Deutscher Gewerkschaftsbund

Kündigung nach der Zwischenprüfung

Hallo,

Ich bin nun im 2 Ausbildungsjahr und habe meine Zwischenprüfung fast hinter. Ich bin wegen meiner Ausbildung von meiner Heimat weggezogen. Leider hab ich nach fast 2 Jahren immer noch keinen Anschluss gefunden, fühle mich im Betrieb nicht wohl und bin nun psychisch erkrankt. Ich habe nun die Chance in meine Heimat zurück zu kehren und dort meine Ausbildung fortzusetzen. Nach langem überlegen möchte ich dieses auch gerne tun. Aber wie spreche ich es bei meinem Chef an? Ich würde eigentlich gerne schon zum Ende des Monats gehen, was bei einer fristgerechten Kündigung ja nicht möglich währe. Wie kann ich das Problem angehen und lösen? Wie spreche ich mit meinem Meister und dem Geschäftsführer darüber?

Maria: 09.04.2019 07:41:06 |
  • RE: Kündigung nach der Zwischenprüfung

    Liebe Maria,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    So wie du schreibst, gehe ich davon aus, dass du deinen Ausbildungsplatz wechseln möchtest und im selben Beruf bleibst. In diesem Fall solltest du die fristgerechte Kündigung, mit einer Frist von vier Wochen, nicht verwenden. Diese Kündigungsform ist in einem Ausbildungsverhältnis lediglich für die Berufsaufgabe gedacht und nicht für den Ausbildungsplatzwechsel.

    Da du nicht mehr in der Probezeit bist, hast du zwei Möglichkeiten.

    Bei einem von dir gewünschten Ausbildungsplatzwechsel kann ein Aufhebungsvertrag unter Umständen die einfachste Möglichkeit sein, wenn dein Ausbilder mit deinem Weggang einverstanden ist. Unterschreibe einen Aufhebungsvertrag aber nur, wenn du bereits einen neuen Ausbildungsvertrag hast oder ganz sicher bist, dass du in dem Betrieb nicht bleiben willst, denn wenn der Aufhebungsvertrag einmal freiwillig unterschrieben ist, kann man nichts mehr machen! Ich rate dir einen Termin mit deinem Ausbilder zu vereinbaren und ihm genau die Gründe für deinen Wechsel zu erläutern. Zu diesem Gespräch kannst du dir auch Unterstützung mitnehmen (Betriebsrat, JAV, Eltern…) und du kannst bereits einen Vordruck für einen Aufhebungsvertrag mit zu dem Gespräch nehmen. Der Aufhebungsvertrag wird zweimal angefertigt. Jedes Exemplar wird dann von Azubi und Ausbilder unterschrieben. Azubi und Ausbilder erhalten je ein Exemplar. Falls der Aufhebungsvertrag vom Betrieb aufgesetzt wird, solltest du den ganzen Vertrag gründlich lesen, vor allem das Kleingedruckte. Ein einfacher Aufhebungsvertrag sieht so aus:

    Ort/Datum
    Aufhebungsvertrag

    Zwischen
    ___(Name Ausbilder)
    und

    Hiermit beenden die Vertragsparteien in gegenseitigem Einvernehmen das Ausbildungsverhältnis zum ________(Datum).

    ____________(Ort, Datum)
    ____________(Unterschrift Ausbilder)
    ____________(Unterschrift Azubi)

    In den meisten Fällen wird dann auch ein Aufhebungsvertrag unterschrieben. Welcher Betrieb möchte schon einen Azubi halten, der partout nicht im Betrieb bleiben möchte.
    Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:
    Ver.di Magdeburg
    Lei¬ter¬str. 1
    39104 Magdeburg
    Tel.: 0391/28888-0
    Fax: 0391/28888-41
    E-Mail: bz.lsa-nord@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße und alles Gute für deinen Wechsel

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.04.2019 10:14:52


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.