Deutscher Gewerkschaftsbund

Europäische Bewunderung

Europa besteht aus: EuropäerInnen. Aus politisch aktiven. Zwei von ihnen, die zum ESF fahren, erklären in Soli aktuell, was sie an Europa nervt und toll finden.

Name: Eva Westerberg
Funktion: Vorsitzende des Studierendenrates beim Schwedischen Dachverband der Gewerkschaften für AkademikerInnen – Saco
Fachgebiete: Bildung und Arbeitsmarkt
Alter: 26

  • Meine erste EU-Erfahrung: Die Wahl in Schweden 1994.
  • Mein Lieblingsprojekt in Europa: Wenn wir den European Song Contest beiseite lassen: dass man überall hin reisen kann.
  • Was ich an Brüssel nicht verstehe: Dass die Politiker dort ihren Wählern zu Hause nicht klarmachen, was sie eigentlich tun. Ich glaube aber, nicht sie, sondern die Medien sind daran schuld. Die EU-Normen für Gurken stehen öfters im Mittelpunkt als die wirklich wichtigen Dinge.
  • Was Europa am dringendsten braucht: Mehr Anstrengungen im Bereich Bildung und Forschung.
  • Das Land, das mich am meisten überrascht: Alle Länder Osteuropas – Estland, Ungarn und andere – entwickeln sich unglaublich.
  • Hier möchte ich leben: England oder Deutschland. Ich bin eine Zeit lang in England zur Schule gegangen, das war super. Und ich hab fünf Jahre Deutsch gelernt: Ich würde gern mal mehr ausprobieren als: "Ich heiße Eva und bin 26 Jahre alt."
  • Das schlimmste Vorurteil über mein Land: Dass angeblich überall Eisbären herumlaufen. Das stimmt gar nicht.


Name: Cornelia Berger
Funktion: Referentin der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Österreich
Fachgebiet: Internationale Beziehungen
Alter: 28

  • Meine erste EU-Erfahrung: 1995 bei der Volksabstimmung zum EU-Beitritt Österreichs. Die EU-Euphorie war gigantisch – alles Kritische wurde kurzerhand zur Seite geschoben. Wirklich ausgekannt hat sich niemand in Österreich, aber den Menschen wurde das Blaue vom Himmel versprochen: mehr Mitsprache, sichere Arbeitsplätze und eine stärkere Position Österreichs innerhalb der EU. Heute sehen viele vieles kritischer, denn das meiste waren natürlich nur Wahlversprechen.
  • Mein Lieblingsprojekt in Europa: Die Zusammenarbeit der Gewerkschaften finde ich sehr spannend, sowohl im EGB als auch in den Branchenverbänden. Mit jedem Treffen erweitert sich der Horizont.
  • Was ich an Brüssel nicht verstehe: 2008 werden Resolutionen und Blockaden der EU gegen Kuba neu diskutiert, und ich frage mich: Was geht es die EU-AußenministerInnen an, wie sich Kuba selbst verwaltet?
  • Was Europa am dringendsten braucht: Starke und kämpferische Gewerkschaften – eine Arbeiterbewegung, die den großen Konzernen die Stirn bietet.
  • Das Land, das mich am meisten überrascht: Rumänien. Der Mindestlohn beträgt ca. 150 Euro, während die Lebensmittelpreise fast so hoch sind wie in Österreich. Ich bewundere die GewerkschafterInnen dort, die tagtäglich für die ArbeiterInnen kämpfen.
  • Hier möchte ich leben: Spanien.
  • Das schlimmste Vorurteil über mein Land: Wenn die Menschen Österreich kennen (und nicht mit Australien verwechseln, was mit Abstand das Schlimmste ist), verbinden sie mein Land mit Mozart, Sissi, Strauß, Walzer und Ski fahren. Es ist oft mühsam zu erklären, dass es bei uns noch etwas anderes gibt. Und – nein: Wir verstecken unsere Familien nicht alle im Keller!


(aus der Soli extra "Europa sozial", Mai 2008, Autor: Soli extra)

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