Deutscher Gewerkschaftsbund

Drei Euro die Stunde

170 studentische Beschäftigte in Göttingen, 300 in Heidelberg, Resolutionen und Proteste aller Orten – das ist der aktuelle Stand der bereits zwei Jahre andauernden Arbeit der studentischen Tarifvertragsinitiative (Tarifini).

Knapp 100.000 studentische Beschäftigte arbeiten laut Angaben der Gewerkschaft GEW an den bundesdeutschen Hochschulen. Von geregelten Arbeitsverhältnissen kann man hier jedoch nicht sprechen, nur die Berliner Beschäftigten haben – historisch bedingt – einen Tarifvertrag, der ihnen einen gesicherten Job gewährleistet. In den anderen Bundesländern werden studentische Beschäftigte in den meisten Fällen als flexible Aushilfen eingesetzt: Verträge über drei Monate mit einer Bezahlung zwischen 3,07 Euro (z.B. an der FH Weihenstephan) bis maximal 8,02 Euro und manchmal sehr geringen Stundenumfängen sind keine Ausnahmen.

Um diese Missstände zu beseitigen hat sich die studentische Tarifvertragsinitiative gebildet, unterstützt durch die Gewerkschaften GEW und ver.di wie auch durch den Dachverband der Studierendenvertretungen, den fzs. Mittlerweile arbeiten in fast allen Bundesländern Studierende mit und haben eine breite Bewegung der studentischen Beschäftigten initiiert.

Die Motive für das Engagement sind unterschiedlich. Diana Greim, Mitglied im Personalrat der studentischen Beschäftigten an der TU Berlin, arbeitet aktiv mit, weil "wir im Jahr 2005 den Berliner Tarifvertrag verteidigen müssen, hierfür benötigen wir natürlich auch bundesweite Unterstützung". Alexandra Ortmann, studentische Beschäftigte an der Uni Göttingen hingegen will "endlich eine tarifliche Absicherung meines Arbeitsverhältnisses" erreichen.

Das Hauptziel steht also fest: eine möglichst bundesweite tarifliche Absicherung der studentischen Beschäftigungsverhältnisse. Die Forderungen der Initiative orientieren sich am Berliner Tarifvertrag: ein Stundenlohn von elf Euro, 30 Tage Urlaub, Möglichkeit des Sonderurlaubs für Prüfungen, Auslandsaufenthalt und Praktika, um nur einige zu nennen.

Die Tarifini hat in den letzten beiden Jahren eine beachtliche Kraft entfaltet, nicht nur in den studentischen Gewerkschaftsstrukturen werden die Forderungen in Taten umgesetzt, auch fzs und lokale Studierendenvertretungen unterstützen die Forderung nach einer tariflichen Absicherung.

Aktivitäten haben nicht zuletzt die Lohnkürzungen in Niedersachsen, Hamburg und Baden-Württemberg (wie nun auch in Bayern und Rheinland-Pfalz) hervorgerufen. In diesen Ländern wurde die Kündigung der Arbeitszeitvorschriften im Bundesangestelltentarifvertrag BAT für die Arbeitgeber zum Argument, auch den studentischen Beschäftigten ihren Lohn entsprechend zu kürzen. Die Argumentation hierfür ist zynisch: die bisherigen Stundensätze seien auf Grundlage der Arbeitszeit des Öffentlichen Dienstes berechnet. Erhöht sich diese, so muss auch der Stundenlohn einer studentischen Hilfskraft angepasst werden – natürlich nach unten. In den vergangenen Lohnrunden wurden die Verbesserungen nicht an die studentischen Beschäftigten weitergeben, die Verschlechterungen müssen sie nun jedoch mittragen.

Diese Ungerechtigkeit haben die Studierenden nun noch stärker mobilisiert. Rund 130 studentische Beschäftigte an der Uni Göttingen haben auf einer Vollversammlung neben der Rücknahme der Kürzungen den niedersächsischen Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder dazu aufgefordert, eine tarifliche Absicherung zu fördern. Ähnliche Forderungen haben studentische Beschäftigte auch in anderen Städten aufgestellt.

Deutlich wird in dem aktuellen Konflikt um die Arbeitszeit, dass die Studierenden ebenso wie die regulären Beschäftigten in den Fokus gewerkschaftlicher Arbeit gehören. Bereits in den abgebrochenen Verhandlungen mit den Ländern zu tariflichen Regelungen im Wissenschaftsbereich haben die Gewerkschaften darauf gedrängt, dass die studentischen Beschäftigten künftig im BAT abgesichert werden. Diese Forderung traf natürlich auf den Widerstand der Arbeitgeber.
Eine tarifliche Regelung wird nur durch den Druck der Beschäftigten und die Unterstützung der Gewerkschaften zu erreichen sein.
Info: www.tarifini.de


(aus der Soli extra "Students at work", Herbst 2004, 2. überarbeitete Auflage, Autor: Daniel Taprogge)

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