Deutscher Gewerkschaftsbund

Überblick behalten

Interview mit Susanne Wingertszahn und Frank Herrmann, AG Bildung

Wo liegt der Schwerpunkt der AG Bildung?

Auf den Bereichen Schule und Hochschule. Dort liegt der zentrale Schlüssel für eine erfolgreiche Modernisierung des Bildungssystems. Daneben haben wir selbstverständlich den Anspruch, das Thema Bildung umfassend zu behandeln. Nur wer Bildung als kontinuierlichen biografischen Prozess betrachtet, kann gute Bildungspolitik gestalten. Folglich schauen wir uns Bildung von der »Wiege bis zur Bahre« an.

Welche Ziele habt ihr euch für die Bundesjugendkonferenz gesetzt?

Die Arbeitsgruppe soll eine gute und in die Zukunft gerichtete bildungspolitische Programmatik für die DGB-Jugend entwickeln. Wir wollen Positionen für ein Bildungssystem formulieren, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, Bildungswege der Emanzipation und Mündigkeit öffnet sowie die sozialen Barrieren beim Bildungszugang beseitigt. Gegen den Trend der Ökonomisierung und Wettbewerbsorientierung im Bildungsbereich wollen wir Positionen setzen, die Bildung nicht auf reine Ausbildung verkürzen.

Welche Vorschläge werden eingebracht werden?

Ein zentraler Aspekt wird die Frage der Verteilung von Bildungschancen sein. So bedeutet die im Januar verkündete Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, Studiengebühren zuzulassen, noch mehr Menschen von Bildung auszuschließen. Neben den funktionalen Anforderungen darf aber nicht vergessen werden, dass es eben auch um die Bildung und Entwicklung mündiger Menschen geht, die ihre Interessen selbstbewusst formulieren und vertreten können.

Wie sollte man das Thema Bildung in den Gewerkschaften diskutieren?

Bildung ist in den Gewerkschaften ein großes Thema. Allerdings verlieren sie sich an vielen Stellen in der Betrachtung einzelner Segmente des Bildungssystems. Was fehlt, ist der Blick und die Perspektive für das Ganze. Hier möchten wir einen kleinen Beitrag leisten. Besonders spannend sind dabei die Schnittstellen zwischen verschiedenen Bildungsbereichen. Zum Beispiel der Übergang von der Schule in den Beruf oder vom Beruf in die Hochschule. An diesen Schnittstellen entscheiden sich viele Bildungswege.

Susi Wingertzahn (E-Mail: susanne.wingertszahn@dgb.de) ist Jugendbildungsreferentin in Rheinland-Pfalz, Frank Herrmann (E-Mail: frank.herrmann@dgb.de) ist Jugendbildungsreferent in Hessen.


(aus der Soli extra „Her mit dem schönen Programm“, Frühjahr 2005, Interview: Soli aktuell)

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