Deutscher Gewerkschaftsbund

Gesundheit!

Prekarität macht junge Leute krank.

Gesund und jung - was eigentlich relativ problemlos zusammenpassen sollte, schließt sich mittlerweile aus: Laut Bericht der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) im Februar 2011 ist die junge Generation genauso oft - wenn nicht öfter - krank wie der Rest der Gesellschaft. Die Zahl der Krankschreibungen liegt doppelt so hoch wie bei älteren ArbeitnehmerInnen! Die Techniker-Krankenkasse (TK) kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Vor allem psychische Krankheiten sind auf dem Vormarsch: Jeder Zehnte zwischen 15 und 29 Jahren hat Schmerzen oder andere körperliche Probleme ohne organische Ursache, oft begleitet von Depressionen. Und 20 Prozent klagen über zu viel Stress.

"Viele junge ArbeitnehmerInnen erwartet ein unstetes Berufsleben in oftmals unsicheren Arbeitsverhältnissen", konstatiert DAK-Chef Herbert Rebscher. Diese Unsicherheit könne Auswirkungen auf soziale Beziehungen und eben auf die Gesundheit haben.

"Gefragt sind altersgerechte Personalstrategien, die die Ressourcen aller Generationen im Unternehmen fördern", sagt die TK-Expertin für betriebliches Gesundheitsmanagement, Gudrun Ahlers.

Dahin müsste man aber erstmal kommen. Die DGB-Jugend verweist angesichts dieser Zahlen auf ihre Daten aus dem DGB-Index Gute Arbeit. "Fast 80 Prozent der jungen Beschäftigten gehen zur Arbeit, auch wenn sie krank sind, und 46 Prozent lassen sich Medikamente verschreiben, um fit für die Arbeit zu sein", sagt DGB-Jugend-Referentin Jessica Heyser.

Wenn sie selbst dann noch öfter krank geschrieben sind, kann dies nur bedeuten: Die prekären Bedingungen, unter denen die Jüngeren arbeiten, sind äußerst ungesund.

"Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass unter jungen ­Beschäftigten der Arbeitsdruck stark zugenommen hat und sie darüber hinaus häufig von prekärer Beschäftigung betroffen sind", konstatiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ing­rid Sehrbrock.

Ein anderer Trend im Gesundheitssektor beschäftigte Anfang 2011 auch den Bundestag: Ärmere Kinder haben schlechtere Chancen auf ein gesundes Leben - zu diesem Schluss kommt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage. Die Chance eines Kindes aus finanzschwachen Verhältnissen, einen guten Gesundheitszustand zu haben, ist um die Hälfte geringer als die eines Kindes aus gutsituierten Verhältnissen.

"Junge Menschen brauchen eine Perspektive sowie stabilere und der Gesundheit förderliche Arbeitsbedingungen", sagt Sehrbrock.

Das gilt umso mehr für die mit schlechteren Startchancen.

www.dak.de
, www.tk.de


(aus der Soli aktuell 3/11, Autor: Jürgen Kiontke)

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