Deutscher Gewerkschaftsbund

Das operative Geschäft

AG Organisationspolitik: Wie sich Gewerkschaften organisieren, ist eine richtungsweisende Frage für ihre Zukunft. Die DGB-Jugend setzt auf lockere Strukturen.

Nicht umsonst ist in den vergangenen Jahren beim DGB viel Energie in organisatorische Reformen gesteckt worden. Die Transformation der Industriegewerkschaft zur Dienstleistungsgewerkschaft wurde als eine zentrale Aufgabe wahrgenommen. Mehrere Gewerkschaften haben sich zusammengeschlossen, durch die Gründung von ver.di ist die Deutsche Angestellten Gewerkschaft in den DGB integriert worden. Waren früher 16 Einzelgewerkschaften Mitglieder im DGB sind es heute nur noch acht. ver.di ist mit rund 2,6 Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft der Welt.

Seit Jahren sinken allerdings die Mitgliederzahlen in den deutschen Gewerkschaften. Diesen Trend aufzuhalten, wenn nicht gar umzukehren, sollte das Ergebnisse effektiver Organisationspolitik sein. »Organisationspolitik ist für mich nur ein anderes Wort für Management. Das sind die Dinge, die man im operativen Geschäft machen muss, z.B. um neue Mitglieder zu bekommen. In Bereich Jugend geht es uns beim DGB vor allem darum, an die Köpfe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu kommen, Bewusstsein zu wecken für ihre Lage«, erläutert DGB-Bundesjugendsekretär Christian Kühbauch.

Um junge Erwachsene anzusprechen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen, gibt es bei der DGB-Jugend auch temporäre Organisationsmodelle. »Da sind wir schon einige Schritte vor dem Gesamtverband. Junge Leute schrecken oft davor zurück, sich fest in Strukturen zu organisieren bzw. ihr Zeitplan lässt langfristige Mitarbeit nicht zu«, sagt Kühbauch.

Es existiert daher das Angebot, für begrenzte Zeit in ehrenamtlichen Teams mitzuarbeiten, z.B. in den Semesterferien. So können sich Studierende zeitweise in Berufschulen oder bei Projekttagen für Azubis engagieren. Sie können mitarbeiten und mitbestimmen, ohne kontinuierlich eingebunden zu sein.

Problematisch ist häufig auch der Übergang zwischen Ausbildung und Berufsleben. Jugendliche, die in den Ausbildungsvertretungen aktiv sind, werden danach nicht zwangsläufig in die Gewerkschaftsstrukturen eingebunden. Daher kann es leicht passieren, dass der Kontakt verloren geht. Über das Projekt U35 der IG-Metall sollen junge Erwachsen beim Wechsel von der Ausbildung in ein Beschäftigungsverhältnis weitergehend betreut werden. Zudem ist das Projekt darauf ausgerichtet, die IG Metall an den Hochschulen bekannter zu machen. Das ist nötig, da immer mehr Jugendliche nach der Schule studieren und erst dann in einen Betrieb kommen.

An (erwerbstätige) Studierende richtet sich auch die Beratungs-Homepage »Students at work«, auf der man Informationen zu arbeits- und sozialrechtlichen Themen und rund um das Studium erhält. Für Auszubildende existiert das Online-Beratungsprojekt »Dr. Azubi«, wo Fragen anonym und individuell beantwortet werden. Ein Info-Spot dazu läuft auch auf dem Musiksender MTV.

Professionalität und Prioritätensetzung sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Organisationspolitik. »Ich hoffe daher, dass wir es in der AG Organisationspolitik schaffen, das Selbstverständnis der DGB-Jugend zu schärfen und Grundsätze festzulegen, die dann beschlossen werden können«, betont Kühbauch.

www.dr-azubi.de
www.students-at-work.de


(aus der Soli extra „Her mit dem schönen Programm“, Frühjahr 2005, Autor: Soli aktuell)


Zusatz: Daten und Fakten

Mehr Mitglieder müssen her! Die Trendumkehr nach jahrelangen Verlusten hat der DGB-Vorsitzende Michael Sommer »zur Chefsache« erklärt. Der fortgesetzte Aderlass dürfte 2004 zu Beitragsausfällen von rund 50 Millionen Euro in den Gewerkschaftskassen geführt haben. Der Mitgliederverlust der acht DGB-Einzelgewerkschaften hat sich mit 350.000 Abgängen noch einmal beschleunigt: Zum Jahresende 2004 waren es noch 7,013 Millionen oder fast 4,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Innerhalb von sechs Jahren ist die Mitgliederzahl um 1,8 Millionen zurückgegangen.

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