Deutscher Gewerkschaftsbund

Krise als Chance

2.500 TeilnehmerInnen, über 100 Veranstaltungen: Beim Kongress "Jenseits des Wachstums" war das Interesse an Alternativen groß. Denn so wie jetzt geht es nicht ­weiter, sagt Elke Michauk.

Auf globale Herausforderungen müssen globale Lösungen gefunden werden. Der Kongress vom 20. bis 22. Mai 2011 in der Technischen Universität Berlin gab hierzu vielfältige Anstöße, hat die Augen für bereits gelebte Alternativen und den Raum für grundlegende Fragen nach dem "buen vivir" (gutem Leben) geöffnet. Nun ist es an uns, diese aufzugreifen und in den alltäglichen Kampf einzubinden.

Das Fazit des Kongresses aus gewerkschaftlicher Sicht: "Fortschritt" und "Entwicklung" lassen sich allgemein unter dem Paradigma "Höher, schneller, weiter" fassen. Das ist die kapitalistische Wachstumslogik: eine Ökonomie, die auf der Ausbeutung ökologischer, materieller und menschlicher Ressourcen beruht und auf allumfassende Akkumulation abzielt.

Vor diesem Hintergrund lässt sich – in einer vereinfachten – Argumentationskette schnell der Zusammenhang zwischen verschiedenen Bereichen herstellen: Auseinandersetzungen um Ressourcen werden auf Grund von Preisanstiegen für Rohmaterial unmittelbar über die Lebenshaltungskosten an den Verbraucher weitergegeben. Durch steigende (Über-)Lebenskosten bei stagnierenden Löhnen und steigender Arbeitszeit verschärft sich die soziale Schieflage.

Die Folge: Soziale Konflikte nehmen zu – und damit nationaler Protektionismus in einer globalisierten Welt, der nicht zuletzt den Rechten in die Hände spielt.

Eine verkürzte, einseitig auf einer Kapitalismuskritik fußenden, nationalen Wachstumskritik hilft also bei der Suche nach Alternativen nicht unbedingt weiter. Vielmehr bedarf es einer dezidierten, globalen Betrachtung der kapitalistischen Ökonomie, die sich u.a. in Konsumlogik über Werbung und Bedürfnissuggestion äußert.

Zugleich ist die Dekonstruktion von Macht- und Herrschaftsverhältnissen nicht außer acht zu lassen, da sie Zusammenhänge zwischen zunächst unabhängig nebeneinander bestehenden Systemen ermöglicht.

Für die Gewerkschaften heißt dies: weg von national bestimmtem Wachstumsparadigma und Standortlogik. Hin zu Arbeitszeitverkürzung, internationaler Solidaritäts- und Kampagnenarbeit sowie grenzüberschreitender, koordinierter Tarifpolitik.

Und nicht zuletzt sollte dabei die Eigentumsfrage – neu – gestellt und die Wirtschaftsdemokratie belebt werden.


Elke Michauk ist für die DGB-Jugend beim ­globalisierungskritischen Netzwerk ­Attac aktiv.

Dokumentationsblog der Konferenz:
http://blog.jenseits-des-wachstums.de


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