Deutscher Gewerkschaftsbund

Gute Bildung für alle

Die DGB-Jugend, die Pisa-Studie und die Bildung.

Deutschland hat sich verbessert: Im Gegensatz zu den Vorjahren konnten SchülerInnen bei den Pisa-Tests etwas zulegen. Immerhin: Das ist besser als in den letzten Jahren bei dieser internationalen Lernervergleichsanalyse der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), deren neueste Ergebnisse zum Jahreswechsel veröffentlicht wurden.

Die DGB-Jugend sieht deshalb zwar Anlass zu verhaltener Freude, aber wahrlich nicht zur Zufriedenheit. Denn noch immer beträgt der Abstand zu den Pisa-Test-Spitzenländern wie etwa Finnland mehr als ein Schuljahr. Das größte Problem ist die soziale Spaltung im Schulsystem, wie in der Studie festgestellt wird. Der Zugang zur Bildung hängt maßgeblich vom Status der Eltern ab.

"Das deutsche Bildungswesen steckt in einer Krise. Es ist chronisch unterfinanziert und noch dazu höchst ungerecht", sagt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. Die Zahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsabschluss sei immer noch erschreckend hoch.

So verlassen MigrantInnen die Schule doppelt so häufig wie ihre deutschen MitschülerInnen ohne Abschluss. HauptschülerInnen haben nach wie vor kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Rund eine halbe Million Jugendliche verschwinden im Übergangssystem zwischen Schule und Beruf – die meisten in Warteschleifen ohne Aussicht auf eine qualifizierende Ausbildung. Gleichzeitig gelingt es nicht, genügend jungen Menschen den Weg zur Hochschule zu ebnen: Menschen ohne Abi­tur, die sich im Berufsleben bewährt haben, bleiben die Türen zu den Hochschulen meist verschlossen.

Die Forderung der DGB-Jugend: Gute Bildung für alle. "Wir wollen ein Bildungssystem, das alle unabhängig von ihrer Herkunft integriert und kulturelle, demokratische und soziale Teilhabe sichert", sagt Rudolf.

Die Gewerkschaftsjugend will, dass das Bildungssystem so umgebaut wird, dass es ohne soziale oder leistungsbezogene Ausgrenzung durch Mehrgliedrigkeit oder Schulnoten auskommt. Ganztägige Gemeinschaftsschulen würden hier zum Beispiel gute Chancen bieten, die Auslese abzuschaffen und die Durchlässigkeit nach oben zu fördern.

Das wichtigste Ziel: Kein Kind und kein Jugendlicher darf zurückgelassen werden. Daher braucht es auf jeder Stufe des Bildungswesens Rechtsansprüche, angefangen beim Kita-Platz bis zur Aus- und Weiterbildung.

Die Misere im Bildungsbereich wird auch Thema der DGB-Jugend-Initiative "Wie willst du leben?" sein: Mit einer groß angelegten Befragung wollen die jungen GewerkschafterInnen mit der Jugend ins Gespräch kommen, welche Art Bildung sie braucht.


(aus der Soli aktuell, 1+2/11, Autor: Jürgen Kiontke)

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