Deutscher Gewerkschaftsbund

Gewerkschafter im KZ

Der DGB gedenkt mit einer Ausstellung jener oft vergessenen GewerkschafterInnen, die Widerstand ­gegen die Nazis ­leisteten.

"Morgen werde ich gehenkt. Schafft die Einheit": Dieser Ausspruch von Wilhelm Leuschner ist beispielhaft für die Menschen, denen die Ausstellung "'Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht.' Deutsche Gewerkschafter im KZ 1933-1945" gewidmet ist.

Gewerkschaftsführer Leuschner, der von den Nazis aus dem Amt getrieben und im Konzentrationslager inhaftiert wurde, ließ auch unter schwierigsten Bedingungen keinen Zweifel daran, dass er auf der richtigen Seite stand. Wie er wurden viele GewerkschafterInnen, die im Widerstand aktiv waren, gefoltert und ermordet.
Am 2. Mai 1933 hatten die Nazi-Banden in ganz Deutschland die Gewerkschaftshäuser gestürmt - und dabei gewerkschaftliches Eigentum beschlagnahmt und GewerkschafterInnen misshandelt und verschleppt.

An das Schicksal dieser KollegInnen erinnert die Ausstellung, die zum Jahrestag der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser, dem 2. Mai 2011, im Haus des DGB-Bundesvorstands in Berlin von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach eröffnet wurde. "Rechtsextremismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz und darf ihn nie wieder haben", sagte Buntenbach.

Zehn modellhafte biografische Tafeln würdigen einen kleinen Teil der mutigen Männer und Frauen. Neben ihrem Verfolgungsschicksal stellen sie die Persönlichkeit, den Werdegang vor der Inhaftierung und, soweit sie die KZ-Haft überlebten, ihren Anteil am Wiederaufbau der Arbeitnehmerorganisationen in der Nachkriegszeit vor - und leisten damit auch einen Beitrag zur gewerkschaftlichen Erinnerungskultur. Unterstützt wird die Ausstellung vom DGB und der Hans-Böckler-Stiftung.

Sie ist Teil eines auf viele Jahre angelegten Projekts der Berliner Professoren Siegfried Mielke und Günter Morsch. Maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben ihre Studierenden am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Die Arbeit ist nicht einfach: "Es gibt kaum noch Zeugnisse. Und nur noch wenige Hinterbliebene leben", sagt Alexandra Kruse, die ihre Diplomarbeit im Kontext der Ausstellung geschrieben hat, gegenüber Soli aktuell. Auch Gewerkschaftsjugendliche wie Eberhard Podzuweit von der EVG-Jugend gehören zu den AutorInnen.

Die Ausstellung verstehe sich als Gegengewicht gegen die offizielle Gedenkkultur in Deutschland, erklärte der Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, Günter Morsch, zur Eröffnung - und wurde dabei sehr deutlich: Der Widerstand aus der Arbeiterbewegung werde im öffentlichen Gedenken grundsätzlich unterschlagen. Die Zerschlagung der Gewerkschaften sei aber einer der Höhepunkte der Verfolgung Andersdenkender gewesen. Morsch: "Erinnerung wird durch Politik gemacht."

Die sehenswerte Wanderausstellung soll in vielen Gewerkschaftshäusern in den Bezirken und Regionen gezeigt werden. Anfragen sind ausdrücklich erwünscht!


Bis 30. Juni 2011. Mo bis Sa, 10 bis 18 Uhr. DGB-Haus, Hackescher Markt, Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin. Infos: E-Mail: info@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Zur Ausstellung ist auch ein Begleitband im Metropol-Verlag (19 Euro) erschienen.


(aus der Soli aktuell 5/11, Autor: Jürgen Kiontke)

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