Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein Job für Studis: Werde Gewerkschaftschef!

Die meisten Gewerkschaften bieten spezielle Trainee-Programme an, um Nachwuchs zu akquirieren und Akademiker auf ihren Beruf in der Gewerkschaft vorzubereiten. So wie bei der IG Metall.

Mit ihrem Traineeprogramm will die IG Metall jungen Männern und Frauen eine fundierte Grundlage für die Tätigkeit als Gewerkschaftssekretärin und -sekretär bieten. Die Programme richten sich zunächst an interessierte Gewerkschaftsmitglieder, Voraussetzung ist die Mitgliedschaft jedoch nicht – im Prinzip kann sich jeder für die zwölfmonatige Ausbildung bewerben, der sich in den Gewerkschaften auskennt und politisch denkt.

"Wir müssen uns die Leute ansehen", sagt Kornelia Dembowski, eine von vier PersonalentwicklerInnen, die sich bei der IG Metall um die Trainees kümmern. 180 Bewerbungen bekam sie auf die letzte Ausschreibung – von insgesamt 24 Plätzen. Das Programm ist gefragt. "Und die Bewerber auch", sagt Dembowski, "wir sind sehr flexibel, wenn die Leute in unser Programm zu passen scheinen". Beim letzten Jahrgang macht sie dann auch eine interessante Zusammensetzung der Trainees aus. "Da waren Leute mit Berufsausbildung, Abitur und Studium auf dem zweiten Bildungsweg oder reine Akademiker dabei." Die Altersgrenze liegt bei 35 Jahren. Sollte aber jemand außerordentliche Qualifikationen mitbringen, sind Sonderregelungen möglich.

Der Rahmenplan der Ausbildung: erst lesen, dann Arbeitskampf. Das Programm enthält einen Mix aus theoretischer und praktischer Bildung. Seminarphasen wechseln sich mit Praxisphasen ab, in denen die Trainees in der IG Metall und bei Betriebsräten hospitieren. Die Ausbildungspläne mit über 40 Bausteinen haben allgemeine und individuelle Anteile. Die Trainees bekommen Einblicke in die Praxis der Organisation und arbeiten sich in relevante Arbeitsfelder ein. Vor allem ihre fachliche Kompetenz sollen die Trainees erweitern. Die IG Metall legt deshalb in diesem Programm Wert auf ein breites thematisches Spektrum: Mehrwöchige Einsätze führen die Trainees auch zu Kollege Jürgen Peters im Vorstand, in eine Bezirksleitung und in Verwaltungsstellen der IG Metall ebenso wie zu einem Betriebsrat oder Gesamt- oder Konzernbetriebsrat. Eine Abschlussprüfung gibt es aber nicht.

Unterricht zu Meinungsbildung und Entscheidungsstrukturen, Mitglieder- und Organisationsentwicklung, Arbeit von Betriebsratsgremien, das Zusammenspiel Betriebsrat – Vertrauensleute – Verwaltungsstelle, Gewerkschafts- und Gesellschaftstheorie, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Arbeitsrecht und Tarifpolitik rundet die Ausbildung ab. Dazu enthält sie fächerübergreifende Lerninhalte wie Präsentation und Rhetorik, Moderationstechniken Zeitmanagement und persönliche Arbeitsorganisation.

Methodisches Wissen und Geschick soll die Ausbildung anregen. Durchgehend orientiert sich das Programm an der Idee eines realitätstauglichen Berufsbildes. Viele Lerninhalte sind als "Generalqualifikationen" in der gesamten modernen Arbeitswelt nützlich.

Aber aufpassen: "Die Ausbildung ist konzentriert und straff", warnt die Metallgewerkschaft.

Dafür gibt es auch was: Trainees bekommen ein Gehalt. Für alle externen Trainees ist es gleich. Kolleginnen und Kollegen aus der IG Metall erhalten mindestens das gleiche Entgelt, haben sie bereits ein höheres, so behalten sie dieses auch während der Ausbildung. Mit dem Traineeprogramm will die IG Metall Nachwuchskräfte gewinnen. Der Normalfall ist darum ein Arbeitsverhältnis nach der Traineeausbildung. Entschieden wird darüber aber erst nach Abschluss der Ausbildung.

"So wie bei Jugendsekretär Dietmar Jansen", sagt Dembowski. "Der war mal Trainee. Jetzt ist er Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Kempten."


Infos: Traineeprogramm der IG Metall. Die Ausschreibungen laufen jedes Jahr im Herbst. Susanne Scholtyssek, Tel.: 069 / 66 93 23 60, Fax: 069 / 66 93 20 58, E-mail: Susanne.Scholtyssek@igmetall.de, www.igmetall.de/...


(aus der Soli extra "Students at work", Herbst 2004, 2. überarbeitete Auflage, Autor: Jürgen Kiontke)

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