Deutscher Gewerkschaftsbund

Hilfe Steuererklärung!

Das neue Jahr hat gerade erst angefangen, doch für viele tun sich bereits erste Fragen zur Steuererklärung auf. Was ändert sich in dem Bereich in 2019? Bin ich verpflichtet eine Steuererklärung zu machen? Bis wann habe ich dafür Zeit? Und was passiert, wenn ich es nicht rechtzeitig schaffe?

Da das Besteuerungsverfahren in Deutschland in den letzten Jahren modernisiert wurde, ist es zu wichtigen Änderungen im Steuergesetz gekommen. Dazu gehören die Verlängerung der Abgabefrist für die Steuererklärung und die Festsetzung eines Verspätungszuschlags. Außerdem sollen Steuererklärungen (v. a. Einkommensteuererklärungen) künftig soweit wie möglich automatisiert geprüft und nur bei Auffälligkeiten manuell kontrolliert werden. Hier haben wir für euch die vom Finanzausschuss beschlossenen Änderungen und wichtige Grundinformationen zusammengefasst.

Für alle, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, endet die Frist zum 31.07.2019 für den Veranlagungszeitraum 2018. Wird die Frist nicht eingehalten, kann ein Verspätungszuschlag fällig werden. Neu ist nun, dass dieser spätestens 14 Monate nach Ablauf der Abgabefrist automatisch fällig wird (bisher lag das im Ermessen der Finanzbeamt_innen). Der Verspätungszuschlag beträgt pro angefangenem Säumnis-Monat 0,25 Prozent der Steuerschuld, mindestens aber 25 Euro monatlich.

Zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind u.a. diejenigen, die als selbstständig Tätige im letzten Jahr einen Gewinn von mehr als 9000 Euro (= Grundfreibetrag 2018) erzielt oder neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro/Jahr (!) aus steuerpflichtigen Nebeneinkünften (Zweitjob, zusätzliche selbstständige Tätigkeit u.ä.) hinzuverdient haben sowie auch all diejenigen, die vom Finanzamt dazu aufgefordert werden. Ausnahmeregelungen für Student_innen gibt es nicht.

Nicht verpflichtet zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung sind studentische Jobber_innen, die neben einer abhängigen Beschäftigung über die Steuer-ID einem (oder mehreren) pauschal versteuerten Minijob(s) nachgehen. Auch Studierende, die kein Einkommen außer Unterhalt oder BAföG haben, müssen keine Steuererklärung abgeben. Wer nicht verpflichtet ist, kann aber freiwillig eine Steuererklärung abgeben, zum Beispiel um höhere Werbungskosten, Sonderausgaben oder Ausbildungskosten geltend zu machen. Sie sind übrigens nicht an die Abgabefrist zum 31. Juli des Folgejahres gebunden! Sie haben dafür vier Jahre Zeit.

Wie bei den meisten Abgabefristen gibt es unter Angabe von Gründen die Möglichkeit einer Verlängerung. Hierzu reicht ein formloses Schreiben ans zuständige Finanzamt mit der Bitte um stillschweigende Verlängerung bis zum gewünschten Datum. Der Bitte um Verlängerung der Abgabefrist ist automatisch zugestimmt, wenn sich das Finanzamt nicht noch einmal explizit darauf meldet. Mit dieser Info ist verzweifelten Ratsuchenden meist schon geholfen. Zum selbst genannten Datum sollte die Steuererklärung dann aber pünktlich eingereicht werden, wenn nicht neue Gründe einen weiteren Verlängerungsantrag rechtfertigen.

Für die, die mit der elektronischen Übermittlung der Daten ans Finanzamt, die beispielsweise für die Einkommenssteuererklärung seit 2011 verpflichtend ist, Probleme haben, gibt es die Möglichkeit, schriftlich beim Finanzamt darum zu bitten, die Formulare wie früher üblich in Papierform abzugeben.

Dies wird voraussichtlich aber zukünftig schwerer werden als bisher, da die Umstellung auf die elektronische Erfassung schon sehr weit fortgeschritten ist. Ob der bislang in der Regel anerkannte Grund, dass kein ausreichender Zugang zu einem Windowsrechner besteht, weiterhin anerkannt wird, bleibt abzuwarten.

Der DGB hat auch in diesem Jahr eine Broschüre mit den aktuellen Lohnsteuer Grundbegriffen herausgegeben, die ihr hier als PDF findet bzw. im DGB-Bestellsystem gegen eine Schutzgebühr bestellen könnt.

Damit sollten sich auch Ungeübte durch die Formulare schlagen können. Da unsere Beratungen grundsätzlich keine Steuerberatung ersetzen können, bleibt bei kniffligen Fragen nur das Glänzen mit Weiterverweisungskompetenz an Profis, wie Steuerberater_innen oder ggf. Lohnsteuerhilfevereine. Letztere beraten in der Regel zwar nur abhängig Beschäftigte, es gibt aber vereinzelt auch Vereine, die mit Steuerberater_innen kooperieren, so dass auch eine Beratung von Selbstständigen möglich ist. Hier lohnt es sich, die Lage bei euch vor Ort zu checken.

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