Deutscher Gewerkschaftsbund

Po klapsen - nein danke

Der Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend zeigt: Sexuelle Belästigung am Ausbildungsplatz ist verbreitet. Da sie schwerwiegende Folgen haben kann, ist es wichtig, klare Grenzen zu ziehen.


Der jährlich erscheinende Ausbildungsreport der DGB-Jugend gibt einen Überblick über die Qualität in der Ausbildung in Deutschland. 2011 wurden die Auszubildenden erstmalig auch danach gefragt, ob sie sich während der Ausbildungszeit ungerecht behandelt fühlen. Als mögliche Form der schlechten Behandlung wurde auch die Androhung oder Ausübung körperlicher Gewalt und sexuelle Belästigung genannt. DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf hat klargestellt, dass die Ergebnisse unter keinen Umständen bagatellisiert werden dürfen (siehe Soli 10-2011).

Gerade Auszubildende schweigen, wenn es zu einer Belästigung am Arbeitsplatz kommt. Die Angst, den Ausbildungsplatz zu verlieren oder nicht ernstgenommen zu werden, ist oft groß. Andererseits ist es keine Seltenheit, dass die Ausbildung aufgrund von sexueller Belästigung abgebrochen wird.

Wenn du am Ausbildungsplatz sexuell belästigt wirst, solltest du dies aber nicht aus Angst, Ekel, Peinlichkeit oder Schamgefühl hinnehmen, denn die Auswirkungen können sehr weitreichend sein – etwa körperliche und seelische Krankheiten wie Angst, Depression, Essstörungen, Kopfschmerzen, Alpträume und Schlafstörungen.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann sich in unterschiedlichen Handlungsweisen äußern, hierzu gehören:

  • Anzügliche Bemerkungen und Witze

  • Kommentare über das Äußere mit sexistischem Hintergrund

  • Zeigen von pornographischen Bildern am Arbeitsplatz

  • Sexuell gemeinte körperliche Berührungen, unnötiger Körperkontakt (Kneifen und Po-Klapsen, Berühren der Brust)

  • Aufforderungen zu sexuellen Handlungen/Verkehr

  • Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen

  • Und umgekehrt: Androhung von beruflichen Nachteilen, wie z. B. einer Kündigung, wenn sexuelle Handlungen verweigert werden.


Was kann ich tun?
Werde dir deiner Gefühle bewusst, wann für dich Grenzen überschritten sind. Denn: Jede Handlung durch einen Kollegen/Mitarbeiter oder durch deinen Ausbilder, bei der du dich sexuell bedrängt fühlst, ist eine sexuelle Belästigung. Lasse dir nicht einreden, dass du überreagierst oder alles gar nicht so schlimm ist. Auch verbale Angriffe wie Hinterherpfeifen, anzügliche Bemerkungen über die Figur oder das Verhalten sind sexuelle Belästigungen.

Aktiv und offensiv reagieren
Du solltest auf jeden Fall aktiv und offensiv gegen die Belästigung vorgehen. Oftmals kann schon dadurch das Schlimmste unterbunden werden. Du solltest die belästigende Person zur Rede stellen, und das in aller Öffentlichkeit im Büro. Und ihr androhen, dich zu beschweren. Setz dich auch körperlich zur Wehr, um beispielsweise unangenehmes Berühren zu verhindern. Und drohe auch rechtliche Folgen an: Denn du hast die Möglichkeit, den Täter zu verklagen.

Wenn diese Reaktion nicht hilft, dann solltest du dich auf jeden Fall bei deinem Ausbilder beschweren. Falls die Belästigung von deinem Chef ausgeht, dann wende dich unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft und an die zuständige Kammer. Wenn dein Ausbilder dich sexuell belästigt, kann das dazu führen, dass ihm die Ausbilderlizenz entzogen wird.

Darüber sprechen
Es ist sehr wichtig, dass du mit Personen deines Vertrauens über die Belästigung sprichst. Das können Arbeitskollegen sein, Freunde, Verwandte, Lehrerinnen der Berufsschule. Du kannst dich auch immer anonym bei Beratungsstellen vor Ort informieren: Der erste Schritt ist getan, indem du deine Gefühle ernst nimmst und das Gespräch suchst.

Tagebuch führen, Beweise sammeln
Oftmals ist es schwierig, die Belästigung zu beweisen. Daher ist es ganz wichtig, schriftlich festzuhalten, was sich wann, wo und mit welcher Person abgespielt hat, und auch, welche Personen noch mit anwesend waren.

Dieses Dokument kann später für dich ein wichtiges Beweismaterial sein. Um deinem Tagebuch mehr Beweiskraft zu verleihen, kannst du es auch eidesstattlich durch einen Anwalt absegnen lassen. Falls du fristlos kündigen oder den Belästiger anzeigen möchtest, kann das deinen Aussagen noch mehr Glaubwürdigkeit geben.

Hilfe holen
Du kannst dich auch immer an die Mädchenbeauftragte deiner Schule wenden, oder an den Frauen-Notruf vor Ort. Zudem gibt es in größeren Betrieben oftmals eine Frauenbeauftragte und einen Betriebsrat bzw. eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch deine zuständige Gewerkschaft kann dir weiterhelfen. Bei sexueller Belästigung kannst du dich auch rechtlich zur Wehr setzen. Seit 2006 gibt es das so genannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz/ Antidiskriminierungsgesetz. Es regelt, dass du das Recht hast, dich bei deinem Ausbilder zu beschweren. Der ist dann verpflichtet, dein Anliegen ernst zu nehmen, die Angriffe zu unterbinden und dich vor ihnen zu schützen.

Zudem hat dein Ausbilder dir gegenüber eine Fürsorgepflicht nach dem Berufsbildungsgesetz. Seine Handlungsmöglichkeiten können vom Versetzen des Belästigenden in eine andere Abteilung bis hin zu seiner Kündigung reichen.

Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt oder sich nicht darum kümmert, kann er sich dadurch auch schadensersatzpflichtig machen – und du hast unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, deine Ausbildungsleistung bei laufenden Bezügen zu verweigern.

Dies solltest du aber auf jeden Fall schriftlich mitteilen. Und dir, bevor du zu dieser Maßnahme greifst, rechtlichen Rat bei deiner zuständigen Gewerkschaft holen.

Bestimmte Formen sind auch eine Straftat, wenn du z. B. zum Verkehr gezwungen wirst. Hier ist eine Anzeige angebracht.

Ausbildungsplatz wechseln
Es ist dein gutes Recht, deinen Ausbildungsplatz zu wechseln und das Ausbildungsverhältnis aus wichtigem Grund fristlos zu kündigen. Auch hierbei solltest du dir Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft suchen.


Beratungsinfos der DGB-Jugend:

http://bit.ly/dgbj_sexuelle-belaestigung

JAV und sexuelle Belästigung: http://bit.ly/dgbj_jav

Die Möglichkeiten von Beschwerden: http://bit.ly/dgbj_agg


(aus der Soli aktuell 11/12, Autorin: Julia Kanzog)

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