Betrieb dich nun immer nach der Berufsschule kommen lässt, damit du lernst.

    An einem Berufsschultag mit mehr als 5 Stunden von je 45 Minuten musst du nicht mehr in den Betrieb kommen. Dieser Tag wird dir als Arbeitstag angerechnet. Der zweite Berufsschultag wird die Zeit des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule plus Pausen angerechnet. Ist das weniger als deine tägliche Arbeitszeit, kann dein Betrieb verlangen, dass du danach noch in den Unterricht kommst.

     

    Ich empfehle dir, nochmal mit deiner Ausbilderin zu sprechen. Dabei kannst du ihr genau deine Probleme schildern und auch sagen, dass du dich selbst unter hohen Druck setzt. Wenn du zum Zeitpunkt bereits konkreteres zu abH weißt, kannst du auch sagen, dass du dich bereits um Nachhilfe gekümmert hast.

     

    Du zweifelst sehr an deinem Können. Deshalb empfehle ich dir eine Liste zu schreiben, mit allen Dingen, die du gut kannst. Das sind sicherlich viele. Diese Liste könntest du dann mit in das Gespräch nehmen und auch für dich ist es schön und aufbauend zu wissen, wo deine Stärken liegen.

     

    Außerdem solltest du dir Hilfe vor Ort suchen. Wende dich z.B. an deine Berufsschulsozialarbeit oder eine_n Vertrauenslehrer_in und erzähl dort von deinen Problemen. Hier findest du Unterstützung und es tut gut, wenn man sich mal alles von der Seele reden kann.

     

    Dr. Azubi wünscht dir ganz viel Erfolg und Mut!

     

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

     

    Ver.di Münster
    Johann-Krane-Weg 16
    48149 Münster

    Tel.: 0251 93300-0
    Fax: 01805 837343 - 23107
    E-Mail: service-ost.nrw@verdi.de

     

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

               

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

                           

    Liebe Grüße   

    Dr. Azubi       

    PS: Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 13.02.2020


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