Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Bahn ist unsere Zukunft

Für die EVG Jugend lief der außerordentliche EVG-Gewerkschaftstag im November in Berlin zufriedenstellend, sagt Natalie Alt.

© EVG Jugend

Natalie Alt, 22, ist Kauffrau für Verkehrsservice bei der DB Station & Service AG und ehrenamtlich aktiv u. a. als JAV-Mitglied und in der EVG-Bundesjugendleitung.

Natalie, für euren Gewerkschaftstag hattet ihr euch einiges vorgenommen…
Dort haben wir gezeigt, mit welchen Themen wir uns gerade als EVG Jugend beschäftigen und welche Forderungen wir an die EVG, aber vor allem auch an die Arbeitgeber und die Politik stellen: Investitionen in die Schiene, Klimaschutz und Verkehrswende, gute Ausbildungsbedingungen, unser Engagement gegen rechts und mehr Mitbestimmung für die Jugend.

In einer Fishbowl-Diskussion mit unserem Vorsitzenden Torsten Westphal und unserem stellvertretenden Vorsitzenden Martin Burkert haben wir unsere Standpunkte deutlich gemacht und mit den Delegierten diskutiert.

Wichtig war für uns aber auch unser Antrag zur Satzungsänderung: Wir haben festgestellt, dass vieles nicht mehr zeitgemäß ist und an die Wünsche unserer Mitglieder angepasst werden muss. Wir wollen zeitlich flexibleres, projekt- und themenbezogenes Engagement ermöglichen. Die Mitarbeit von Frauen und Mitgliedern aus allen Eisenbahn- und Verkehrsbereichen muss gestärkt werden.

Und wir wollen unsere eigenständige Jugendarbeit besser sichtbar machen und die Vielfalt – Bildungsarbeit, inhaltliche Debatten, Aktionen, Spaß, Vernetzung etc. – zeigen. Klare Aufgaben und arbeitsfähige Strukturen für alle Ebenen, neue Kommunikationswege, Tools für mehr Beteiligung müssen geschaffen werden. Und vor allem: Wir wollen keine Partizipationsillusionen!

Dazu brauchten wir eine Satzungsänderung. Diese haben wir zunächst dem Bundesvorstand vorgestellt und dann den entsprechenden Antrag an den Gewerkschaftstag gestellt. Unserem Antrag wurde einstimmig zugestimmt.

Das hört sich gut an!
Auf jeden Fall! Es gab viele positive Reaktionen auf unsere Ideen und Aktionen. Und die Satzungsänderung verschafft uns die Möglichkeit, die Richtlinien der EVG Jugend zu überarbeiten und arbeitsfähige, flexible und zeitgemäße Strukturen zu schaffen. Ein Jahr Arbeit, das sich definitiv gelohnt hat.

Wie viele junge Delegierte wart ihr?
Rund 30 – plus die vier Jugend-Vertreter_innen aus dem EVG Bundesvorstand. Außerdem wurden wir von Mitgliedern der KJAV der DB AG unterstützt, mit der wir immer in engem Austausch stehen. Die Jugend hat definitiv ein gutes Standing in der EVG. Wir beteiligen uns gerne an den Aktionen und Kampagnen der EVG. Wir wollen uns einmischen und mitreden – nicht nur in klassischen Jugendthemen, sondern auch darüber hinaus. Das ist in der Gewerkschaft gewollt und auch gerne gesehen.

Ist die Bahn AG ein junger Betrieb – gibt es prozentual viele junge Beschäftigte?
Die DB soll in den nächsten zehn bis zwölf Jahren etwa die Hälfte ihrer Belegschaft allein durch die Altersstruktur verlieren. Der Altersdurchschnitt liegt bei rund 46 Jahren. Deshalb fordern wir, dass die Ausbildungszahlen erhöht werden und genügend Ausbildungspersonal rekrutiert und qualifiziert werden muss.

Die Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen müssen gefördert werden und der Konzern muss ihnen Karrieremöglichkeiten bieten. Wichtig ist hierbei die Qualität der Ausbildung: Wir wollen keine Schmalspur-Ausbildung in zwei Jahren, sondern eine qualitativ hochwertige Ausbildung mit Weiterbildungsmöglichkeiten. Das ist der einzig richtige Weg, um dem altersbedingten Personalabgang entgegenzuwirken.

Wie seht ihr das: Ist Bahnfahren in Deutschland eine Zukunftsbranche? Viele Menschen beschweren sich ja über den Betrieb…
Die Bahn ist unsere Zukunft – keine Verkehrswende ohne die Schiene! Dazu muss jedoch noch einiges passieren, vor allem in der Verkehrspolitik: Jahrzehntelang hat die Bundesregierung die Eisenbahn in Deutschland vernachlässigt. Die Schiene wurde kaputtgespart.

Das Netz hat seine Kapazitätsgrenze erreicht, der Beweis dafür, dass der Abbau der Schieneninfrastruktur seit 1994 ein Fehler war. Mal abgesehen vom Investitionsrückstau muss langfristig ins Netz investiert werden, um es zu modernisieren und auszubauen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist aus unserer Sicht die Schaffung eines Schienenfonds und die Verdopplung der Pro-Kopf-Investitionen.

Außerdem muss die im Koalitionsvertrag vorgesehene Gemeinwohlorientierung des DB-Konzerns umgesetzt und auf Dividendenzahlungen der DB verzichtet werden.


(aus der Soli aktuell 1-2020, Autorin: Soli aktuell)