Deutscher Gewerkschaftsbund

Der arbeitslose Nachwuchs?

…ist schon da: Auf dem Ausbildungsstellenmarkt gibt es nur noch Mangelverwaltung.

Siehe dazu auch Artikel Passiv, aktiv, aktivierend, ebenfalls aus der Soli extra „Her mit dem schönen Programm“.

Es ist beinahe egal, welche Zahlen aus welchem Monat man sich anguckt. Der Trend ist seit Jahr und Tag der gleiche: Immer mehr Jungen und Mädchen suchen noch nach einem Ausbildungsplatz, gleichzeitig nimmt die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen weiter ab.

Insgesamt gab es im Januar diesen Jahres rund 50.000 (14,5 Prozent) weniger betriebliche Ausbildungsplätze als im Januar 2003. Zugleich stieg die Zahl der Lehrstellensuchenden kontinuierlich. Waren es vor zwei Jahren bundesweit 412.536 gemeldete Ausbildungssuchende, zählte die Bundesagentur für Arbeit jetzt 438.045. Ein Plus von 25.509 Jugendlichen oder 6,3 Prozent.

Völlig klar ist also: Bisher wird zu wenig getan, um möglichst allen Jugendlichen eine betriebliche Ausbildung zu ermöglichen. Absehbar ist, dass es zum Ende des Ausbildungsjahres nicht besser aussehen wird.

Besonders ungünstig ist das Verhältnis in Ostdeutschland. Hier standen im Januar 116.081 BewerberInnen lediglich 34.423 betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber, das macht 3,4 BewerberInnen pro Lehrstelle. In Westdeutschland ist es von den absoluten Zahlen her etwas besser: Dort gab es 321.964 BewerberInnen und 249.549 betriebliche Ausbildungsplätze. Aber die Tendenz geht in die falsche Richtung: Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze schrumpft, die der BewerberInnen steigt.

Für das gesamte Bundesgebiet sieht die Bilanz so aus: 438.045 BewerberInnen haben sich für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Die Unternehmen meldeten dagegen 283.972 verfügbare betriebliche Ausbildungsstellen – übrigens 25.245 oder 8,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Stichwort Jugendarbeitslosigkeit: Etwa 635.000 Jugendliche unter 25 Jahren sind in Deutschland derzeit arbeitslos. Darunter sind 218.000, die jetzt durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe in der Arbeitslosenstatistik aufgenommen wurden. Mit 12,7 Prozent liegt die Jugendarbeitslosigkeit nach wie vor unter der Arbeitslosigkeit insgesamt (13,5 Prozent). Doch genauer betrachtet zeigt sich, dass die Jugendarbeitslosigkeit eine besondere Struktur hat, der mit besonderen Maßnahmen begegnet werden muss:

  • Beinahe jeder zweite (42 Prozent) arbeitslose Jugendliche in Deutschland hatte im Jahr 2003 keine abgeschlossene Berufsausbildung und damit besondere Schwierigkeiten in einem Arbeitsmarkt, in dem Facharbeiter gefragt sind
  • Jeder vierte arbeitslose Jugendliche ist seit mehr als sechs Monaten ohne Beschäftigung und gilt damit als langzeitarbeitslos
  • Jeder zehnte Schulabgänger eines Jahrgangs verlässt die Schule ohne Schulabschluss und findet dadurch in der Regel keinen Ausbildungsplatz
  • Jeder vierte Jugendliche bricht seine Berufsausbildung vorzeitig ab.


(aus der Soli extra „Her mit dem schönen Programm“, Frühjahr 2005, Autor: Soli aktuell)

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