Deutscher Gewerkschaftsbund

Aufstehen oder Ohnmacht pflegen?

Die Gewerkschaften müssen den Konflikt aufnehmen – national wie international. Von Detlef Hensche

Die Menschen haben einen Reichtum erarbeitet, der den allgemeinen Wohlstand heben und allen ein Leben in Würde und ohne Ausgrenzung erlauben könnte. Doch statt dessen vertieft sich die Kluft zwischen arm und reich. Dies ist kein Naturgesetz. Was gesellschaftlich verursacht ist, ist gesellschaftlich veränderbar. Aber freiwillig verzichten die Herrschenden nicht auf ihre Privilegien.

Deshalb gilt es, den Konflikt aufzunehmen: national in den Betrieben, in der Gesellschaft wie gegenüber der Politik, international gegenüber den Sachwaltern und Profiteuren neoliberaler Herrschaft. Beides hängt zusammen. Es gibt keine Inseln des Wohlstands inmitten einer Umwelt von Armut und Hunger. Wenn wir nicht teilen, werden die Menschen des Südens an unsere Türen klopfen. Wenn sie für ihre Arbeit einen ausreichenden Lohn erhalten, wird manches bei uns teurer. Auch wir profitieren von weltweiten Ungleichgewichten und Ausbeutung. Wenn wir keine ökologischen Standards durchsetzen, wird die Zerstörung der Umwelt auch unsere Existenz gefährden. Der Politik muss auf die Sprünge geholfen werden.

Es gibt Bewegungen, die international präsent sind. Jeder Streik, jede Demonstration, jede Konferenz, die die Zirkel der Mächtigen durchbricht, ist ein Stück Demokratie. Die Gewerkschaften gehören dazu. Gewerkschaften, die die Augen vor denen verschließen, die unten stehen, Arbeitslose, Ausgegrenzte, Menschen in der dritten Welt, werden zu Standesorganisationen verkümmern. Das kann niemand wollen.


(aus Soli extra "Globalisierung", Sommer 2003, Autor: Detlef Hensche, letzter Vorsitzender der IG Medien,  arbeitet in Berlin)

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