Deutscher Gewerkschaftsbund

Bunt und wichtig

Julia Böhnke vertritt die Interessen der DGB-Jugend beim Deutschen Bundesjugendring (DBJR). Im Soli-aktuell-Interview spricht sie über den Blickwinkel junger Beschäftigter und den Kampf der Jugendverbände gegen Rechtsextremismus.


Julia, du bist nun stellvertretende Vorsitzende des DBJR. Welche Aufgaben hast du dort?
Im Vorstand kümmere ich mich um die Themen Jugendarbeitslosigkeit, Berufsausbildung, Rechtsextremismus, Medien- sowie Geschlechterpolitik. Das klingt zunächst nach einer bunten Mischung, aber besonders in den Bereichen Jugenderwerbstätigkeit und Antirassismus gibt es viele Handlungsfelder für Gewerkschaften und die Jugendverbandsarbeit.

Welche Aufgabe hat der DBJR?

Er vertritt die gebündelten Interessen von Jugendverbänden auf Bundesebene. Jugendverbände in Deutschland umfassen dabei viele Millionen Kinder und Jugendliche, die sich zusammen engagieren. Ob für die Umwelt, die Kirchengemeinde, die soziale Gerechtigkeit oder – wie im Fall der DGB-Jugend – für gute Ausbildung, gute Arbeit und ein gutes Leben.

Auch die Vorstandsmitglieder haben sehr unterschiedliche Hintergründe – von der katholischen Kirche über die Gewerkschaftsjugend bis zu den Pfadfindern. Wie kommt ihr miteinander aus?
Bei den verschiedenen verbandlichen Hintergründen bleibt es natürlich nicht aus, dass sich schon die grundsätzlichen Einschätzungen manchmal stark voneinander unterscheiden. Wichtig bei unserer Arbeit ist, dass niemand außen vor gelassen wird – sprich alle DBJR-Mitgliedsverbände und Vorstandsmitglieder müssen die Beschlüsse mittragen können.

Das ist nicht immer einfach, aber klappt viel häufiger, als man denkt. Denn Ehrenamtliche sind, unabhängig davon, wo sie sich engagieren, teilweise von ähnlichen Problemen betroffen. Zum Beispiel machen es verengte (Aus-)Bildungsverläufe, die Flexibilisierung am Arbeitsmarkt und befristete Beschäftigungsverhältnisse für viele junge Menschen schwierig, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Welche Inhalte möchtest du von der DGB-Jugend in den DBJR transportieren?

Ich denke, für die Jugendarbeit in Deutschland ist es sehr wichtig, dass die Gewerkschaftsjugend die Perspektiven junger Beschäftigter einbringt. So setzen wir uns zum Beispiel für die arbeitsmarktneutrale Umsetzung der Freiwilligendienste ein. Es ist aus unserer Perspektive abzulehnen, dass durch den Ausbau der Freiwilligendienste neue prekäre Lohn- und Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden könnten. Das gilt es zu verhindern. Die Tätigkeiten dürfen nicht den Charakter eines klassischen Arbeitsverhältnisses annehmen und nicht in Konkurrenz zu "herkömmlichen" Arbeitsplätzen stehen. Dabei muss auch sichergestellt werden, dass Freiwillige keine professionellen Fachkräfte im pflegerischen, pädagogischen und im sonstigen Bereich ersetzen.

Was ist derzeit das heißeste Thema auf der Agenda?

Der DBJR und einige seiner Verbände bringen sich momentan in die Diskussion rund um die Ursachen von rechter Gewalt ein. Nach dem Bekanntwerden der von Neonazis verübten Mordserie stehen in der Öffentlichkeit fast nur Themen der "Sicherheits- und Abwehrpolitik" im Fokus. Dabei wird vernachlässigt, dass Bundesjugendministerin Kristina Schröder der Präventionsarbeit gegen Rassismus und Neonazismus Steine in den Weg legt. Sie verharmlost die verübten Morde durch eine Gleichsetzung von rechts und links. Dies wird vor allem in ihrer Förderpolitik deutlich.

Dabei ist besonders die Jugendarbeit in diesem Themenfeld wichtig: Denn den rechten Gewalttaten gehen immer menschenfeindliche Einstellungen voraus.

Warum wehrt ihr euch so vehement gegen die Demokratieklausel?
Einer der dicksten Steine, den Frau Schröder der Zivilgesellschaft in den Weg gelegt hat, ist diese Extremismusklausel: Bevor wir als Träger der Jugendarbeit für unser Engagement gegen Nazis gefördert werden, sollen wir dem Ministerium unsere Verfassungstreue versichern. Diejenigen, die sich gegen Rassismus engagieren, werden zunächst unter den Generalverdacht gestellt, in ihren Reihen würden sich "Antidemokraten" befinden.

Darüber hinaus sollen wir als Jugendverbände unsere Partner auf Verfassungstreue prüfen und im Zweifel beim Bund und beim Verfassungsschutz anfragen. Ausgerechnet bei denen!

Angesichts der Verstrickung von Behörden in rechtsextreme Strukturen wäre es eher angebracht, hier misstrauischer zu sein.


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