Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugendwohnen ist besser

Mobilität gesichert: Die Arbeits- und SozialministerInnen der Länder übernehmen die Projektempfehlungen zu einem wichtigen Baustein der dualen ­Ausbildung.

Es stand in der Soli aktuell 11-2010: Das Jugendwohnen, Garant der Mobilität im Ausbildungsstellenmarkt, muss endlich auf eine solide Basis gestellt werden.

Mit der einstimmigen Beschlussfassung der 87. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) Ende 2010 ist man dem Ziel nun näher gekommen. Die unter Federführung Hessens in Wiesbaden durchgeführte ASMK hatte Ende letzten Jahres einstimmig beschlossen, auf eine klarstellende Regelung für das Jugendwohnen im Sozialgesetzbuch hinzuwirken – und es als Leistung der Jugendhilfe zu definieren.

In dem ASMK-Beschluss wird nun die Bundesregierung gebeten, auf eine Änderung des § 65 Abs. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) III hinzuwirken. Ziel ist, klarzustellen dass die "Unterbringung in einem Wohnheim" auch das Jugendwohnen umfasst und die in diesen Fällen vereinbarten Leistungsentgelte als Bedarf für den Lebensunterhalt zugrunde zu legen sind.

Dies ist derzeit nicht der Fall, aber für den Fortbestand des Jugendwohnens von entscheidender Bedeutung.

"Mit dem ASMK-Beschluss, zeitnah Rechtssicherheit für das Jugendwohnen zu schaffen, ist eine unserer zentralen Empfehlungen aufgenommen worden«, sagt Andreas Finke, Leiter des auf vier Jahre angelegten Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekts »leben.lernen.chancen nutzen". Die DGB-Jugend hat dort einen Sitz im Beirat.

Das vom Bundesministerium für Familie, Soziales, Frauen und Jugend geförderte Forschungsprojekt hatte wiederholt auf die Regelungslücke in der geltenden gesetzlichen Formulierung des § 65 Abs. 3, SGB III hingewiesen. Finke: »Wir freuen uns sehr, dass die angestrebte Gesetzesänderung eindeutig Bezug auf das Jugendwohnen nimmt – und deutlich macht, dass es sich um eine Einrichtung der Jugendhilfe mit einem differenzierten Angebot an Unterkunft, Verpflegung, sozialpädagogischer Begleitung und individueller Förderung zur Sicherung des Ausbildungserfolges sowie zur gesetzlichen Erfüllung der Aufsichtspflicht bei Minderjährigen handelt.«

Jugendwohnen ist ein Unterstützungsangebot für junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren, die, ausbildungs- und arbeitsmarktbedingt, wegen der Teilnahme an schulischen oder beruflichen Bildungs- und Eingliederungsmaßnahmen sowie aus sonstigen sozialen Gründen die Familie verlassen und an einem anderen Ort auf sich allein gestellt sind. Das Konzept bietet diesen jungen Menschen an über 500 Standorten in Deutschland Wohnraum – meist in einer Gruppe von Gleichaltrigen – sowie sozialpädagogische Begleitung im Alltag. Jährlich mehr als 200.000 Jugendliche nutzen das Jugendwohnen. Fast 60 Prozent von ihnen sind minderjährig.

www.projekt-jugendwohnen.de


(aus der Soli aktuell 1+2/11, Autor: Jürgen Kiontke)

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