Deutscher Gewerkschaftsbund

Eigenständige Sicherung

AG Gleichstellung: Der DGB postuliert die Chancengleichheit von Männern und Frauen als zentrales Anliegen. Daran muss gearbeitet werden.

Insgesamt betrug der Frauenanteil bei den Mitgliedern in den Gewerkschaften im Jahr 2003 31,8 Prozent. Die GEW ist die einzige Gewerkschaft mit einer Frau an der Spitze. Dies sollte auch keine Frage sein, sind doch in der GEW 66,8 Prozent der Mitglieder Frauen.

Anne Jenter ist Leiterin der Abteilung Gleichstellungs- und Frauenpolitik beim DGB-Bundesvorstand. Sie weiß um die Probleme bei der Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern. »Wir müssen bei den Gewerkschaftsmännern oft noch dicke Bretter bohren. Z.B. hätte man bei den ganzen Hartz-Gesetzen noch sehr viel mehr tun können. Bei den Nichtleistungsempfängern sind wegen der Anrechnung des Partnereinkommens 75 Prozent der Betroffenen Frauen.«

Gleichzeitig betont sie, dass in den vergangenen Jahren von den Gewerkschaften wichtige Impulse kamen – etwa der Ausbau von Ganztagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren. Auch die Beteiligung des DGB an den »Lokalen Bündnissen für Familie« seien ein richtiger Schritt. Einen Erfolg konnte das Bündnis in Trier erzielen: Eine betriebsübergreifende Kindertagesstätte im Industriegebiet ist konkret geplant.

Zudem wurde vom DGB-Bundesvorstand das Aktionsprogramm für Chancengleichheit in Betrieben beschlossen. »Der Auslöser dafür war, dass es immer noch kein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft gibt«, erläutert Jenter. Das von der Bundesregierung versprochene Gleichstellungsgesetz ist am Widerstand der Arbeitgeber gescheitert. Betriebsräte, Mitglieder in Tarifkommissionen oder Gewerkschaftsvertreter werden mit einem Aktionsprogramm zu gleichstellungspolitischen Initiativen ermutigt.

Als großen Erfolg der DGB-Frauen wertet Jenter, dass sich Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) im November 2004 für das Elterngeld anstelle des heutigen Erziehungsgeldes ausgesprochen hat.

Das Elterngeld soll Lohnersatzfunktion haben. Bereits heute können beide Elternteile während der Elternzeit bis zu 30 Stunden arbeiten. Mit diesem partnerschaftlichen Modell können Väter stärker in die Erziehungsarbeit eingebunden werden; und den Müttern wird eine schnellere Rückkehr in die Erwerbsarbeit ermöglicht.

»Ziel unserer Gleichstellungspolitik ist die eigenständige, individuelle ökonomische Existenzsicherung jedes einzelnen Menschen, egal ob Frau oder Mann«, erklärt Jenter, »und dies muss sich z.B. auch in der Steuerpolitik und der Familien- und Arbeitsmarktpolitik niederschlagen.«


(aus der Soli extra „Her mit dem schönen Programm“, Frühjahr 2005, Autor: Soli aktuell)


Zusatzinfos: Daten und Fakten

Die Frauenerwerbsquote liegt in Deutschland mit 65 Prozent deutlich unter der Männerquote mit etwa 79 Prozent. Im Mai 2003 waren von den 36 Millionen Erwerbstätigen zwischen 15 bis 65 Jahren 16 Millionen Frauen. Unter den 4 Millionen Erwerbslosen waren 1,7 Millionen Frauen. Allerdings gehörten 24 Millionen Frauen im Gegensatz zu 18 Millionen Männern zu den Nichterwerbspersonen.

In den Wirtschaftsbereichen sind Frauen vor allem im Dienstleistungssektor beschäftigt. 9 Millionen Frauen waren im Mai 2003 dort tätig (gesamt: 15 Millionen). In Handel, Gastgewerbe und Verkehr waren 4 Millionen Frauen beschäftigt (gesamt: 8 Millionen). Im produzierenden Gewerbe waren dagegen nur 2,7 Millionen Frauen tätig (gesamt: 11, 2 Millionen). Von den mithelfenden Familienangehörigen waren 292.000 weiblich (gesamt: 385000). Unter den Selbstständigen gab es 1 Millionen Frauen (gesamt: 3,7 Millionen). Noch gravierender ist der Unterschied bei den Beamtinnen und Beamten. Von insgesamt 2,2 Millionen waren nur 775.000 Frauen. Dagegen waren von 18,6 Millionen Angestellten (einschließlich Azubis) 10,5 Millionen Frauen.

2003 waren von 22,6 Millionen Vollzeitbeschäftigten 8,5 Millionen Frauen. Einer Teilzeitbeschäftigung gingen 3,6 Millionen Frauen aber nur 652.000 Männer nach. 693.000 Frauen arbeiteten unter 18 Stunden. Väter sind bisher nur mit etwa 2 Prozent an der Elternzeit beteiligt.

Während männliche Arbeiter im Jahr 2003 in der Woche durchschnittlich 587 Euro verdienten, lag der Bruttowochenverdienst von Frauen bei 434 Euro. Bei den männlichen Angestellten lag der Bruttomonatsverdienst bei 4.055 Euro, bei den weiblichen Angestellten bei 2.878 Euro. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit)

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